Ist LINUX ein sinnvolles Betriebssystem für Freiberufler?

linux-154544_OpenClipsMac / Apple habe ich bereits 2009 komplett rausgeschmissen. Die teure Hardware, insbesondere die unberechenbaren DVD-Laufwerke, die Disks irgendwann nicht mehr auswerfen, die Unmöglichkeit einfacher Reparaturen und die aus meiner Sicht schlechte Funktionalität der typischen Programme, haben mich gänzlich davon abgebracht.

Kann man als Freiberufler mit einem schlanken Back Office aus Windows komplett aussteigen?

Antwort: So lange das Back Office wirklich schlank bleibt, klares Ja.

Kann man als Controller komplett aus Windows aussteigen?

Antwort: Klares Nein.

Im Folgenden gehe ich darauf im Detail ein:

  • Warum will man überhaupt das Betriebssystem wechseln?
  • Welche Anforderungen habe ich definiert?
  • Wie gut haben die beiden Betriebssysteme meine Anforderungen erfüllt?

Vergleich von Windows und Linux

Warum würde überhaupt jemand von Windows auf Linux umsteigen wollen?

Ein häufig angeführtes Argument: Linux ist gratis. Prinzipiell stimmt das.

Nur, wenn Sie die Zeit rechnen, die Sie für Umstellung, Einarbeitung und Fehlersuche benötigen, in der Sie nicht produktiv am Geldverdienen arbeiten können, fallen die paar Kröten, die Sie an der Software sparen, nicht ins Gewicht.

Zudem, was erwarten Sie von Software, die rundum gratis ist? Reibungslose Funktionalität? Ästhetische Benutzeroberflächen? Nein? Ich auch nicht.

Ich finde es völlig legitim, dass Software, in die eine Menge Arbeit eingeflossen ist, auch bezahlt wird, so lange es im Verhältnis bleibt.

Lange Zeit hieß es, bei Linux haben Sie keinen blauen Bildschirm und weniger Abstürze. Seit Win XP, spätestens seit Win 7, gilt diese Argumentation nicht mehr. Die neueren Windows-Versionen stürzen kaum noch ab, und Linux ist auch nicht frei von Hängern und Abstürzen.

Ein anderes Argument ist, den bösen Microsoft-Konzern mit dem finsteren Illuminaten Bill Gates an der Spitze nicht unterstützen zu wollen. Konzerne sind ja per se das Böse! Naja…

Ein tatsächlich sinnvolles Argument, das sich direkt aus der Ökologie ableitet, ist, dass Monokulturen sehr stark zu Schädlingsbefall neigen. Die meisten Viren greifen nur Windows an. Wäre ab und zu, und in größerer Dichte, Linux und Mac OS dazwischen, wäre es für die Viren schwerer, sich zu vermehren.

Für mich selbst ist vor allem Geschwindigkeit und Funktionalität wichtig. In beidem haben beide Systeme Stärken und Schwächen.

Mir persönlich gefällt die Ästhetik einiger Linux-Distributionen besser als die von Windows. Insbesondere mag ich das Aussehen von Linux Mint (die Funktionalität leider gar nicht) und von Lubuntu.

Welche Funktionen brauche ich?

Speziell für meine Bedürfnisse – ein Controller und Ausbilder, der viel bloggt – ergibt sich die Notwendigkeit einer Kombination von Programmen, die wahrscheinlich etwas über den durchschnittlichen Berater hinausgeht.

Persönliche Bedürfnisse:

  • Ich will ein System, das mit dem Booten fertig ist, bevor ich in Urlaub fahre.
  • Außerdem will ich neue Hardware und Software hinzufügen können, ohne zwei Semester Informatik zu studieren und ohne den Regentanz in meinem rosa Hasen-Kostüm ausführen zu müssen.

Ich brauche für mein Business folgende Kategorien von Software:

  1. Textverarbeitung
  2. Tabellenkalkulation
  3. Präsentation
  4. Bildbearbeitung auf niedrigem Niveau
  5. Video-Editing, vor allem für Tutorials
  6. E-Mail
  7. Instant Messaging / Skype
  8. Web-Browser
  9. Buchhaltung (eigene Firma)
  10. Lohnabrechnung (eigene Firma)

Vergleich der Funktionen von Windows zu Linux

Schnelles Booten

Bereits Linux-Experte Michael Kofler wies darauf hin, dass Linux nicht unbedingt schneller ist als Windows. Die von mir getesteten Distributionen Ubuntu, Mint 16 und Knoppix waren denn auch kein bisschen schneller am Start. Linux Mint war sogar deutlich langsamer. Mit der Anwendung diverser Tuning-Tips aus youtube und diversen Foren habe ich keine Sekunde gewonnen. Lubuntu, also Ubuntu mit LXDE-Desktop, bootete deutlich schneller.

