Zusammenarbeit mit welchen Vermittlern? Selbstvermarktung für Freelancer (5/10)

Welche Freelancer VermittlerViele Freelancer arbeiten mit Vermittlern zusammen. Doch welche Vermittler sind für Dich als Freelancer die richtigen? Mit welchen Vermittlern solltest Du zusammenarbeiten?

Ganz nüchtern betrachtet sind die Vermittler die besten, die Dir möglichst viele fachlich, örtlich und zeitlich passende vernünftig bezahlte Freelancer Jobs anbieten. Sie sollten pünktlich zahlen. Darüber hinaus sollte Sie Dich vertraglich nicht unnötig lange an sich binden und Dir auch sonst einigermaßen faire Verträge anbieten. Und sie sollten für Dich da sein, wenn sie gebraucht werden.

Dann ist da natürlich noch die Frage des Aufwands, den Du in diese Beziehungen stecken musst. Es geht also um das Input/Output-Verhältnis.

Schauen wir uns doch mal die einzelnen Dimensionen näher an und betrachten einige der Typen an Vermittlern, wie sie dort abschneiden:

 

1. Vermittler die viele für Dich relevante Jobs haben

Das sind auf der einen Seite die großen Vermittler wie HAYS und Gulp und das sind auf der anderen Seite die größeren spezialisierten Vermittler, die in einer Nische unterwegs sind und z.B. nur SAP Experten vermitteln. Beide haben den direkten Kundenzugang.

Schon seit einigen Jahren hat bei den ganz großen Auftraggebern allerdings eine Konsolidierungsbewegung eingesetzt. Die Lieferanten für einen Bereich sollen auf wenige reduziert werden. Oft ist es also so, dass die spezialisierten Vermittler in der zweiten Reihe stehen und einen der großen zumindest als Managed Service Provider akzeptieren müssen. Im schlechteren Fall sind sie wie andere Vermittler gezwungen, Kettenverträge abzuschließen.

Dann noch zum speziellen Punkt „Jobs für Dich“: Einem normalen Vermittler ist es an sich egal, welchen Freelancer er vermittelt. Einer Genossenschaft ist dies nicht egal. Diese ist zuallererst ihren Mitgliedern verpflichtet. Sie wird zunächst bestrebt sein, passende Genossen auf die Stelle zu besetzen. Erst wenn nicht genügend Mitglieder der Genossenschaft für den Job verfügbar sind, wird sie in den externen Pool schauen oder extern suchen.

Im positivsten Fall wirst Du von dem Vermittler aktiv am Markt angeboten. Das machen Vermittler aber nur in sehr seltenen Fällen. Aus Sicht des Verkäufers kann das z.B. in Angebotsmärkten sinnvoll sein, in denen der Auftraggeber froh sein kann, dass ein Spezialist in einigen Monaten frei wird.

 

2. Vernünftig bezahlte Jobs

Der Grundsatz einer normalen Freelancer Vermittlung ist es, möglichst günstig einzukaufen und möglichst teuer zu verkaufen. Der Vermittler ist der Händler und der Freelancer ist das Handelsgut. Dieses muss eine gewisse Qualität haben. Schließlich wird der Kunde nicht unbedingt wieder anfragen, wenn der erste und zweite Freelancer ihr Projekt zerlegt haben. Aber sonst geht es dem Vermittler „Typus Händler“ um die Maximierung seiner Marge.

Die Einkaufsabteilungen großer Auftraggeber haben bereits Druck gemacht und haben Maximalmargen durchgesetzt. Aber das betrifft nur die größten Unternehmen. Sonst interessiert den Auftraggeber nur der Endstundensatz, den er zahlen muss; auch wenn dieses teilweise zu kurz gedacht ist (siehe Artikel: „Warum auch Auftraggeber auf die Marge des Vermittlers achten sollten“).

Sicher hast Du auch schon mal die Anfrage bekommen, Deinen Stundensatz zu reduzieren. Du hättest dann „sehr gute Chancen, besetzt zu werden“. Hast Du Dich dann auch schon mal gefragt, ob das vom Kunden ausgeht und der wirklich nicht mehr Budget hat? Oder ob hier „nur“ der Vermittler versucht, seine Marge zu erhöhen?

Sicher sein kannst Du nur, wenn Du einen Vermittler wählst, der wie 4freelance nach dem Open Book Prinzip vermittelt. Hier weiß der Auftraggeber genau, was der Vermittler verdient und Du weißt es auch.

 

3. Pünktliche Zahlung

In diesem Punkt sollten die größeren Vermittler besser sein. Sie haben genügend Rücklagen und können Dich auch zahlen, wenn der Auftraggeber sie noch nicht gezahlt hat. Das ist bei kleineren Vermittlern natürlich schwieriger.

Ob diese Zahlungsfähigkeit sich auch in pünktliche Zahlungen umsetzt kann ich nicht beurteilen. Deine Erfahrungen zu diesem Punkt würde mich interessieren. Schreib in die Kommentare.

