Preisfindung und Kalkulation für Selbständige und Freiberufler [Video]


Video Transkription

00:00 – 01:02 = 10 Minuten



Einen schönen guten Tag, hier spricht Alexander Meneikis von Meneikis Controlling und der Think of your feet.



Beim Heutigen Podcast geht es um das Thema Preisfindung und Kalkulation für Einzelkämpfer.



Ich zeige die häufigsten Fehler auf die ich in Kalkulationen sehe. Ich erläutere einige wichtige Überlegungen bei der Preisfindung und ich demonstriere die Anwendungen einige Rechenvorlage anhand von Beispielen aus der Praxis. Ich orientiere mich dabei an Praxisbeispielen die ich aus der Nähe am besten kenne. Entweder von mir selbst oder von Kollegen. Den freien Controller, den freien Bilanzbuchhalter und den Interimsmanager. Diese drei Arten der Freiberuflichkeit haben als Gemeinsamkeit dass es keine Personalkosten gibt, weil wie im Vorspann gesagt „Einzelkämpfer“ und das es minimalen Materialaufwand gibt. Hier ein Chema für eine Vorwärtskalkulation und ein konkretes Zahlenbeispiel.



01:02 – 01:43 = 9 Minuten



Beginnen wir mit dem Kalkulation Schema. Am Anfang steht der Umsatz. Davon abgehen sogenannte „Direkte Kosten“. Das sind alle Kosten die direkt dem Auftrag zugeordnet werden können, für den es Umsatz gibt. Zum Beispiel wenn ich Material kaufe nur für ein Einsatz als Interim Manager. Ich musste z.B ein Notebook kaufen (Entschuldigung, Netbook) also unter 400,- Euro also sofort abschreibbar, das waren direkte Kosten, die war nur für diesen einen Auftrag. Wenn es direkt einem Auftrag zugeordnet werden kann, dann sind es direkte Kosten.



01:43 – 02:43 = 14 Minuten



Bei vielen Freiberuflern, gerade bei Interimsmanagern, sind es z.B. auch Reisekosten.



Wenn ich direkt zu einem Auftrag hinreise, dort Umsatz erhalte, dann sind die Reisekosten Direkte Kosten. Wenn ich nur so umher reise um Aufträge zu bekommen oder um Kontakte zu pflegen, dann sind es Gemeinkosten. Weil sie für mehrere Aufträge Gemeinsam gemeinsam anfallen. Nur das was ich direkt zuordnen kann, sind Direkte Kosten. Bei den meisten Einzelkämpfern/Freiberuflern die ja beratend, kreativ oder im weitesten Sinne kaufmännische tätig sind, sind meistens geringe direkte Kosten. Das meiste sind Gemeinkosten. Jedenfalls Umsatz minus Direkte Kosten gibt den sogenannten Deckungsbeitrag oder Deckungsbeitrag 1.



Manche machen da mehrere Stufen draus, wie sinnig das ist hängt von Fall zu Fall ab.



02:43 – 03:48 = 14 Minuten



So, von Deckungsbeitrag 1 abgehend wiederum die Gemeinkosten, z.B. Handyflatrate/Telefonflatrate, den die sind ja nicht direkt für einen Auftrag sondern gemeinsam für alle Aufträge. Kann auch Porto sein, das für Werbebriefe ist oder für Kundenbriefe oder zum Rechnungsversand. Deckungsbeitrag 1 minus Gemeinkosten gibt dann einen Gewinn, hoffentlich.



So was jetzt viele vergessen ist das dieser Gewinn ja noch nicht das ist was Sie aus dem Unternehmen entnehmen können, denn davon geht noch Vorsorge ab; Krankenversicherung, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit. Die berufliche Haftpflicht gehört zu den Gemeinkosten. Was übrigens die Ansetzbarkeit von Versicherung angeht, welche Sie wann in welcher Höhe ansetzen können und wo das einzutragen ist besprechen Sie bitte immer mit einen Steuerberater. Dafür ist ein Controller der falsche Ansprechpartner.



03:48 – 04:15 = 9 Minuten



Die Vorsorge geht jedenfalls noch ab. Dann wenn man etwas spenden will, was ich z.B. tue wenn ich etwas übrig habe, das geht vom Gewinn ab. Mindert zwar gegebenenfalls, falls es Gemeinnützig ist, die Steuern. Aber auch da wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater um genaues zu erfahren wann welche Spenden mit welchen formellen Voraussetzungen ansetzbar sind bei der Einkommensteuerminderung.