Aus den Diskussionen in den Linux-Foren lässt sich ableiten, dass es an sehr vielen Faktoren liegt, wann welche Distro auf welchem Rechner schneller oder langsamer läuft. An dieser Stelle wissen die Profis mehr.

Reibungslose Integration

Seit Windows XP habe ich mit Windows keinerlei Probleme, Software oder Hardware zu integrieren. So ziemlich alles ist Plug&Play. Drucker, insbesondere EPSON, erfordern noch einige Installationen von Treibern und Zusatzprogrammen, aber alles Andere wird angestöpselt und rennt los.

Mein erster Versuch in 2006, mit Ubuntu zu arbeiten, scheiterte kläglich daran, meinen Drucker zum Laufen zu bringen. Der Drucker war keinesfalls ein Exot, sondern ein weit verbreiteter Canon-Tintenstrahldrucker.

Die Installation etlicher Pakete führte zu nichts, stundenlange Recherchen führten zu keinem Ergebnis. Ein Linux-Profi arbeitete in meinem Büro einen halben Tag lang und probierte alles Mögliche aus. Der Drucker war nicht zum Laufen zu bewegen. Damit war Ubuntu für mich erstmal gestorben.

Weitere Versuche in 2013 verliefen erfolgreicher. Mein HP-Drucker war über Linux sogar einfacher anzusprechen als über Windows.

Solange man nur die Standard-Software benutzt, die in den Linux-Distros mitgeliefert wird, hat man keinerlei Probleme. Das Installieren weiterer Programme ist mal mit mehr, mal mit weniger Aufwand verbunden.

In Linux wird Software über sogenannte „Pakete“ installiert. Verschiedene Distributionen erkennen verschiedene Pakete unterschiedlich gut.

Textverarbeitung

MS Word mochte ich in früheren Versionen nicht besonders. Mein E-Book über Kundengewinnung habe ich denn auch in Open Office Writer geschrieben. Dort gefiel mir vor allem der schnelle PDF-Export.

Was mir in Writer weiterhin nicht gefällt, ist die Serienbrief-Funktion, die ich ab und zu brauche. Serienbriefe schreibe ich weiter mit MS Word, Writer ist mir zu umständlich.

Seit dem PDF24-Editor ist der PDF-Export aus Word nun auch kein Thema mehr.

Inzwischen liegen die beiden Programme für mich etwa gleichauf.

Für die Klugscheißer: Ich weiß, dass man Open Office / Libre Office auch auf Windows nutzen kann und dass man auch Word auf Linux benutzen kann; Letzteres hat sich in der Praxis aber als extrem kompliziert erwiesen (Stand: Oktober 2014).

Fazit für Textverarbeitung: Für mich auf Linux wunderbar umgesetzt, Umstieg jederzeit möglich. Serienbriefe nervig, aber nicht ultra-nervig

Tabellenkalkulation

Hier ist der Engpass für mich als Controller. Calc kann zwar so ziemlich alles, was Excel kann, aber deutlich sperriger und umständlicher.

Excel ist und bleibt bis auf Weiteres DAS Tool, um Zahlen aufzubereiten und darzustellen. Pivot-Tabellen und Matrix-Funktionen kriege ich in der erforderlichen Geschwindigkeit nur mit MS Excel hin. Gnumeric schafft es gar nicht, Calc nur umständlich.

In Excel ziehe ich die Pivot-Felder einfach in die Vorlage, in Calc muss ich mich durch Extra-Fenster klicken. Das ist für die tägliche Routine indiskutabel.

Um ein Kassenbuch zu führen oder eine einfache Adressliste, ist Calc mehr als ausreichend. Um eine einfache BWA darzustellen und mit einfachen Grafiken zu unterstützen, die vom Aufbau her immer wieder gleich sind, ist Calc ebenfalls mehr als ausreichend.

Für die Klugscheißer: Es gilt analog dasselbe wie für Word.

