Passiveinkommen online: Alternative oder Zusatzverdienst für Freiberufler?

online-entrepreneur_pixabay_StartupStockPhotosIn den letzten Jahren, vor allem seit ca. 2008, wird immer wieder das Passiv-Einkommen beschworen als einzige wahre Einkommensquelle.

Es ist wohl allen klar, dass immer noch jemand Gemüse anbauen und Straßen reparieren muss und dass zumindest nicht ALLE ausschließlich Passiv-Einkommen beziehen können.

In wie weit ist es möglich / sinnvoll für einen Freiberufler, im Internet zusätzlich oder ausschließlich Geld zu verdienen?

Was immer wieder empfohlen wird, ist der Verkauf von Info-Produkten. Man schreibt mal eben ein e-book zusammen, ergänzt es mit ein paar MP3-Audios oder flash-videos, stellt diese auf eine Internetseite mit Bezahlfunktion, und schon verkauft man ohne jeden weiteren Einsatz Millionen Downloads.

Oder etwa nicht?

Der ganz große Millionen-Reibach bleibt mit dieser Strategie gewöhnlich aus. Einige Freiberufler verkaufen tatsächlich hin und wieder Info-Produkte.

Ich habe mir einen Coach / Berater aus der Nähe angeschaut, den ich hier aus Vertraulichkeitsgründen nicht nenne. Er bietet auf seiner sehr erfolgreichen Internetseite (mit sehr aktivem Diskussions-Forum) zusätzlich zu seiner Dienstleistung ein paar Info-Produkte an, manche gratis, manche für wenig Geld.

Mein Controller-Blick auf die Zahlen zeigte mir (bei einem Treffen), dass die Seiten zwar sehr oft besucht werden, dass aber der Umsatz aus Info-Produkten maximal 3% des Umsatzes aus Beratung ausmacht.

Und dies bei einem Freiberufler, der auf seinem Gebiet durchaus bekannt und respektiert ist und Autor sowie Co-Autor mehrerer Bücher ist, die sich ganz gut verkauft haben.

Wie stehen dann die Chancen für jemanden, der unbekannt ist?

Trotzdem, manche schaffen es. Es gibt Internet-Unternehmer, die ein mittleres Einkommen (Gewinn) um ca. 60.000 EUR im Jahr erzielen.

Auf welchen Wegen wird online Geld verdient?

Mit Info-Produkten allein wird in Deutschland nur in absoluten Ausnahmefällen nennenswertes Geld verdient. Die Deutschen kaufen sehr wenige e-books oder Video-Kurse, und wenn, dann nur von wenigen etablierten Anbietern.

Für das Einkommen aus dem Internet gibt es im Wesentlichen 2 Wege:

  1. eigene Dienstleistungen über das Internet zu bewerben und erbringen, z.B. Coaching und Beratung, unterstützt durch Info-Produkte
  2. eine Mischung aus Info-Produkten und cleverem Affiliate-Marketing

Keiner der beiden Wege verdient wirklich die Bezeichnung „Passiv-Einkommen“. In beiden Fällen ist das Einkommen sehr aktiv und erfordert eine Menge Arbeit.

Anfangs dachte ich, es gäbe nur 2 Kategorien von Internetseiten, mit denen Geld verdient wird:

  1. „Erotik“ (Klartext: Porno)
  2.  Seiten, die erklären, wie man im Internet Geld verdient

Eine ausführlichere Recherche ergab dann, dass diese Einschätzung nicht ganz richtig war.

Es gibt durchaus andere Themen, mit denen sich online Geld verdienen lässt. Einige wenige bestreiten damit ihren kompletten Lebensunterhalt, einige ganz wenige beschäftigen damit sogar mehrere Mitarbeiter, und viele verdienen sich ein Zubrot zwischen 50 und 250 EUR pro Monat.

Wie funktioniert das nun?

Im Wesentlichen auf 2 Wegen: Man bietet Dienstleistungen über das Internet an oder betreibt Affiliate-Marketing.