 

4. Faire Verträge

Viele der großen Vermittler nutzen Ihre Machtstellung leider aus und haben einige weniger nette Klauseln in Ihren Verträgen:

  1. Du sollst nicht ausplaudern, wie hoch Dein Stundensatz ist. Hier geht es vor allem darum, dass der Auftraggeber dies nicht erfahren soll, da er sich ja sonst die Marge des Vermittlers ausrechnen könnte.
  2. Du bist für den vermittelten Auftraggeber 12 Monate nach dem letzten Projekteinsatz gesperrt. Du musst da über Deinen jetzigen Vermittler gehen. Auch wenn sie Dich nur für 2 Monate vermittelt haben.
  3. Schicke Vertragsstrafen in fünfstelliger Höhe

Die meisten Freelancer unterschrieben einfach und wollen „sich nicht mit den Großen anlegen“.

Wenn Du Dich mal mit einem Rechtsanwalt über dieses Thema unterhältst, dann wirst Du feststellen, dass viele dieser Klauseln vor Gericht nicht standhalten würden. Bei der Sperrfrist etwa kommt es z.B. auf die Verhältnismäßigkeit der Projektvermittlung zu der Sperrfrist an.

Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Freelancer einige dieser Bestimmungen ignorieren und dass der Vermittler diese trotzdem nicht verklagt. Aber ich bin kein Rechtsanwalt. Fragt einfach einen Spezialisten. Hier können wir unsere Rechtsanwältin Julia Gertz empfehlen, die uns geholfen hat, unseren fairen Vertrag zu formulieren.

Freelancer die gegenüber einem Vermittler eine gute Verhandlungsposition haben, können diese Stellen aus ihrem Vertrag rausverhandeln. Aber ist das nicht mühsam? Arbeite lieber mit Vermittlern zusammen, die Dir gleich einen fairen Vertrag anbieten!

 

5. Der Vermittler sollte für Dich da sein, wenn Du ihn brauchst

In diesem Punkt sollten die größeren Vermittler besser sein. Sie haben genügend Personal und können Dich gut betreuen. Sie haben viel Erfahrungen mit ähnlichen Situationen und könnten dafür qualitätsgesicherte Standardprozesse definieren. Außerdem haben die großen Agenturen mehr Verhandlungsmacht, die sie für Euch einsetzen könnten.

Viele Freelancer haben mir aber berichtet, dass es aus ihrer Sicht oft die kleinen Vermittler sind, die sich durch Engagement und bessere Betreuung auszeichnen. Deine Erfahrungen zu diesem Punkt würde mich interessieren. Schreib in die Kommentare.

 

6. Input/Output-Verhältnis

Aber es nicht nur darum, was Du von welchem Vermittler erwarten kannst. Es geht auch darum, was Du in die Beziehung reinstecken musst.

Wie viele Stunden steckst Du in Deine Beziehung zu dem einzelnen Vermittler? Rechne da mal die Mails, Telefonate, die Treffen, die Updates Deines Profils in deren Datenbank etc. zusammen.

Du hast im Jahr 8 Stunden investiert und ein 4-Monats-Projekt vermittelt bekommen? Das lohnt sich. Du hast 4 Stunden investiert und Du hast 3 passende Anfragen bekommen, die leider zeitlich nicht gepasst haben. Das lohnt sich.

Du hast 3 Stunden investiert und im Ganzen Jahr 2 unpassende Anfragen erhalten. Wirst Du die 3 Stunden im nächsten Jahr wieder investieren, sie reduzieren oder gleich auf einen Kontakt zu dem Vermittler verzichten? Es kommt darauf an, wie Du die Chancen und damit das Input/Output-Verhältnis im nächsten Jahr einschätzt.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es kein Patentrezept für die Auswahl eines Freelancer Vermittlers gibt. Schau aber auf alle Punkte und entscheide selber, welcher Vermittler zu Dir passt und mit welchem die Zusammenarbeit am vielversprechendsten erscheint.

 

Welche wichtigen Punkte habe ich übersehen?

Was habe ich falsch dargestellt?

Schreibe in die Kommentare!

Viele Grüße, Peter

P.S.: Wenn Du Dich über unsere Freelance Genossenschaft informieren möchtest, kann Du dies gerne hier tun. Bei uns beitreten kannst Du hier.

 

Dieser Artikel ist der fünfte von zehn aus der Reihe „Selbstvermarktung für Freelancer“.  Hier sind die Links zu den bisher publizierten Artikeln:

1/10 Werkzeugübersicht

2/10 Freelancer Profil

3/10 Xing- und LinkedIn-Profil

4/10 Profil in Freelancer Datenbanken

5/10 Zusammenarbeit mit welchen Vermittlern

6/10 Spezialdatenbanken für technische Beiträge

7/10 Freelancer Website

8/10 Empfehlungsmarketing

9/10 Content Marketing

10/10 Kaltakquise

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Peter Monien

Als hauptamtlicher Vorstand und Content Marketing Verantwortlicher von 4freelance schreibt Peter Monien öfter auf diesem Blog. Peter ist Co-Founder des social travel Startups destimate. Er hat bereits mehr als 15 Jahre Erfahrung im B2B-Sales und war unter anderen bei Dow Jones und Red Hat tätig. Sie finden Peter Monien auf LinkedIn, XING, Twitter und Google+.