Fazit für Tabellenkalkulation: Für viele Anwendungen auf Linux gut geeignet. Für tägliche Arbeit im Controlling völlig indiskutabel.

Präsentation

Ich habe keinen tiefen Einblick in Impress. Zu PowerPoint gibt es inzwischen zahlreiche Alternativen, die ich auch nicht kenne.

Für MS PowerPoint habe ich mich seinerzeit aus einem ganz profanen Grund entschieden. Ich brauche Slides oft als TIF-Datei, um sie in Videos einzubinden. Um Folien als TIF abzuspeichern, brauchte ich seinerzeit (ca. 2005) in Impress zwei Klicks mehr.

Für die Klugscheißer: Wahrscheinlich wissen Sie tatsächlich besser bescheid an dieser Stelle.

Fazit für Präsentation: Wirklich keine Ahnung.

Bildbearbeitung auf niedrigem Niveau

Was mache ich mit Bildern? Zuschneiden, Größe ändern (für Blogs) und ggf. das Bild direkt im Bild beschriften.
Fortgeschrittene Funktionen wie Freistellen und Umfärben habe ich versucht und nach einer Weile entnervt aufgegeben.

Das Zuschneiden und Größe ändern funktioniert auf beiden Plattformen gut mit XnView. Ich weiß nicht mehr, ob die Installation auf Linux umständlich war.

Um direkt ins Bild schreiben zu können, habe ich entweder das Bild nach PowerPoint kopiert und ein Textfeld eingearbeitet, oder mit Adobe Photoshop Elements den Text hineingeschrieben.

GIMP kann dies laut zahlreicher Quellen auch; ich habe es aber nicht ausprobiert. GIMP gilt als kompliziert, aber Adobe Photoshop erscheint mir auch alles andere als simpel.

Fazit für Bildbearbeitung auf niedrigem Niveau: Sehr wahrscheinlich gut machbar auf Linux.

Video-Editing, Erstellen von Tutorials

Nachdem ich ca. 2009 dem Hype um Final Cut erlegen war, besorgte ich mir einen iMac und legte los. Abgesehen davon, dass die verdammte Kiste meine Kamera nicht erkannte (das ging mit diesem Modell – eine gängige Canon – auch zahlreichen Foren-Nutzern so), empfand ich die Software im Vergleich zu MAGIX Video als sehr schlechten Witz. Auch ein Apple-Profi konnte die Kommunikation zur Kamera nicht herstellen, also Ciao Apple.

(Auch in der Musik-Abteilung blieb Logic Lichtjahre zurück hinter MusicMaker.)

Seit Anbeginn meiner Karriere als Video-Macher arbeite ich mit MAGIX und kann mir kaum vorstellen, wie es besser gehen sollte.

Für das Editing auf Linux wird u.a. kdenlive empfohlen. So weit bin ich nicht gekommen, weil ich schon beim Livestream vom Bildschirm die Schnauze voll hatte.

Für das Aufnehmen von reinem Audio (z.B. für Slideshows) benutzte ich auf Windows und Linux Audacity, eine Freeware, die auf Windows problemlos und auf Linux nach etwas Herumdoktern flüssig lief.

Manchmal brauche ich Livestream vom Bildschirm, kombiniert mit Audio. Einige Jahre lang leistete mir die Freeware Camtasia beste Dienste, bis sie irgendwann trotz Updates nicht mehr wollte. Also kaufte ich für eine Handvoll Kleingeld MovAvi, welches ich sehr gut finde.

Livestream auf Linux? Frage nicht nach Sonnenschein… Nach dem Installieren sämtlicher proprietärer Codecs aus allen bekannten Galaxien, bekam ich den SimpleScreenRecorder auf Ubuntu sehr schlecht zum Laufen, nachdem ich ein anderes Programm ausprobiert hatte, dessen Namen ich schon wieder verdrängt habe. Es hatte gute Bewertungen erhalten, allerdings nicht von mir…

Fazit für Tutorial-Erstellung: Wie man auf youtube sieht, werden zahlreiche gute Tutorials auf Linux erstellt. Als ich mit Multimedia auf Windows anfing, hatte ich auch eine Weile lang erhebliche Schwierigkeiten. Ich gehe also davon aus, dass einfache Video-Produktionen auf Linux grundsätzlich kein Problem sind.

Ich bin allerdings sehr an Windows gewöhnt und dort gut eingearbeitet, deshalb steige ich vorerst nicht um.