04:15 – 04:57 = 12 Minuten



Dann gehen vom Gewinn noch die Ertragsteuern runter. Wenn Sie vom Finanzamt als Gewerblich eingestuft werden, ist es die Gewerbesteuer, ansonsten nur die Einkommensteuer plus gegebenenfalls Kirschensteuer. Hier kann man keinen Prozentsatz nennen, das liegt ganz daran wie Sie aufgestellt sind, ob Sie verheiratet sind, ob Sie Kinder haben die im Ausland studieren, und so weiter und so fort, was Sie sonst noch an Einkünften und Aufwendungen haben, sagt Ihnen auch ein Steuerberater. Jedenfalls die Ertragssteuer/die Einkommensteuer wird vom Gewinn bezahlt, das heißt den Gewinn den können Sie nicht rausnehmen, Sie müssen erstmals Ertragssteuern zahlen.



04:57 – 06:22 = 13 Minuten



Dann gibt es ein privates Ergebnis, nachdem all diese Drei ab sind. Spenden und Vorsorge können wie gesagt die Einkommensteuer beeinflussen. Trotzdem erst vom Gewinn, dann die Vorsorge abziehen dann die Spenden abziehen, dann die Ertragsteuern, dann haben Sie Privatergebnis.



Was an dieser Stelle manche vergessen ist, wenn Sie Verbindlichkeiten haben und diese Tilgen, ist das kein Aufwand. Das sind keine Kosten die in irgendeiner Weise die Steuern mindern. Das heißt tilgen können Sie Verbindlichkeiten nur aus dem Privatergebnis, d.h. Gewinn nach Steuern, nach allem was sonst noch abgeht. Die Zinsen für die Verbindlichkeiten sind in Ihren Gemeinkosten. Wohlgemerkt die Zinsen. Die Tilgung geht nicht darein. Die Tilgung kann erst erfolgen aus dem Privatergebnis heraus. Wenn vom Gewinn nach Entnahme von allen Notwendigen und nach privaten Ausgaben noch etwas übrig ist. Wenn Sie die Verbindlichkeit Tilgung abgezogen haben, kommt die private Liquidität heraus, das ist das was Sie letztlich noch aus dem Unternehmen nehmen und ausgeben können. Davon abgehen wiederum die privat Entnahmen, also was Sie für Miete, Kleidung, Essen usw. ausgeben.



06:22 – 06:45 = 5 Minuten



Und dann kommt die Kennzahlt „übrig“ privat, die hab ich mal selbst krieriert und benannt für allein arbeitende Freiberufler. Finden Sie glaube ich in keinen Lehrbuch. Übrig Privat ist das was letztlich zum Sparen zur Verfügung steht. Also was Sie über die Altersvorsorge hinaus, was Sie übrig haben.



06:45 – 07:55 = 22 Minuten



Bevor ich zum konkreten Zahlenbeispiel komme, hier die häufigsten Fehler die ich in Kalkulationen sehe. Einige Dinge werden häufig nicht einkalkuliert, nicht in die Überlegungen einbezogen. Das erste sind sogenannte Abschreibungen und Ersatzinvestitionen. Wenn ich z.B. ein Notebook habe, oder ein PC oder ein Firmenwagen, dann halten diese Dinge ja nicht ewig. Das heißt irgendwann sind die durch und ich muss neue kaufen. Manche Freiberufler denken nicht daran dafür Geld zur Seite zu legen, also zu überlegen das wird irgendwann, dieses Teil wird irgendwann kaputt sein, ich muss dafür Geld zurücklegen. Denn sonst ist das alte kaputt und ich habe kein Geld für ein neues. Das Zweite ist was ich in der vorherigen Folie schon angerissen hab, die Tilgung von Verbindlichkeiten.



Tilgung geht erst aus dem Privatergebnis, erst nach Steuern. Wie gesagt Zinsen gehören zu den Aufwendungen, zu den Gemeinkosten, die auch sich Gewinn mindern, damit Steuern mindern auswirken. Aber die Tilgung erst aus dem Privatergebnis. Und dann kommt manchmal das böse Erwachen.



