Nicht verzweifeln an der Selbstdarstellung

Portrait Of A Man Yelling Into A Megaphone Against Blue BackgroundEin leidliches Thema für viele Freiberufler ist die Frage nach der Selbstdarstellung – oder positiver ausgedrückt: die Außenwirkung.



Machen wir uns da nichts vor. Außenwirkung und erste Eindrücke zählen. Vielleicht stärker, als jemals zuvor. Es gibt einfach zu viele Anbieter in den meisten Branchen. Aktuell bieten rund 2.1 Millionen Personen in Deutschland freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen an. Darunter sind etwa 91.000 Unternehmensberater, 40.000 Seminaranbieter, 5.000 Coaches selbständig tätig (Statistisches Bundesamt, Stand 2012).



Wenn Sie mit Ihren Dienstleistungen Teil dieser Masse sind und nicht schon auf den ersten Blick positiv auffallen und diesen positiven Eindruck aufrechterhalten, gehen Sie in der Masse unter. Was bleibt, ist dann eventuell die vertane Chance, einen neuen Interessen zum Anruf zu bewegen, oder einen neuen Auftrag zu gewinnen.



Wir können sicher davon ausgehen, dass Ihr persönliches Erscheinungsbild – von der Frisur bis zu den Schuhen – immer angemessen ist, wenn Sie bei (potenziellen) Kunden vor Ort sind. Aber Ihr Image, Ihr Gesamteindruck (oder auch „Marke“) ist mehr als Ihre Person. Und, ob Sie es wollen oder nicht, Sie haben eine Marke. Die Frage ist nur, ob Sie diese aktiv in die eigenen Hände nehmen, oder Ihre Imagebildung anderen überlassen. „Wenn Sie nicht selbst ins Horn blasen, gibt es keine Musik“, wie einer meiner Mentoren gerne sagt.





Ihre Marke ist das Gesamtbild, dass Sie, Ihre Webseite, Ihre Werbemittel, Ihr Verhalten, Ihr Kundenservice, etc. vermitteln.



Wie aktuell ist Ihre Webseite? Vermittelt diese noch den Eindruck eines modernen, fortschrittlichen Unternehmens? Frisches Design und neue Inhalte können Wunder wirken. Besser noch: ein unverwechselbares Design. Gleiches gilt für alle anderen Werbemittel (Flyer, Broschüren, Postkarten, Briefpaper, Logo, etc.).



Ein guter erster Eindruck bedeutet nicht unbedingt, dass Sie alles auf Hochglanzpapier drucken müssen. Das Erscheinungsbild sollte Ihre Position am Markt unterstreichen. Wenn Sie eher im oberen Drittel Ihrer Branche angesiedelt sind, wird sich Ihr Markenauftritt deutlich von Anbietern unterscheiden, die eher Discounter-Positionen einnehmen. Aber vorsicht: Discount-Anbieter zu sein ist keine Ausrede dafür, nicht in Marketing und gutes Design zu investieren – zumindest nicht, wenn Sie DER dominierende Discount-Anbieter Ihrer Branche sein wollen.



Die meisten von uns bewegen sich irgendwo zwischen diesen Extremen. Doch auch hier ist es möglich, sich über besondere Eigenschaften und Alleinstellungsmerkmale abzugrenzen und positiv aufzufallen. Eine sympathische Art von Humor, ein besonderer Charme, auffallende Farbgestaltung (aber nicht unbedingt „knallig“), hilfreiche Informationen für Kunden, ausgefallene Konzepte und Ansichtsweisen, etc. All das kann helfen, ein ganz eigenes, unverwechselbares Image am Markt aufzubauen.



Wichtig: Alles was mit Ihren Kunden in direkten Kontakt kommt, sollte ein einheitliches Gesamtbild ergeben und professionell, authentisch und vertrauenerweckend sein. Jeder Flyer, jede Broschüre, jeder Blog-Post, jedes Video, jedes Kundengespräch trägt dazu bei. Oft schenken wir nur einigen ausgewählten Marketingmitteln unsere Aufmerksamkeit. Und übersehen dabei, dass wirklich alles was wir tun, wahrgenommen und beurteilt wird und somit zu unserem Image beiträgt.