E-Mail

In Windows wie Linux überhaupt kein Problem mit Thunderbird.

Instant Messaging / Skype

Auf Windows skype ich seit 2009 ohne Probleme.

Auf Ubuntu bekam ich Skype nach mehreren Anläufen und viel Gefummel installiert und funktionsfähig. Die Benutzeroberfläche gefiel mir nicht, aber es lief ohne Störung.

Web-Browser

Auf beiden Plattformen Firefox oder Chrome, völlig easy.

Buchhaltung

Ein absolut ernstzunehmendes Programm für Buchhaltung, auch inclusive Bilanzierung und Kostenrechnung, das auf Linux läuft, ist HaBu. Ich habe die Windows-Version des Programmes recht ausführlich getestet und darüber berichtet.

Trotz einer absolut indiskutablen Schwäche bei der Bilanz (die sich für ca. 250 EUR einmalig beheben lässt) halte ich diese Software für sehr gut und im Preis-Leistungs-Verhältnis trotz Schwachpunkt unerreicht, sogar besser als Lexware Buchhalter.

Obwohl HaBu im Software-Shop von Ubuntu vorhanden ist, auch mit kostenloser Testversion, habe ich das Programm auf Linux nicht zum Laufen bekommen. Nach der 100. Fehlermeldung hatte ich genug. Wenn es allerdings läuft und man sich daran gewöhnt hat, gehört es zu den besten, die ich bisher gesehen habe.

Fazit für Buchhaltung: Wenn HaBu denn läuft, ist es nicht nur eine ernstzunehmende, sondern womöglich eine überlegene Alternative zu niedrigpreisigen Windows-Anwendungen.

Lohnabrechnung

Absoluter Engpass für mich war zuerst die Buchhaltung. Nach einer tieferen Prüfung von HaBu war dieses Problem gelöst.

Für die neue Firma erledige ich aber auch die Lohnabrechnung. Da schien es für Linux nichts Ernsthaftes zu geben, abgesehen von web-basierten Anwendungen, die dann wieder sehr teuer sind.

Dann stieß ich auf jlohn von Klaus Gotthardt. Nach den Auswertungen zu urteilen, die er zur Ansicht ins Netz gestellt hat, weiß der Mann, was er tut. Ich habe nachgefragt, ob man die Buchungslisten aus seinem Programm nach HaBu übergeben kann. Er antwortete, er würde dem nachgehen.

Die Auswertungen aus jlohn sehen nicht besonders toll aus, enthalten aber, soweit ich erkennen kann, die gesetzlich vorgeschriebenen Bestandteile (im Zweifelsfall bitte mit einem Steuerberater abklären).

Fazit für Lohnabrechnung: Noch nicht getestet. Da aber der Programmierer von jlohn mit der Programmiererin von HaBu in Kontakt steht, könnte dies zumindest ein Indiz sein, dass er sein Fachgebiet ähnlich ernst nimmt und ähnlich solide beherrscht.

Nachtrag am 17.11.2014: Herr Gotthardt hat mich informiert, dass es jetzt eine Schnittstelle von jlohn zu HaBu gibt.

Fazit insgesamt

Würde ich nur bloggen und einfache kaufmännische Admin machen incl. Buchhaltung, wäre ich bereits umgestiegen auf Linux.

Da ich aber fürs Controlling die höheren Funktionen in Excel brauche, welche die Linux-Programme nur auf umständliche Weise bieten können, bleibe ich bei Windows.

Für Multimedia-Anwendungen finde ich MAGIX unschlagbar, die auch nur auf Windows laufen.

Mein Freund Henning Matthaei vom Partnerwerk arbeitet seit Jahren mit Linux und ist sehr zufrieden. Er braucht allerdings auch nicht die fortgeschrittenen Controlling-Anwendungen wie ich.

Einige hartnäckige Linux-Verfechter sind nach mehreren Jahren in der Wirklichkeit auch zu der Einsicht gekommen, dass es für komplexere Anwendungen im Business eben doch keinen Weg aus Windows gibt und dass zumindest Windows 7 inzwischen gut genug ist.