07:55 – 09:02 = 15 Minuten



Manche kalkulieren nicht ein dass ja früher, als Sie noch Angestellt waren zum Beispiel, der Arbeitgeber die Kranken- und Rentenversicherung bezahlt hat. Jetzt als Freiberufler darf ich die selbst bezahlten, das wird häufig vernachlässig bei der Kalkulation. Außerdem vergessen manche dass Sie von Ihren Gewinn, ja erst einmal Einkommensteuer zahlten müssen, außerdem Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Einige wenige schaffen es auch tatsächlich die Umsatzsteuer, die Sie einnehmen, nicht zurück zu legen. Das ist in den letzten Jahren etwas seltener geworden, weil Sie als Existenzgründer monatlich Ihre Umsatzsteuer voranmelden und zahlen müssen aber sobald Unternehmer im Zweiten Jahr dann weil Sie wenig Umsatzsteuer hatten, auf Jährlich veranlagt werden vom Finanzamt, vergessen Sie doch tatsächlich die Umsatzsteuer zurück zu legen. Vergessen dass Sie die irgendwann bezahlen müssen, dann kommt die Jahresabrechnung und auf einmal sind 3000,- Euro Umsatzsteuer nach zu zahlen. Und Überraschung, nicht dran gedacht.



09:02 – 09:50 = 11 Minuten



Was außerdem gerne vergessen wird, Zeiten des nicht Arbeitens. Es gibt Zeiten als Freiberufler wo man nicht gegen Geld arbeiten kann, z.B. in Zeiten der Fortbildung, in Zeiten die man für die eigene Weiterentwicklung benötigt, vielleicht auch für strategische Überlegung.



Dann gibt es tatsächlich auch Zeiten in denen kein Auftrag da ist. Dann kommt dann halt keiner.



Auch die bemühteste Akquise kann mal dazu führen dass eine Zeit lang kein Auftrag da ist. Außerdem die Zeiten der Vorbereitung und Nachbereitung für Aufträge werden manchmal vergessen. Denn nicht alle Zeit die man für den Kunden, am Kunden oder an seiner eigenen Leistung arbeitet, kann man tatsächlich den Kunden in Rechnung stellen.



09:50 – 10:40 = 13 Minuten



Hier nun ein konkretes Zahlenbeispiel: Erst mal in seiner Gesamtheit im Überblick und ich werde gleich näher ran gehen, an einzelne Abschnitte, damit man auch was erkennt.



Hier nun Ausschnitte aus der Nähe: diese Zahlen sind natürlich keine echten Zahlen von mir oder von Kunden. Es sind aber relativ realistische Zahlen für einen durchschnittlichen Freiberufler der im Finanzbereich also Controlling, Buchhaltung, Interimsmanagement auf mittlere Ebene tätig ist.



Zu nächst die Umsätze. Wir haben Umsatz aus Beratung, wir haben Umsatz aus Arbeit in Projekten. Wir haben sonstige Umsätze, vielleicht Verkauf von Anlagegütern oder kleine nebenbei Tätigkeiten.



Und wir haben erhaltene Provisionen, die vielleicht wenn man selbst einen Auftrag vermittelt hat oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Haben wir hier einen Gesamt Umsatz.



10:40 – 11:05 = 6 Minuten



Dem folgen dann die „Direkten Kosten“, also alles was ich direkt dem Auftrag zuordnen kann, z.B. auftragsbezogenes Material, bei Freiberuflern meistens sehr wenig und eventuell gezahlte Provisionen für einen bestimmten Auftrag. Macht also in der Summe „Direkte Kosten“ und Umsatz minus „Direkte Kosten“, gibt dann einen „Deckungsbeitrag“.



11:05 – 11:51 = 11 Minuten



Der nächste Block sind dann die „Gemeinkosten“. Also:

  • AFA bedeutet Abschreibung
  • Kosten für Werbung
  • Akquise Kosten, die man dort direkt hin buchen kann z.B. Besuch von Netzwerkveranstaltung oder Porto das gezielt für Akquise benutzt wird.
  • Reisekosten. Wohlgemerkt hier nicht Reisekosten die zu einem Auftrag gehören, den die würden in die „Direkten Kosten“ gehören. Also hier Reisekosten um hier reisen, um vielleicht Kunden zu gewinnen oder Kontakte zu pflegen.
  • Büro, Verwaltung, Tel., IT
  • Bücher und Fortbildung
  • Coaching und Supervision, die ich genommen habe um up to date zu bleiben und in meinem Feld besser zu werden

11:51 – 12:17 = 5 Minuten

  • Sonstiger, Kleinkram
  • Zinsaufwand, also wie gesagt bei Darlehn immer unterscheiden zwischen Zinsen und Tilgung. Zinsen sind „Gemeinkosten“, Tilgung aus dem privaten Ergebnis.
  • Gibt in der Summe „Gemeinkosten“ und dann „Deckungsbeitrag“ minus „Gemeinkosten“, ergibt einen Gewinn.

