Update: Recruiting Agentur als Genossenschaft

Ich möchte ein kurzes Update zur der Recruiting Agentur als Genossenschaft geben.

Mit einigen von Euch hatten wir bereits gesprochen und konnten so viele Punkte aufnehmen, die im jetzigen Vermittlungssystem negativ sind. Vielen Dank für Euren Input! Einige hatten auch schon Kontakte zu potentiellen Kunden hergestellt.Diese haben uns die Zusage gegeben, dass sie die Genossenschaft nach der Gründung beauftragen werden. Selbstverständlich werden wir erfolgreiche Empfehlungen von Mitgliedern belohnen. Wie hoch die Provision sein wird, ist noch unklar. Aber es ist selbstverständlich, dass es durchaus attraktiv sein wird, wenn Ihr Euch gegenseitig unterstützt.

Wir sind gerade dabei, die kritischen Themen zusammenzufassen. Denjenigen, die sich schon vor der Gründung engagieren wollen, werden wir einen Zugang zu einem internen Diskussionsforum zuschicken.

Außerdem werden wir an alle eine Umfrage versenden. Diese dient dazu, ein Stimmungsbild zu einigen kontrovers diskutierten Themen einzuholen (z.B. Vertrieb, Zugangsvoraussetzung, Qualitätssicherung).

Am Donnerstag haben wir einen Termin beim Gründungsberater hier in München. Es geht voran!

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Timo Bock

Als Vorstand der 4freelance recruitment eG schreibt Timo Bock in unregelmäßigen Abständen auf diesem Blog. Daneben ist er Co-Founder des Startups AMZstars. Zuvor war er vier Jahre in unterschiedlichen Positionen für einen Projektvermittler tätig. Sie finden Timo Bock auf LinkedIn und Twitter
  • Geschäftsmodell-Kritik

    Hallo zusammen,

    ich bin erst gestern auf diese Initiative gestossen und finde den Ansatz grundsätzlich attraktiv. Ich hätte auch Interesse daran, am Aufbau einer Genossenschaft mitzuwirken.

    Da ich selber seit über 20 Jahren in der IT-Branche unterwegs bin, kenne ich das Leid mit den Agenturen, nicht zuletzt weil ich beide Seiten kenne und auch Mitarbeiter vermittelt habe (aber in erster Linie selbst Freelancer bin).

    Das hier skizzierte Geschäftsmodell hat m.A. jedoch Schwächen, das will ich in hoffentlich verträglicher Länge (mit Alternative) hier darstellen.

    Die Qualität der Vermittlungsagenturen wurde in den Kommentaren vor allem darin gesehen, dass Projektanbieter und Freelancer passgerecht zusammengebracht werden. Fakt ist m.A. nach, dass keine Agentur dies leistet (siehe die Bewertungen für die Agenturen auf diesem Portal!).

    Womit beschäftig sich ein Account-Manager bei einer Agentur? Er/Sie kümmert sich um den „Account“, den Kunden, also den Projektanbieter. Die andere „Seite“, der Freelancer, interessiert ihn/sie einen Dreck (sry). Sobald ein Auftrag eingefahren ist, d.h., man wurde vom Kunden beauftragt eine Fachkraft zu suchen, beginnt man mit der Suche. Niemals vorher, weil es sich geschäftlich nicht lohnt. Und diese Suche beschränkt sich dann auf das abgrasen von Datenbanken und Email-Kontakten. Welchen Freelancer-Pool haben denn die GULPs, Progressives, usw.? KEINEN! Im Bestenfall eine Datenbank für die Kontaktaufnahme.

    Wer als Kunde/Firma wirklich einen „Pool“ von Fachkräften will (z.B., wenn man den mitunter vertraglich vereinbarten Anspruch auf Ersatz für eine Fachkraft, die aus irgendwelchen Gründen ausgefallen ist, einklagen will), dann bieten das nur die Großen im AÜ-Geschäft (Arbeitnehmer-Überlassung, T-SYSTEMS, IBM, etc.), dann aber auch in einer ganz anderen Preisklasse (~+ 50%), und das ohne dabei höhere Qualität zu garantieren.

