Kosten sparen durch Job Spamming?

Computer Monitor screen, concept of spam email

In Gesprächen mit Freelancern erzählen mir diese sehr oft, dass kaum ein Job, der ihnen von Vermittlern zugeschickt wird, auf sie passt. Der Anteil der unpassenden Anfragen liegt in den Gesprächen über 90% und gefühlt fast bei 100%.

Die Freelancer beschweren sich dabei nicht darüber, dass der Job zeitlich nicht passt. Die Anfrage passt einfach gar nicht zu ihrem Profil.

Wie kann es dazu kommen, dass so viele unqualifizierte Anfragen an die Freelancer geschickt werden?

Einige Vermutungen dazu:

1.)    Bei einigen Vermittlungsagenturen scheint das Motto „Einfach rauswerfen. Mal sehen, was an der Wand kleben bleibt.“ vorzuherrschen. Nach einer einfachen Stichwortselektion wird die Anfrage an alle „grob passenden“ Kandidaten geschickt. Die eigentliche Arbeit der Selektion wird dabei auf die Freelancer verlagert.

2.)    Wenn in einem weiteren Schritt eine manuelle Selektion stattfindet, dann wird diese von Personen durchgeführt, die von der Materie nicht so viel verstehen. Oder aber diesen Personen wird zu wenig Zeit gegeben, um die Selektion sauber durchzuführen.

Oder habt Ihr für diesen hohen Anteil unpassender Anfragen eine andere Erklärung?

Viele Grüße,

Peter

P.S.: Natürlich machen das nicht alle Vermittlungsagenturen so. Aber anscheinend genügend, dass die Anzahl der unpassenden Anfragen die der relevanten um ein Vielfaches übersteigt. Und offensichtlich genügend, dass einige Freelancer davon genervt sind.

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Peter Monien

Als ehemaliger hauptamtlicher Vorstand und Content Marketing Verantwortlicher von 4freelance schrieb Peter Monien öfter auf diesem Blog. Peter ist Gründer und Geschäftsführer von TEAM 4M: Mainframe Anwendungssoftware Maintenance Outsourcing „in budget“, von deutschsprachigen Experten, mit Effizienz-Rückvergütung. Er hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im B2B-Sales und war unter anderen bei Dow Jones und Red Hat tätig. Sie finden Peter Monien auf LinkedIn und XING.
  • Alexander Meneikis

    Ja, bei einigen Agenturen habe ich das als kaufmännischer Interimer ebenso erlebt. Manche Anfragen passen überhaupt nicht. Das war insbesondere so in der Zeit von ca. 2011 bis vor Kurzem, also ca. Anfang 2015.

    Einmal kam ich zum Kunden-Interview und mein Profil lag von zwei verschiedenen Agenturen auf dem Tisch. Fand ich nicht störend, zeigt ja eher, dass die Agenturen etwas tun und dass ich beliebt bin 😉

    Genervt hat mich, als ich einen halben Tag lang in die tiefste Pampa gereist bin, um dann festzustellen, dass nicht nur mein Profil seitens der Agentur nicht auf das Projekt passte, sondern dass auch der Kunde mein Profil nicht mal GELESEN hatte. Als ich da saß, schaute er zum ersten Mal hinein und winkte sofort ab. Dann halber Tag Rückreise, für nix.

    Seit Anfang 2015 erhalte ich wieder Anfragen, die ganz gut passen. Daher werde ich auch wieder zu Interviews eingeladen, oder, wie letzte Woche, gleich angeheuert für ein Kurzprojekt.

    • Peter Monien

      Das ist wirklich eine sehr hässliche Auswirkung: ein komplett unnötiger Reisetag. Das spricht nicht für die Qualität der damals durchgeführten Vermittlung. Umso besser, dass es jetzt besser klappt!

    • Ich hab bei so einer Geschichte mal den Vermittler in die finanzielle Pflicht genommen und die Kosten eingefordert. Zunächst wollten sie sich weigern, im gerichtlichen Mahnverfahren haben sie schließlich nachgegeben.

      Hintergrund war gewesen, dass dem Kunden gegenüber ein falscher Eindruck bzgl. meiner Skills erweckt worden war. Als das zu Beginn des Gespräches zur Sprache kam, war das Gespräch auch wenige Minuten später beendet. In meiner Version meines Profils war das glasklar zu lesen.

  • Dietrich

    Ein weiterer Grund könnte sein, dass der Freelancer auch selber schuld an der „Misere“ ist. In meinem Profil bspw. stehen eine ganze Menge „Keywords“, die früher (und eingeschränkt auch heute) ganz gut auf meine Kenntnisse gepasst haben. Dieses Profil ist somit inzwischen ziemlich breit geworden, und es wundert mich nicht, wenn Vermittler, die nach bestimmten „Keywords“ suchen, bei mir fündig werden und dann glauben, dass ich bestens zum Projekt passe. Dass das nicht stimmen kann, weil diese „Keywords“ in Projekten von vor 10 Jahren bspw. auftauchen und später nicht mehr, das ist freilich ein Gedanke, den nur fortgeschrittene, aufgeweckte und professionelle Vermittler haben …

  • M_Reiff

    Aus eigener Erfahrung kann ich diesen Eindruck weitestgehend bestätigen. Ich habe schon vor Jahren aufgehört zu zählen, wie viele — komplett unpassende — Angebote für Einsätze als Software-Entwickler ich täglich bekomme. Ich muss dazusagen, dass ich _noch_nie_ Software-Entwickler war. Aber als Projektleiter Projekte mit Software-Entwicklungsanteil geleitet zu haben, scheint für gewisse Recruiter ausreichend zu sein, um nach dem Giesskannenprinzip jeden anzuschreiben, in dessen Resume irgendwo der Suchbegriff auftaucht. Kontext oder gar das „big picture“ der Gesamtqualifikation scheint dabei völlig irrelevant zu sein.