Nehmen Sie sich am besten in regelmäßigen Abständen die Zeit, Ihre Außenwirkung zu überprüfen. Fragen Sie auch Kunden, Mitarbeiter und Partner nach deren Meinung, um ein besseres Bild zu erhalten. Nutzen Sie das Feedback, um Ihr Image Stück für Stück durch geeignete Maßnahmen zu optimieren.



Diese Aufgabe kann überwältigend wirken. Deshalb fangen Sie ruhig klein an. Hier finden Sie einige Anregungen, was Sie noch in diesem Monat tun könnten, um Ihre Bekanntheit zu steigern und Ihre Image zu verbessern:

  • renovieren Sie Ihre Website – geben Sie Texten und Design neuen Schwung
  • starten Sie einen Blog – schreiben Sie einen ersten Artikel
  • promoten Sie Ihre Dienstleistungen in Webinaren – recherchieren Sie Software-Lösungen und Partner dafür
  • optimieren Sie Ihren Vortragsstil – melden Sie sich zum Beispiel bei Toastmasters an
  • schließen Sie strategische Partnerschaften – machen Sie eine Liste mit potenziellen Partnern
  • schreiben Sie ein Ebook – erstellen Sie das Konzept und Inhaltsverzeichnis



Sie müssen auch nicht alle davon gleichzeitig umsetzen. Vielleicht fallen Ihnen auch ganz andere Dinge ein, die Sie tun könnten. Wichtig ist nur, dass Sie Ihre Imagebildung in die eigenen Hände  nehmen.



Ihre Gedanken dazu?

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Gordon Dahl

Kommunikationswissenschaftler, Trendscout, Marketing Fan. Gordon Dahl beschäftigt sich seit 2004 intensiv mit Content und Email Marketing und der Wirkung von Sprache und Psychologie auf Kaufentscheidung und Kundenbindung. Auf seinem Kommunikationsblog WissenVermarkten finden Trainer, Berater, Coaches, Freelancer, Ingenieure und andere wissensintensive Dienstleister praktische Strategien, um die eigene Expertise besser "verkaufen" zu können. Sie finden Gordon Dahl auch auf Twitter, Google+ und LinkedIn.
  • Wolfgang

    Gegenfrage: Was habe ich von der vielen Bekanntheit, wenn mein Tag nur 24 Stunden zum Anbieten meiner Dienstleistung (Softwareentwicklung) habe? Ich bin jetzt schon mehr als gut ausgelastet, heißt sogar in umsatzschwachen Monaten mehr als 40 verrechnete Stunden pro Woche…

    • think on your feet

      Davon haben Sie z.B. die Option, Ihre Preise zu erhöhen.

      • Wolfgang

        Das setzt ein paar Dinge voraus, die Sie gerade nicht genannt haben: Nämlich dass man es richtig und professionell macht – wenn man sich blamiert, ist das wohl eher schlecht für die Preise, oder? -, dran bleibt – Eintagsfliegen sollen es ja wohl kaum sein, oder? -, heißt eine gute Webseite hat oder einen Blog pflegt und nicht zu vergessen, eine Niesche findet, in dem man dann auch tatsächlich Kunden findet, die mehr bezahlen. Vermutlich sollen dann auch noch die Kunden den Spezialisten finden, also sollte man auch noch ein bisschen SEO machen, oder? Das hört sich nach einiger Zeit an, die man investieren muss, oder? Und der ROI? Steht glasklar in einer Glaskugel, oder?