12:17 – 13:21 = 16 Minuten



Jetzt freut sich vielleicht mancher über den stolzen Gewinn aber Moment, allein das hier ein Gewinn entstanden ist, heißt ja nicht dass ich all dieses Geld aus dem Unternehmen einfach rausnehmen kann. Kommt erstmals noch die „Vorsorge“; Alters- und Krankenvorsorge.



Wenn man bedenkt dass die Krankenversicherung häufig schon mit 400,- Euro und mehr zu Buche rein haut, dann ist das nicht mehr viel in diesem Fall.



In den Monat vielleicht Spenden von 50,- Euro.



Einkommensteuer und Soli (Solidaritätszuschlag). Ist eine Schätzung, wie gesagt auch hier bitte einen Steuerberater befragen, der kann Ihnen genau sagen in welcher, bei welchen Steuersatz Sie hier landen, welchen Durchschnitts Einkommensteuersatz.



Gibt dann ein „Privates Ergebnis“. Davon kann getilgt werden. Bleibt eine „Privatliquidität“ übrig. Dann kommen die „Privatentnahmen“, also Miete, Essen, Kleidung usw.



Und dann bleibt etwas hoffentlich „übrig“, zum Sparen.



13:21 – 15:05 = 22 Minuten



Hier eine weitere wichtige Überlegung, die auch gerne mal vernachlässig wird, nämlich der „Zeitkuchen“.



Ich habe hier eine Schätzung angefertigt für den durchschnittlichen allein arbeitenden Freiberufler. Ich gehe von 2400 Arbeitsstunden aus die im Jahr realistisch investiert werden können. Also was der normale Mensch auch so vom Kreislauf und von der Konstitution her aushält. Ich denke dass etwa die Hälfte der Zeit (die man hier rechts in dunkel blau sieht, die 1200 Stunden) mit bezahlter Arbeit für den Kunden/am Kunden verbracht werden kann. Also etwa die Hälfte der Zeit die ich zur Verfügung habe kann ich als bezahlte Arbeitszeit rechnen. 750 Stunden das ist ganz knapp weniger als ein Drittel wird ungefähr mit der Akquise verbracht (das was Sie hier links in hell blau sehen, die 750 Stunden), ungefähr mit Kundengewinnung verbracht. 300 Stunden (links unten in Orange zu sehen, 300 Stunden) Urlaub, wem sein Leben lieb ist und die Gesundheit der sollte auch Urlaub machen.



Dann ist unbedingt anzuraten ein Teil der Zeit mit Fortbildung zu verbringen. Empfehlung (links oben in pink zu sehen) 100 Stunden. Und „Supervision“ also jemand der in meinen Bereich bereits besser ist als das was ich mache, der mir hilft besser zu werden, meinerseits ungefähr 50 Stunden für Supervision empfehle ich. Coaching und Supervision sollten unbedingt eingeplant werden. Urlaub sollte auch unbedingt eingeplant werden in den „Zeitkuchen“.



15:05 – 17:00 = 25 Minuten



Hier noch eine weitere wichtige Überlegung bei den Wirtschaften als allein arbeitender Freiberufler; nämlich die „Auslastung“.



Ich habe hier Drei Beispiele gewählt für verschiedene Auslastungen:

  • Den Bilanzbuchhalter
  • Den freien Controller
  • Den Interim Manager




Ein Interim Manager ist eine Führungskraft die gemietet ist, also die eine bestimmte Zeit im Unternehmen verbringt. Diese Grafik zeigt wohlgemerkt nicht die Umsatzhöhe sondern die verkauften Stunden in den jeweiligen Monaten. Beim Interimsmanager sieht es so aus dass in einen Monat sehr viel zu tun ist, also dass er sehr viele Stunden fakturieren/in Rechnung stellen kann in dem einen Monat, in anderen Monaten manchmal gar keine. Dann kommen wieder kleine Spitzen und dann geht es wieder voll los. Der Stundensatz so eines Interimsmanager liegt eher im höheren Bereich, eher bei 100,- Euro und mehr. So das er Zeiten ohne Aufträge gut überbrücken kann, nur sollte er auch wissen und er sollte damit rechnen dass es Zeiten ohne Aufträge gibt.