Weg 1: Dienstleistungen über das Internet anbieten

Bei den meisten Freiberuflern hat die Internetseite die Funktion einer erweiterten Visitenkarte. Manche fügen einen Blog hinzu, damit sie in Form von Artikeln Quasi-Arbeitsproben zeigen können und ihren fachlichen Ansatz verständlich machen können.

Der Seitenbesucher erfährt so mehr über den Freiberufler. Für die Erbringung der Dienstleistung muss der Leistende immer noch körperlich beim Kunden erscheinen. Manche Beratungen lassen sich auch online, etwa über Skype oder Google Hangout, durchführen.

Außerdem spart man sich Gesprächszeit, wenn die Seite ein paar Vorabinformationen verständlich vermittelt.

Zum „Anfüttern“ der Kunden kann man dann kostenlose und niedrigpreisige Info-Produkte anbieten, in Form von PDF, Audio oder Video. So hat der Kunde (wenn das Material gut gemacht ist) schon mal einen Wert und eine positive Assoziation mit dem Anbieter.

Natürlich erforscht man, welche Suchbegriffe die Zielgruppe interessieren, und schreibt hoffentlich vernünftige Artikel, in denen man jene Suchbegriffe sinnvoll verwendet, damit man im Netz von den richtigen Leuten gefunden wird.

Weg 2: Affiliate Marketing, unterstützt durch Info-Produkte

Affiliate bedeutet in Kurzform, man macht Werbung für Produkte und Dienstleistungen anderer Anbieter. Dafür erhält man Provisionen. Je nach Vertrag bekommt man Geld nur dafür, dass der Besucher auf den Link klickt, oder erst dann, wenn der Besucher dort auch etwas kauft.

Viele assoziieren Affiliate damit, überall von nervigen Werbebannern zugeballert zu werden, besonders mit Werbung für Zeugs, das sie nicht interessiert.

Als das Internet noch klein und dünn besiedelt war, hat diese Strategie auch manchmal funktioniert.

Inzwischen nervt diese Strategie die meisten Besucher. Seiten mit Werbebannern werden, so weit möglich, zunehmend gemieden.

Die neue Strategie ist: Werbung so genau wie möglich auf die Besucher zuschneiden.

Viele Menschen freuen sich sogar, wenn sie auf ein Angebot aufmerksam gemacht werden, das sie anders vielleicht nicht gesehen hätten, das sie tatsächlich interessiert.

Wenn Affiliate sehr gezielt auf die Besucher des Blogs zugeschnitten ist, dann stellt es sogar eine Dienstleistung gegenüber dem Besucher dar. Wer hat heutzutage noch Zeit, etwas zu suchen? Wenn der Anbieter für mich sucht, und schlau sucht, spart mir das Zeit und Nerven.

So erhielt ich z.B. am 22.04.2015 ein Angebot von der Softwarefirma MAGIX. Als langjähriger Fan der MAGIX-Multimedia-Programme erhielt ich den Vorschlag, das Profi-Musikprogramm Samplitude Pro zum halben Preis zu kaufen, im Rahmen einer Aktion, von der sich sonst nicht erfahren hätte. Gleich zugegriffen. Gut für mich, gut für MAGIX.

Für lukratives Affiliate müssen Sie also wissen, wer auf Ihre Seite kommt und was er/sie wahrscheinlich dort sucht.

Die beworbenen Angebote sollten entweder zum Thema der Seite passen oder zumindest zum Interessenfeld des durchschnittlichen Besuchers.

Natürlich klicken nur wenige Besucher überhaupt auf Werbung. Damit überhaupt irgendjemand auf etwas klickt, brauchen Sie reichlich Besucher.

1.000 Besucher pro Tag sind ein Anfang; darunter wird es sich kaum lohnen.

Für die Seite brauchen Sie ein Thema, das

  • genügend Leute interessiert
  • nicht von Konkurrenz erstickt wird

Das Losungswort der letzten paar Jahre, seit ca. 2011, heißt „Nischenblog“.