        Quasi nebenbei macht man dann noch sein „Hauptgeschäft“, denn seine eigenen Kunden soll man ja wohl halten, bis die gut zahlenden daher kommen – wenn die überhaupt kommen. Das mag für einen 25 bis 30-jährigen gut denkbar sein, der sich sein Geschäft aufbaut, ich bin bald 50 und ich brauche mich um das Thema Kundengewinnung nicht mehr sorgen, dank Empfehlungsmarketing, ist aus meiner Sicht die mit weitem Abstand beste Version. Wenn das anders wäre, würde ich mir solche Maßnahmen überlegen.

        Was auch unausgesprochen bleibt ist dass man sich mit so einer Aufgabe identifizieren kann. Nicht jeder, der einen deutschen Satz fehlerfrei schreiben kann, kann ein gutes ebook oder einen guten Blogartikel verfassen, oder? Würden Sie mir das zutrauen? Dass mein Vortragsstil verbesserungsfähig ist, weiß ich, und? Vor vielen Leuten werde ich Gott sei Dank nie einen Vortrag halten. An seinen Schwächen herumzudoktorn ist aus meiner Sicht eine Zeitverschwendung, der direkte Weg in die Mittelmäßigkeit.

        Die Preise: Wenn ich mir die Gulp Stundensatzstatistiken so ansehe, dann liege ich mit meinen Preisen durchaus im Bereich, der mich sehr zufrieden stellt.

    • Dietrich

      Entschuldigen Sie, aber ich fürchte, das was Sie betreiben ist Selbstausbeutung! Wenn man Freiberufler wird, so war ich bisher davon ausgegangen, dass man auch ein Stück weit raus aus der Angestelltentretmühle will. Wenn man 40 – 50h „hacken“ will, dann ist man effektiv wieder Angestellter – nur eben bei sich selbst. M. E. ist aber die Idee, weniger, aber dafür gezielter zu arbeiten und dafür eben auch gemessen an der aufgewendeten Zeit mehr zu verdienen. Und damit das gelingen kann, muss man natürlich die Zeit wieder für die Außendarstellung aufwenden.
      M. E. kann man Softwareentwicklung auch nicht ewig machen, nicht, weil man es nicht mehr könnte, sondern weil die Auftraggeber einem irgendwann die Stressresistenz, Flinkheit und vorallem Neugier absprechen, die eben jüngere Kandidaten haben. Ich kenne so gut wie keine SW-Entwickler, die >50 Jahre alt sind. Wir müssen aber alle – sofern wir nicht bestens für’s Alter vorgesorgt haben (so dolle sind die Stundensätze für SW-Entwicklung dann nun auch nicht) – bis mind. 67 durchhalten. Was macht man bloß in den noch verbleibenden 17 Jahren? Ich denke, ab 50 seine eigene „Marke“ zu etablieren, könnte schwierig werden. Manch brauch ja auch eine Erfolgshistorie Abseits des Programmierens.

      • Wolfgang

        Hallo Dietrich,

        wer sagt denn, dass Softwareentwicklung nur aus „hacken“ besteht? Ich bin schließlich kein Programmierer. Zu meinem Geschäft gehört auch Kundenbetreuung, so etwas wie aus dem Kunden „herauskitzeln“, was ihm unter den Fingern brennt und auch das andere Ende wie Anwenderschulung. Das mache ich fast lieber mache als kodieren.

        Ich gehe nicht mehr davon aus, dass ich bis 67 oder auch nur bis 65 arbeiten muss, vorausgesetzt unsere Wirtschaft oder der Euro bricht nicht zusammen. Schließlich hatte ich ja „unglücklicherweise“ zu wenig Zeit zum Geld ausgeben!

        Und noch ein Wort zu Selbstausbeutung: Macht Ihnen Ihr Job Spass? Ich gehe aufgrund Ihres Kommentars irgendwie nicht davon aus. Ich mache das, was mir Freude macht und ich würde das bestimmt auch für weniger machen. Ich könnte dafür nicht 50 Wochenstunden irgendwo sein und herumliegen oder Zeit mit Fernsehen tot schlagen…