Der Bilanzbuchhalter (hier in grün dargestellt, mit den grünen Quadraten) der ist regelmäßiger ausgelastet. Der freier Controller hat etwas größere Schwankungen als der Bilanzbuchhalter aber nicht so große wie der Interimsmanager. Und es ist für verschiedene Arten von Angeboten unterschiedlich wie die Auslastung ist, wie stark man zu welcher Zeit in Anspruch genommen wird. Also sollte jeder Freiberufler selbst wissen wie sind ungefähr die Saisonzeiten, wie sind die üblichen Rhythmen falls es eine Saison gibt, falls es keine gibt, wie ist der normale Rhythmus der Auslastung, womit ist zu rechnen. Dann kann ich gezielt in den Zeiten wo Aufträge da sind Geld zurücklegen für Zeiten in denen keine Aufträge da sind.



17:00 – 18:53 = 24 Minuten



Welche Kriterien gibt es für die Preisfindung?



Für einige Leistungen gibt es einfach „Marktpreise“. Was man für eine Einstündige Massage bezahlt, liegt dann je nach Bereich zwischen 50 und 100 Euro. Das ist ein üblicher, eingebürgerter Marktpreis.



Ein qualifizierter Buchhalter, als Freiberufler, gewerblicher Buchhalter bekommt zwischen 40 und 60 Euro. Ein freier Buchhalter der über 100 Euro die Stunde haben will muss sich schon ziemlich viel einfallen lassen, damit er das bekommt. Das wird normalerweise von den Kunden nicht akzeptiert weil die anderen Sätze gewohnt sind. Und so gibt es auch für Dinge wie Coaching, Training, Beratung, je nach Branche, je nach Nische, bestimmte Marktpreise die üblich sind und die von Kunden so erwartet werden. Und man vereinfacht sich die Kommunikation wenn man sich in dem Rahmen aufhält. Wenn ich deutlich mehr haben will, muss ich mir was einfallen wie ich kommuniziere, warum ich deutlich mehr haben will. Der Vorteil ist dass man über den Preis nicht so viel diskutieren muss wie in anderen Bereichen.



Dann wichtig für die Preisfindung wie viel Zeit geht in Vorbereitung und Nachbereitung von Aufträgen? Wenn ich als Dozent tätig bin, wie lange brauche ich für die Skripte oder habe ich schon Skripte für diesen Unterrichtsinhalt den ich präsentieren will?



Dann die gewünschte Privatliquidität. Also wie viel Geld will ich zur Verfügung haben?



Und dann welche Ergebnisse oder Mehrgewinne kann ich dem Kunden darstellen? Kann ich Ihm darstellen dass er durch meine Leistung, meine Beratung, meinen Einsatz einen Mehrgewinn hat oder eine Ersparnis die sich in Geld ausdrücken lässt? In manchen den geht das, bei vielen Dingen wie Coaching und Training ist es schwieriger so etwas genau zu beziffern.



18:53 – 20:38 = 27 Minuten



Mir ist noch ein weiterer Punkt aufgefallen den ich aber bisher nirgendwo anders erwähnt gesehen habe, nämlich „Wie viel bin ich bereit anzunehmen?“. Nur wenn ich bereit bin einen hohen Preis anzunehmen, ist überhaupt die Voraussetzung dafür gegeben dass ich diesen Preis auch erhalte. Ich glaube dass dies tatsächlich einen sehr großen Teil des Umsatzes und Deckungsbeitrages ausmacht, meine Bereitschaft etwas anzunehmen. Ist allerdingst auch das was sich kaum berechnen lässt oder festlegen. Auch nicht was sich an einen Wochenende mal eben ändern lässt. Aber langfristig, zeigt meine Erfahrung, kann ich durchaus ändern wie viel ich bereit bin anzunehmen.



Hier noch eine weitere andere wichtige Überlegung, die von manchen nicht angestellt wird, nämlich der „Fakturierter versus den effektiven, tatsächlichen Stundensatz“.



Wir haben hier einen Freiberufler, der kann 79,- Euro dem Kunden pro gearbeitete Stunde in Rechnung stellen, für Arbeitszeiten die der Kunde als solche Arbeitszeiten akzeptiert.