Das heißt, Sie finden im Markt eine Nische, die groß genug ist, dass sie eine ausreichende Anzahl Menschen interessiert, aber klein genug, dass Sie interessante Inhalte mit Mehrwert bieten können und dass es sich für Großunternehmen nicht lohnt, diese Nische mit dem gleichen Level an Expertise zu besetzen.

Das Thema sollte natürlich so gewählt sein, dass man im Umfeld auch ausreichend lukrative Produkte bewerben kann.

Eine Seite zum Thema Seife ist bestimmt toll, aber damit lässt sich nicht genug Geld verdienen, weil ein Stück Seite meistens nicht viel kostet. Eine Seite zum Thema Saunen, Dampfbäder oder Komplettküchen könnte mehr Potenzial haben – wenn die Inhalte so sind, dass die Besucher interessiert sind.

Woher kriege ich denn nun meine Besucher?

Blog-Großmeister Jon Morrow sagt, man solle erst das Publikum aufbauen und dann den Blog. Das heißt, man schreibt erst einmal für andere Blogs und Plattformen, macht den eigenen Namen bekannt, und eröffnet dann eine eigene Seite.

Dies ist ein guter Ansatz, wenn man Weg 1 gehen will und sich als Experte für einen Service bekannt machen will.

Für themenorientierte Seiten ist dieser Ansatz kaum praktikabel. Wenn ich einen Nischenblog aufbauen will, ist ja gerade der Witz, dass es noch keine Seite in dieser Nische gibt.

Folgende Dinge sind vermutlich die wichtigsten:

  • Gute Inhalte
  • Viel Geben im Vorwege
  • Social Media
  • Multiplikation durch Zielgruppenbesitzer

Welche Inhalte sind gut? Genau diejenigen, die von vielen Besuchern gelesen werden.

Außerdem gebe ich wertvolle Informationen und gute Tips und helfe auch mal unentgeltlich.

Sobald meine Seite genügend Besucher hat, dass sich ein Forum lohnt, gebe ich Unterstützung und werthaltige Antworten im Forum.

In Foren anderer Betreiber helfe ich den Besuchern, so gut ich kann, und streue unaufdringlich und gelegentlich mein Angebot ein.

Social Media: Statt Facebook, twitter und Google+ mit meinen Inhalten vollzuballern, streue ich meine Angebote nur ab und zu ein, aufgelockert durch geteilte Cartoons, Kätzchenvideos und interessante Nachrichten.

Multiplikation durch Zielgruppenbesitzer: Wenn ich wirklich gut bin, kann ich den einen oder anderen einflussreichen Menschen dafür gewinnen, meine Inhalte zu teilen – dann erreichen sie sein großes Publikum.

Im Internet Geld zu verdienen, erfordert keineswegs weniger Zeit und Mühe als das Geldverdienen offline.

Bestenfalls kann man Reihenfolge und Zeitpunkt der eigenen Arbeit besser bestimmen.

Wer sich weiter informieren will und einen realistischen Zugang zum Thema sucht, ist gut beraten mit allen Seiten von Internet-Profi Peer Wandiger. Als Start empfehle ich selbstaendig-im-netz.de

Großartige Einsichten zum Bloggen gibt es von Blog-Großmeister Jon Morrow auf boostblogtraffic.com

VIEL ERFOLG!

Foto: StartupStockPhotos

Alexander Meneikis

Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Kaufmännischer Allrounder, seit 1998 selbständig, Projekte in Finanz- und Vertriebscontrolling bei Shell, Airbus, Germanischer Lloyd, Alice, freenet und vielen anderen. Alexander Meneikis hält zahlreiche Vorträge und Workshops bei Handelskammern und anderen Bildungsträgern, sowie bei selbst organisierten Veranstaltungen. Auf seinem Controlling Blog finden Sie Artikel und Gratis-Videos zu Themen von Controlling und Unternehmensführung. Sie finden Alexander Meneikis auf LinkedIn, seiner Internetseite und Twitter