    Ergebnis: Emails werden von mir zwei Sekunden blitz-quergelesen und auf gewisse Schlüsselbegriffe (z.B. eben Software-Entwicklung, SW Developer, etc.) gescannt — also kein automatischer Filter, um „false positives“ zu vermeiden — und ggf. kommentarlos gelöscht.

    Soweit kann ich damit leben. Was mich wirklich, wirklich, wirklich tierisch aufregt, sind Agenturen, die ich deswegen mehrfach angeschrieben und gebeten habe, doch bitte ihre Information bzgl. meiner Qualifikation dahingehend zu aktualisieren. Prompt passierte … nichts! Und ich bekam über kurz oder lang weiter völlig unpassende Anfragen. _Das_ zeigt mir dann allerdings sehr deutlich, welchen Stellenwert ich als Berater bei solchen Agenturen habe, und wie sehr man sich dort dafür interessiert, welche Qualifikationen ein Berater tatsächlich hat. Letztenendes ist das m.E. nicht nur bodenlos arrogant und unverschämt dem Berater gegenüber, sondern auch ein Affront gegenüber dem Kunden.

    Glücklicherweise gibt es nicht nur schwarze Schafe unter den Vermittlern. Das Phänomen scheint mir vielmehr symptomatisch für den Bereich IT zu sein, in dem m.E. generell so Vieles im Argen liegt, dass er zurecht prima als Negativ-Beispiel für so ziemlich alles herhalten kann.

    Jedoch habe ich insbesondere mit etlichen spezialisierten Agenturen (z.B. solche, die nur branchenspezifisch Medizintechnik, Pharma, Life Sciences bedienen, oder bspw. branchenübergreifend aber qualifikationsspezifisch Qualitätsmanagement) gute Erfahrungen gemacht.

  • Julia Gelotti

    Als Vermittler bin ich sehr bemüht die Profile absolut sorgfältig zu filtern bevor ich einen Interimer anspreche. Leider sind viele Profile im Netz nicht aktuell oder geben nur eine sehr grobe Übersicht. Dann sind wir als Vermittler auf die Mitarbeit des Freelancers beim Profilabgleich angewiesen – aber das sollte natürlich nur tiefergehende fachliche Aspekte betreffen! Und eines ist ganz klar – auch wir Vermittler „leiden“ unter unqualifizierten Ansprachen da immer mehr Freelancer und auch Kandidaten für eine Festanstellung von unqualifizierten Anfragen nahezu überflutet werden und Ihre Profile für Kontaktanfragen sperren.

    Ebenso liegt der Qualifizierungsprozess des Kunden meistens nicht in der Hand des Vermittlers. Wir sind hier lediglich „Vertriebler“ und stehen auf der Seite des Interimers um das gemeinsame Projekt zu gewinnen. Leider sind die Prozesse beim Kunden teilweise langwierig oder es werden mehrere Agenturen gleichzeitig angefragt. Zudem kommt es ab und an doch kurzfristig zu einer anderen internen Lösung als Interim Management. Dennoch gibt es auch Ausnahmen unter den Vermittlern, die bevorzugt mit Bestandskunden arbeiten und den Prozess von vornherein besser einschätzen können.

    Aber genau wie wir Vermittler viele Anfragen von Freelancern auf unsere Projektausschreibungen erhalten (die übrigens manchmal auch ganz und gar nicht passend sind) profitieren doch am Ende beide Parteien wenn es zu einem Auftrag kommt. In diesem Sinne freue ich mich immer über einen neuen Kontakt zu einem Interimer, auch wenn sich am Ende des Gespräches herausstellen sollte, dass das Projekt nicht 100%ig passt.

    Eines ist sicher, die Wertschätzung der Interimer sowie der Kunden sollte für uns Vermittler ganz oben stehen. Und der Freelancer hat ja zum Glück eine große Auswahl an Agenturen 🙂

    • Wolfgang

      Sehr geehrte Frau Gelotti,

      schön, auch mal von der „anderen“ Seite zu hören. Sie haben sicher Recht, wenn Sie Selbstständige die Nichtaktualität ihrer Profile ankreiden. Für meinen Teil muss ich aber meine unbezahlte Zeit einteilen und dazu gehört zwar, mindestens _ein_ Profil aktuell zu halten, aber das ist nicht notwendigerweise dort, wo der Vermittler sucht und wahrscheinlich ist das dem einen zu ausführlich, dem anderen zu knapp.

      In meinem Fall ist es garantiert zu ausführlich, weil ich auf Kleinkunden „spezialisiert“ bin und eine komplette Projekthistorie eher das Format einer Bibel als das eines dünnen Heftchens hat.

      Deshalb ist es mit einer Ausnahme nie zu einer Vermittlung gekommen. Ich stehe wie vermutlich die meisten hier in diversen Profildatenbanken. Da ist das Kosten-/Nutzenverhältnis für den Pflegeaufwand meines Profils in diesen Datenbanken miserabel. Anders wäre das, wenn es zu den Vermittlern eine einheitliche Schnittstelle gäbe, die zur Aktualisierung des Profils diente.
      Übrigens habe ich schon diverse Vermittler um die Löschung meines Profils gebeten. Das klappt aber auch nur teilweise…