Wir sehen unten es wurden 89 Arbeitsstunden fakturiert. Es ging aber zusätzlich 13 Stunden Vorbereitung in diesem Auftrag, die der Kunde nicht einsieht zu bezahlen. Es ging 22 Stunden Nachbereitung in dem Fall und 80 Stunden Fortbildung. So dass insgesamt 204 Arbeitsstunden tatsächlich für den Auftrag aufgewendet worden. Das gibt einen effektiven Stundensatz von 34,47 Euro. Das ist übrigens für Freiberufler ein recht guter effektiver Stundensatz. Alles was um und bei 35,- Euro kann man als recht gut einstufen.



20:38 – 21:22 = 09 Minuten



Ich habe hier ein Excel Beispiel für die Berechnung eines effektiven Stundensatzes.



Ich hatte mal einen Lehrauftrag da wurden nominell pro Zeitstunde 53,- Euro bezahlt. Das ist für die Erwachsenenbildung relativ viel. Es handelte sich um einen sehr anspruchsvollen Kurs. Die 53,- Euro wurden für eine Unterrichtsstunde bezahlt. Da aber wie gesagt dieser Kurs sehr anspruchsvoll war, flossen in jede Unterrichtsstunde ungefähr 10 Stunden Vorbereitungs-Zeit. Das heißt die 53,- Euro wurden letztlich für 11 Stunden Arbeit bezahlt. Gibt einen effektiven Stundensatz von 4,82 Euro. Schon nicht mehr so beindruckend.



21:22 – 24:12 = 31 Minuten



Bisher haben wir Vorwärts gerechnet. Jetzt ein Beispiel einer Rückwärtsrechnung zum Preis.



Am Anfang steht die Frage welche Art von Leben will ich führen und was kostet das?



Was für ein Auto will ich fahren? Will ich überhaupt eins fahren? Wohin möchte ich in Urlaub? Wie möchte ich mich anziehen? Was möchte ich essen und so weiter.



Welches Leben will ich führen, und was kostet das?



Hinzu kommt; wie viel will ich an Verbindlichkeiten tilgen?



Will ich überhaupt Darlehen aufnehmen? Will ich alles aus eigener Kraft schaffen? Will ich irgendjemanden beteiligen? Wie viel will ich an Verbindlichkeiten tilgen? Wie viel Tilgungslast soll auf meinen Unternehmen lasten?



Daraus ergibt sich dann welche Privatliquidität ist erforderlich? Denn wir erinnern uns; aus der Privatliquidität wir einmal das normale Leben finanziert und die Tilgung.



Dazu kommt dann die Vorsorge. Welche Vorsorge will ich haben? Was kostet die? Nehme ich einen günstigen Großschadenstarif bei der Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung oder nehme ich einen Standardtarif der dann im Monat 300,- 400,- 500,- Euro kostet?



Will ich etwas spenden?



Auf Basis dieser Summe, die dabei jetzt rauskommt, Privatliquidität plus Vorsorge plus Spenden, kann ich mit meinen Steuerberater abklären wie ungefähr die Einkommensteuer einzustufen wäre die sich in diesen Umfeld ergibt. Also wie viel Gewinn insgesamt muss übrig bleiben damit die entsprechende Privatliquidität, plus Vorsorge, plus Spenden gewährleistet ist. Dazu rechne ich wie hoch sind meine Gemeinkosten. Als Freiberufler ist es meistens Telefon, Mobilphone, Internet und ein bisschen Büromaterial und eventuell Berufshaftpflicht.



Wie hoch sind also insgesamt meine Gemeinkosten?



Daraus ergibt sich dann; welchen Deckungsbeitrag brauche ich?



Der Deckungsbeitrag heißt so, weil er die Gemeinkosten decken soll.



Nächste Frage; wie hoch sind meine direkten Kosten?



Wie gesagt, bei den meisten Freiberuflern, die vorranging Kaufmännisch tätig sind, sind die meistens sehr niedrig.



Dann weiß ich wie hoch ist der Umsatz den ich brauche. Wie hoch ist der erforderliche Umsatz?



Diesen teile ich durch die realistisch verkauf bare Anzahl von Tagen bzw. Stunden, je nachdem ob ich mit Tagessatz oder Stundensatz abrechnen will.



Daraus ergibt sich dann der Stundensatz bzw. Tagessatz, den ich brauche um letztlich das Leben zu führen das ich führen will.