    Kurzum: Der Ärger mit den Agenturen liegt in erster Linie darin, dass sie die Qualität im Rahmen ihres Geschäftsmodells gar nicht bieten können (Ich habe hier unzählige unerträgliche Telefonate geführt; kleine Anekdote: das „Pearl-Harbour“ der Recruiting Branche: Man sucht einen „Pearl“-Spezialisten, meint aber die Skript-Sprache Perl, habe ich schon mehrmals erlebt, passiert aber auch Personalabteilungen …).

    Für eine Genossenschaft gilt dasselbe, zumal man hier den Faktor Größe nicht unterschätzen sollte. Wieviele Account-Manager hat man / kann man bezahlen? Da wird man sich qualitativ kaum dadurch abheben können, dass man den „besseren“ Account-Manager hat, oder diesem mehr bezahlt.

    Was bleibt? Zitate aus eben diesem Forum:

    —————————————–
    „Jf:

    Von Personalvermittlern erwarte man eigentlich, dass sie wissen, was sie fordern und nicht nur einfach Profile durchreichen. Vielmehr sollten sie in intensiven Gesprächen mit dem Kunden diskutieren, welche Anforderungen wirklich wichtig sind und welche nicht.
    Aber genau Letzteres wird von keinem Vermittler gemacht, weil das gesamte Personal fachlich dazu gar nicht in der Lage ist. Stattdessen wird die von Kundenseite erhaltene Liste ganz einfach Wort-wörtlich in die Projektausschreibungen veröffentlicht.“
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    „Christian Sy

    Den Kunden geht es nicht nur um das Thema Scheinselbständigkeit, sondern um die Reduzierung der Lieferantenanzahl (somit Vereinfachung der Verträge)“
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    „Jan Wille

    m.E. steckt hinter dieser Forderung der GmbH Gründung die indirekte Absicherung gegen abhängige Beschäftigungsverhältnisse, aus denen im Nachgang für den Kunden Forderungen der Sozialkassen aufgrund von Scheinselbständigkeiten entstehen können.
    Das scheint mir auch der Hauptgrund zu sein, warum der Kunde seine Projekte lieber über eine Recruiting-Agentur besetzt.“
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    => Ich glaube, dass die „No-Quality“ – Schiene (im Sinne von: Wir können die „Passgenauigkeit“ nicht wirklich liefern) das einzig erfolgversprechende Geschäftsmodell für diese Genossenschaft ist. Entscheidend ist dabei, das „No-Quality“ trotzdem Seriösität und Kostenersparnis für die Auftraggeber bedeuten kann, und vor allem: Die meisten Auftraggeger wissen das (-> dass Ihre aktuelle Agentur ihnen diese Qualität eben auch nicht liefert, aber teuer ist)!!!!

    Fazit:

    – Vergesst das Account-Management
    – Genossenschaft als schlanke Organisationsstruktur für Firmen, die eine zentralisierte Abrechnung wollen.
    – Genossenschaft als Abschirmung gegen Scheinselbständigkeit (ist auch keine vollständige Garantie, das gilt aber auch für alle anderen Agenturen!)
    – Genossenschaft zur Kostensenkung für den Auftraggeber durch geringere Marge, oder als Stundensatzturbo für den Freelancer, weil der Auftraggeber bereit ist dasselbe (an die Agentur) zu zahlen.

    Schließlich: Eine Genossenschaft, die sich auf die oben genannten Aspekte konzentriert, wäre ohne Interessenskonflikte der Genossen (Konkurrenz!) und vor allem: sehr sehr kostengünstig zu realisieren!

    Interesse?

    VG,

    Ulf Pietruschka

  • mvk

    @Ulf: *sign*