Warum eine Genossenschaft gründen?

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Entstehung der 4freelance recruitment Genossenschaft – Mitbestimmung und Unabhängigkeit in den Genen

Die Idee zur 4freelance Genossenschaft ist mir durch meine gleichnamige Bewertungsplattform gekommen, die Freelancern seit 2012 die Möglichkeit bietet, ihre Vermittlungsagentur zu bewerten.

Auffällig ist, das viele der Bewertungen auf der Plattform schlecht sind. Die Freelancer sehen die meisten Recruiting Agenturen mehr als notwendiges Übel denn als willkommenen Partner.  Von vielen Freelancern wird das intransparente System der meisten Agenturen angeprangert. Oft lassen die  Agenturen bei den Freelancern auch das ungute Gefühl zurück, für das viele Geld vergleichsweise wenig zu leisten. Teilweise beklagen sich die Freelancer auch über Verträge, die Klauseln enthalten, die jedes Gericht kippen würde. Aber wer will schon gerne gegen eine Klage von einem grossen finanzstarkem Unternehmen riskieren?  Oder keine Aufträge mehr von diesem bekommen?

So kam die Idee auf, dass es auch einen anderen Weg geben müsste, um Freelancer mit den Auftraggebern zusammen zu bringen.

Zunächst war geplant, eine Plattform zu betreiben, auf der sich Freelancer gegenseitig über offene Projektpositionen informieren. Gespräche mit potentiellen Aufraggebern ergaben aber, dass sehr viele von diesen eine Agentur als Ansprech- und Vertragspartner wünschen.

So war klar: Wir müssen eine Vermittlungsagentur gründen. Eine Agentur, in der sich Freelancer gegenseitig unterstützen. Eine Agentur, die sich im Besitz der Freelancer befindet und deren Interessen im Fokus hat.

Bei den Überlegungen, in welcher Gesellschaftsform sich diese Ziele am besten umsetzen lassen würden, sind wir schnell auf die Genossenschaft gekommen:

Unterstützung statt Profitmaximierung

Der Zweck eines normalen Unternehmens ist dessen Gewinnmaximierung. Im Gegensatz dazu, ist der Zweck der Genossenschaft in seiner Satzung definiert. Bei uns ist dieser die Vermittlung von Projekten sowie die Herstellung von Transparenz im Vermittlermarkt. Ein Gewinn muss dabei nicht erzielt werden.

Mitbestimmung

Natürlich kann jede Freelancerin die Inhalte ihres Projektvertrags selber bestimmen (bzw. den Job ablehnen). Sie kann mit dem Vermittler auch über dessen Rahmenvertrag verhandeln. Je gefragter die Fähigkeiten der Freelancerin sind, desto eher wird sie dazu in der Lage sein. Doch nur wenn sie gleichberechtigter Anteilseigner des Vermittlers ist, kann sie das Vermittlungssystem selber mitbestimmen:

  • Der Aufsichtsrats wird durch die Mitglieder der Genossenschaft gewählt, der nun wiederrum den Vorstand bestimmt
  • Im Gegensatz zu der typischen Stimmrechtsverteilung einer GmbH oder AG zählt jede Stimme genauso viel wie die eines anderen Anteilseigners.

Unkomplizierter Beitritt

Es ist wichtig, dass wir nicht jedesmal zum Register gehen müssen, wenn wir ein neues Mitglied aufnehmen wollen. Das ist teuer, braucht Zeit und ist aufwendig. Bei einer GmbH ist das so vorgeschrieben. Bei der Genossenschaft müssen wir neue Anteilseigner „nur“ in einer Mitgliederliste führen.

Geprüft und für gut befunden

Das Gründungsvorhaben einer Genossenschaft wird vor ihrer Gründung von einem Genossenschaftsprüfungsverband geprüft. Nur bei einem positiven Bescheid wird dieser die Genossenschaft im Verband aufnehmen. Nur dann kann die Eintragung ins Genossenschaftsregister vorgenommen werden. Der Prüfungsverband prüft dann später auch, wie sein Name es schon sagt, regelmäßig die Genossenschaft. Es verwundert also nicht, dass die Genossenschaft eine der stabilsten Gesellschaftsformen ist.

Begrenztes Risiko

In unserer Satzung haben wir eine über die Einlage hinausgehende Haftung der Anteilseigner ausgeschlossen. Das Risiko des Mitglieds ist also auf seine Einlage beschränkt.

Unabhängigkeit

Als Genossenschaft sind wir eine Gemeinschaft, die über ihr eigenes Schicksal bestimmt. Insofern kann die Gründung der Genossenschaft, wie es mal eine Mitglied ausdrückte als „Hilfe zur Selbsthilfe“ verstanden werden.
Bei der Gründung der Genossenschaft hat kein Unternehmen mitgewirkt. Einige haben uns natürlich beeinflusst. Viele wohlbekannte Namen haben als Ansporn gedient, es besser machen zu wollen. Andere Vermittler sind in einigen Bereichen unser positiver Benchmark.
Die 4freelance Genossenschaft ist Eigentum unserer Mitglieder. Ein Verkauf an einen der großen Anbieter ist mehr als unwahrscheinlich, da einem solchen die Mehrheit der Mitglieder zustimmen müsste.

Vor uns liegt noch ein langer Weg, den wir gemeinsam mit vielen engagierten Mitgliedern beschreiten wollen. Ihr seid herzlich willkommen, Euch uns anzuschliessen und mit uns an einem besseren Vermittlungsystem zu arbeiten.

Detallierte Informationen findet Ihr in unserem FAQ.

Wenn Ihr Euch überlegt, Mitglied zu werden, könnt Ihr Euch hier den Antrag und die Satzung runter laden.

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Timo Bock

Als Betreiber von 4freelance schreibt Timo Bock in unregelmäßigen Abständen auf diesem Blog. Daneben ist er Co-Founder des Bitcoin Startups SatoshiBay und als Product Consultant für ein webbasiertes soziales Netzwerk aus Mountain View tätig. Zuvor war er vier Jahre in unterschiedlichen Positionen für einen Projektvermittler tätig. In dieser Zeit hat Bock immer wieder festgestellt, dass es einige schwarze Schafe auf dem Markt gibt. Somit ist die Idee für die Projektvermittler-Bewertungen auf 4freelance geboren. Sie finden Timo Bock auf LinkedIn und Twitter