24:12 – 27:19 = 35 Minuten



Hier die Rückwärtsrechnung einmal an einen Beispiel:



Welches Leben will ich führen und was kostet das?



Sagen wir 3.500,- Euro im Monat. Und ich will 250,- Euro im Monat tilgen.



Hier aufs Jahr hoch gerechnet; 3.500,- Euro mal 12 sind 42.000,- Euro.



Im Jahr Tilgung 3.000,- Euro.



Das heißt ich brauche eine Privatliquidität von 3.750,- Euro im Monat, 45.000,- Euro im Jahr.



Meine Vorsorge kostet 800,- Euro im Monat.



Spenden will ich 50,- Euro im Monat.



Jetzt wie viel muss ungefähr an Gewinn übrig bleiben?



Das ist eine Zahl die lässt sich nicht einfach an Formel nachvollziehen, das ist mit einen Steuerberater abgesprochen. Was ungefähr an Einkommensteuer anfallen wird. Das heißt welcher Gewinn muss ungefähr dabei raus kommen.



Dann wie hoch sind meine Gemeinkosten? Sagen wir 1.200,- Euro im Monat. Das ist relativ hoch angesetzt in diesen Fall. Nehmen wir mal weniger, sagen wir 600,- Euro reichen aus.



Das heißt dann brauche ich diesen Deckungsbeitrag im Monat und fast 78.000 Euro im Jahr.



Direkte Kosten, wie gesagt bei Freiberuflern, meistens nicht so hoch. In diesen Fall auch relativ hoch angesetzt.



Und dann kommt dieser erforderliche Umsatz heraus, 6.750 Euro bzw. 81.088,00 Euro im Jahr.



Wenn ich sage ich kann im Monat realistisch 14 Tage verkaufen, in diesen Fall mit Tagen gerechnet, dann sind das 147.



Die Zahl ergibt sich so, dass ich davon ausgehe das man mindestens eineinhalb Monate im Jahr ohne Aufträge verbringt im Durchschnitt. Also rechne ich an der Stelle grundsätzlich mit 10,5 Monaten. Das heißt 147 Tage im Jahr sind realistisch verkauf bar. Insbesondere wenn man sich in etwas höheren Tagessatz Segment bewegt, heißt ich brauche mindestens um und bei 550,- Euro Tagessatz. Und ich würde sogar noch einen Risikozuschlag empfehlen. Sagen wir mal 10%. Dann haben wir einen insgesamt erforderlichen Tagessatz von um und bei 600,- Euro.



Zum Abschluss fasse ich noch einmal zusammen:

  • Kalkulieren Sie ein dass Sie irgendwann für Sachen die kaputt gehen neue kaufen müssen.
  • Bedenken Sie dass Sie Tilgen können nur aus versteuerten Einkommen.
  • Bedenken Sie dass Sie Vorsorge: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Berufsunfähigkeit Versicherung und so weiter einbeziehen sollten.
  • Bedenken Sie dass Sie von Ihrem Gewinn Einkommensteuer, Solidaritätssteuer und vielleicht Kirchensteuer zahlen.
  • Denken Sie daran, falls Sie auf Jahreszahlung der Umsatzsteuer veranlagt sind, Umsatzsteuer zurück zu legen.
  • Bedenken Sie dass es Zeiten des nicht Arbeitens gibt.
  • Bedenken Sie Ihren Zeitkuchen.
  • Schätzen Sie realistisch wie viel Zeit kann ich verkaufen?




27:19 – 27:59 = 5 Minuten

  • Planen Sie unbedingt Coaching und Supervision ein.
  • Planen Sie Urlaub ein.
  • Bedenken Sie wie Ihre Auslastung voraussichtlich sein wird. Sind Sie in einen Bereich tätig wo mit einer regelmäßigen Auslastung zu rechnen ist oder einer eher unregelmäßigen.
  • Schauen Sie sich die Marktpreise an.
  • Schauen Sie was Sie an Vor- und Nachbereitung brauchen.
  • Überlegen Sie wie viel Geld will ich den haben und bin ich bereit dieses Geld anzunehmen.




Zum Abschluss bleibt mir nur noch Ihnen viel Erfolg zu wünschen. Have fun! Auf Wiederhören und bis zum nächsten mal.

