So kommen IT-Freelancer an Aufträge

Dieser Artikel Erschien im IT Freelancer Magazin Heft 1/2013




IT Freelancer MagazinIT-Freelancer erhalten ihre Aufträge vor allem über das persönliche Netzwerk. Doch nicht immer: Je nach Branche variiert der Zugang zum Projekt.




Gut 81 Prozent der Teilnehmer nannten das eigene Netzwerk als Hauptquelle ihrer Beauftragungen, 64 Prozent verwiesen auf die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern. An dritter Position rangieren Online-Projektportale mit 53 Prozent. Dagegen werden Inserate, Vorträge oder Telefonate zur Akquise deutlich weniger eingesetzt. Das ergab die aktuelle Online-Umfrage von 4freelance, einem unabhängigen Portal für Projektvermittlerbewertungen. Die Erhebung wurde im September 2012 unter mehr als 380 Befragten durchgeführt.




Business-orientierte soziale Netzwerke spielen bei der Akquise eine wichtige Rolle: So wird XING von 91 Prozent der Umfrage-Teilnehmer genutzt, Gulp ist für 31 und LinkedIn für 30 Prozent eine interessante Projektbörse. Im Vergleich zur Online-Umfrage von 4freelance aus dem Vorjahr kann das Netzwerk aus Kalifornien sogar hinsichtlich der Nutzerzahlen um 4 Prozent zulegen, XING dagegen verliert 6 Prozent, Personalservice Gulp bleibt nahezu unverändert. 


Zwei klassische Wege

statistik IT Freelancer 1Auch wenn Personalvermittler auf unserem Portal häufig negativ bewertet werden, sind sie offensichtlich nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle zur Projektgewinnung. Das lässt auch eine Branchenanalyse bei über 5 600 Einträgen von IT-/Engineering- Freiberuflern des Gulp erkennen. Für Unternehmen gibt es demnach zwei klassische Wege, um IT-/Engineering-Freiberufler als Externe ins Boot zu holen: Entweder beauftragen sie die Selbständigen direkt oder sie nutzen die Dienste einer Agentur, die für sie die Projektvermittlung und weitere Services übernimmt. Der Anteil der Direktbeauftragungen externer Experten liegt bei IT-/Engineering-Projekten im Schnitt bei 25,3 Prozent. Agenturen sind folglich bei einem Dreiviertel der Einsätze von IT-/ Engineering-Spezialisten zwischengeschaltet. Je nach Branche variiert das Verhältnis stark. Dass Freiberufler ohne Agentur zwangsläufig immer höhere Stundensätze realisieren können, ist von Branche zu Branche unterschiedlich.

Wo ohne Agentur nichts geht




Während im Dienstleistungsbereich noch 42 Prozent der Aufträge an Freelancer direkt vergeben werden, läuft bei den Banken und Finanzinstituten, in der Telekommunikations- und in der Logistik-Branche ohne Vermittlungsagenturen so gut wie gar nichts (mehr). Hier liegt der Anteil der über Agenturen vermittelten Projekteinsätze bei 80 Prozent und mehr. Es ist zu vermuten, dass dieser Anteil weiter steigen wird, wenn sich der Trend der Lieferantenkonsolidierung auf Unternehmensseite weiter durchsetzt.


In den Branchen „Versicherungen“ und „Transport & Logistik“ liegen die Stundensätze bei Projekten, die über Vermittler zustande kamen, höher (Versicherungen: plus 6 Euro, Logistik: plus 1 Euro). In der IT-Branche hält es sich die Waage (71 Euro). In den übrigen Branchen ist das erzielte Freiberufler-Honorar bei Direkteinsätzen höher – die größte Differenz ist im Handel ersichtlich. Hier verdient der Experte ohne Agentur im Schnitt 14 Euro pro Stunde mehr als mit.


Kosten senken durch die Agentur

Da in bestimmten Branchen die Direktakquise oft unmöglich ist, ist fraglich, ob sich der damit verbundene Aufwand tatsächlich immer rechnet. Der Vermittler sollte den Projektbeteiligten helfen, Zeit zu sparen. Eine Agentur übernimmt nicht nur die Projektvermittlung, sondern koordiniert Gespräche und Termine und erledigt administrative Tätigkeiten, so dass zum Beispiel Verträge und



Zahlungseingänge schneller realisiert werden können. Teilweise finanziert die Agentur auch zwischen, um lange Zahlungsziele zu überbrücken. Der Personaldienstleister ist Ansprechpartner bei Problemen oder stellt eventuell bei Ausfall Ersatz.



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Der interne Zeit- und Kostenaufwand ist um einiges höher, wenn das Unternehmen zwanzig einzelne Freiberufler direkt im Einsatz hat, als wenn es hier zusammenfasst und die Betreuung der Dienstleister an Spezialisten auslagert. Das Ziel eines Unternehmens beim Einsatz einer Agentur ist, Prozesse zu optimieren und zu vereinfachen, einheitliche Verträge zu gewährleisten und schnelle Reaktionszeiten bei Lastspitzen zu garantieren. Zunehmend gewinnt der Aspekt der Versorgungssicherheit in Unternehmen an Bedeutung: Wie lässt sich sicherstellen, in Zeiten, in denen IT-Fachkräfte gut ausgelastet sind, bei Bedarf schnell die passenden Spezialisten zu bekommen? Wie lässt sich bei Ausfall schnell Ersatz beschaffen? Die Entscheidung der Endkunden für eine Agentur hängt daher stark von der Unternehmensgröße, dem benötigten Bedarf sowie den intern vorhandenen Personalressourcen ab.

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  • Fachmessen und Kongresse sind ebenfalls ein gutes Pflaster, um Kontakte zu neuen Kunden zu knüpfen. CeBit, Embedded World und Hannovermesse stehen für mich deshalb demnächst wieder auf dem Programm. Ansonsten natürlich Homepage, Anschreiben an potentielle Kunden, das eigene Netzwerk pflegen, Mitgliedschaften in Fachverbänden und so einiges mehr bringen mir immer wieder interessante Projekte ein. Von Vermittelern und sozialen Netzwerken halte ich dagegen nichts. Den größten Auftrag habe ich übrigens durch eine Kleinanzeige in der guten alten Tageszeitung ergattert.

    • 4freelance

      Vielleicht funktionieren Messen und Kleinanzeigen so gut weil sie so selten genutzt werden = weniger Konkurrenz.

  • Reto

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei grossen Projektbörsen die Chancen verschwindend klein sind, effektiv Aufträge zu erhalten. Nicht zu sprechen vom Preisdruck. Mittlerweile hab ich mich kleinen Projektbörsen wie z.B. http://www.webdesign-freelancer.ch zugewandt, wo die Ausbeute doch einiges grösser ist als bei twago und Konsorten.

    Begrüssen würde ich übrigens eine zwingende Deklaration, wieviele User auf den jeweiligen Plattformen aktiv sind, also sich für Projekte bwerben.