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Alexander Meneikis

Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Kaufmännischer Allrounder, seit 1998 selbständig, Projekte in Finanz- und Vertriebscontrolling bei Shell, Airbus, Germanischer Lloyd, Alice, freenet und vielen anderen. Alexander Meneikis hält zahlreiche Vorträge und Workshops bei Handelskammern und anderen Bildungsträgern, sowie bei selbst organisierten Veranstaltungen. Auf seinem Controlling Blog finden Sie Artikel und Gratis-Videos zu Themen von Controlling und Unternehmensführung. Sie finden Alexander Meneikis auf LinkedIn, seiner Internetseite und Twitter
  • tagwerk

    Schöner ausführlicher Beitrag! Der Online-Stundensatzrechner von tagwerk dient Freelancern als kostenfreies Hilfsmittel für die Berechnung des individuellen Netto-Stundensatzes https://www.mein-tagwerk.de/app/stundensatzrechner.html

  • Dietrich

    Sie sprechen in Ihrem Beitrag „Preisfindung und Kalkulation
    für Selbständige und Freiberufler“ einen wichtigen Punkt an,
    nämlich Coaching bzw. Supervision. Nun bin ich als
    Selbständiger in der IT-Branche tätig, die ihre eigenen „Reize“ mitbringt. Nichts desto trotz gilt das von
    Ihnen Geschriebene genauso für uns IT-Fuzzis.

    Schon öfters habe ich mir die Frage gestellt, ob ein
    Coaching für mich nicht sinnvoll wäre. Mein Eindruck ist, dass
    es zwar überwiegend ganz gut läuft, aber ich würde einfach
    auch gerne gehaltlich deutlich weiter kommen.

    Nun stellt sich mir die Frage, wer könnte einen
    diesbezüglich überhaupt beraten? Berufskollegen sind zwar ein
    erster Anlaufpunkt, aber häufig sind die auch genauso
    ahnungslos wie man selbst. Deswegen meine Frage an Sie: Wie
    findet man einen geeigneten Coach?

    • think on your feet

      Hallo Dietrich, vielen Dank für Ihre Anfrage. Als Erstes stellt sich mir die Frage:Coach wofür? Für Marketing, Kalkulation, Kaufmännisches, Rhetorik, Präsentation, Auftreten?

      Ich glaube natürlich, dass niemand den kaufmännischen Aspekt besser vermitteln kann als ich. Zu anderen Themen befrage ich zuerst Tante Google und schaue, was sich mir zeigt.

      Persönlich finde ich, dass es sehr wenige Coaches gibt, die aus meiner Sicht guten Wert bieten.

      Wenn irgend möglich, finde ich jemanden, der bereits bei der betreffenden Person zum Coaching war, optimalerweise mehrere. Die frage ich immer dasselbe: Welche Ergebnisse erzielst Du jetzt, die Du vorher nicht erzielt hast? Ist das messbar?

      Ich frage auch potenzielle Coaches direkt, welche Resultate ihre Klienten erzielen. Diejenigen, die dann defensiv werden, scheiden sofort aus.

      Ansonsten frage ich in meinem Netzwerk herum.

      Herzliche Grüße
      Alexander Meneikis

      • Dietrich

        Hallo, danke Dir für Deine Antwort.

        Diese Coaching-Aspekte, die Du ansprichst, geht schon viel zu tief. Mir geht es grundsätzlich um ein Coaching was berufliche Perspektiven angeht, ggf. auch mit einem kompletten Wechsel weg von jetzigen Tätigkeit.

        Eben! Das ist genau der Punkt: Es gibt (wie mir auch andere sagten) nur wenige Coaches, die für einen selbst einen guten Wert bieten. Und meine Frage lautet: Wie finde ich einen von denen, wenn ich keine Ahnung habe, wo ich suchen soll und ich nicht 40 durchprobieren möchte und mir meine Berufskollegen keine Anhaltspunkte geben können?

        Die Fragen, die man einem Coach stellen sollte, finde ich absolut überzeugend. Sind notiert. 😎

        Schöne Grüße,
        Dietrich

        • think on your feet

          Wenn es darum geht – natürlich kannst Du meine Gratis-Beratung für Existenzgründer in Anspruch nehmen, allerdings nur einmalig. Ansonsten empfehle ich Michael R. Grunenberg von Grunenberg Consulting und Henning Matthaei vom Partnerwerk.

          Ums Ausprobieren kommt man allerdings nicht herum, zu verschiedenen Menschen passen verschiedene Coaches.

          Viel Erfolg!