Hier ein Experte ausführlicher zum Thema:
http://www.hannes-birnbacher.de/computer/linux.html

Bild: OpenClips

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Alexander Meneikis

Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Kaufmännischer Allrounder, seit 1998 selbständig, Projekte in Finanz- und Vertriebscontrolling bei Shell, Airbus, Germanischer Lloyd, Alice, freenet und vielen anderen. Alexander Meneikis hält zahlreiche Vorträge und Workshops bei Handelskammern und anderen Bildungsträgern, sowie bei selbst organisierten Veranstaltungen. Auf seinem Controlling Blog finden Sie Artikel und Gratis-Videos zu Themen von Controlling und Unternehmensführung. Sie finden Alexander Meneikis auf LinkedIn, seiner Internetseite und Twitter
  • Kenya

    Sie bezeichnen sich als Betriebswirt, Controller und als Kaufmännischer Allrounder und haben den Durchblick zwei ganz unterschiedlich konzeptierte Betriebssysteme samt diverser Software fachmännisch kritisch beurteilen zu können. Das bezweifle ich ganz massiv. Bereits die mehrfache Erwähnung des Klugscheißers zeigt eher Aktion aus der Frustation, Wut heraus.

    Wenn Sie als Experte für kaufmännische Themen soviel Zeit aufbringen, die Arbeit von IT-Experten zu machen, dann stimmt was nicht in Ihrem eigentlichen Betätigungsumfeld. Zudem ist Ihre Expertise nicht ernst zu nehmen, wo sind sind Ihre aussagefähigen Vergleichstests? Das was Sie abliefern sind nur ganz individuelle Eindrücke.
    Wenn Sie richtig in Linux drin sind, dann wissen Sie auch um die Gesprächigkeit des Systems und wie diese bei der Fehlerbehebung zeitnah hilft, etwas das Windows bis heute noch nicht hat.
    Und mal ganz ehrlich die Hardware und systemnahen Einstellungen, Programme haben Sie als Anwender und Nichtexperten nichts zu interessieren, dazu gibt es uns Experten. Andersherum werden nämlich schnell offene Scheunentore daraus. Dadurch, dass Sie gar nicht um die Security-Hintergründe und die ganzen Querverbindungen wissen können, machen Sie mit solchen Plug-And-Play-Spielzeugen wie Windows sehr viel kaputt und öffnen sich den Angreifern.
    Auch der Anspruch „Ich brauche unbedingt dieses eine Tool für mein Controlling“ kann dazu führen, dass Sie angreifbar sind, weil es viele haben und somit statitisch gesehen hocheffektiv für Hacker sind, zumal Exploits bei propritärer Software ungern publiziert werden.
    Wenn Sie mit Windows zufrieden sind, dann nutzen Sie es stillschweigend als Controller. Nur ein Controller sollte wohl kaum kritisch, analytisch über hochkomplexe Betriebsysteme wie Unix, Linux und auch Apple Mac – ja unter der Apple-Haube steckt ein Free-BSD-Unix – schreiben, ohne detailierte Fachkenntnisse zu haben. Und die haben Sie nicht, Sie haben allerhöchstens Anwendererfahrungen.

    • Alexander Meneikis

      Hallo Kenya, ich beurteile ganz klar und offen meine Erfahrungen als Anwender. Was in welchem Kernel steckt, davon habe ich tatsächlich keine Ahnung.
      Stimmt, Windows ist angreifbar. Trotzdem brauche ich Excel, da führt halt kein Weg dran vorbei.
      Möglicherweise bin ich nicht der Einzige, der sich wütend und frustriert fühlt…

    • Torsten Irion

      Diese Kritik ist ein einziger Haufen Grütze!
      Deplaziert, falsch adressiert und völlig am Thema vorbei.

      AM schreibt seine persönliche Erfahrung und Einschätzung aus Sicht eines Praktikers und das ist mir mehr wert als jeder ausgewogene Test von IT Experten. Es ist mir herzlich egal, welcher Kernel hinter irgendeiner Haube steckt und meine Kollegen, die Logic und Final Cut in alle Himmel loben, nutzen mir auch nichts, wenn ich selber mal schnell Tutorials basteln will.
      Muss/Sollte ein Selbständiger auf IT Profis zurückgreifen? Na ja, das muss jeder selber entscheiden und da die meisten mit ihren Budgets eher haushalten müssen (und vor allem da die meisten sogenannten IT Profis nicht mehr wissen als ein engagierter Nutzer!) werden viele halt ohne externe Hilfe auskommen und denen nutzt dann AMs Erfahrung sicherlich.

      Ich finde die aufgestellten Kriterien gut (vom schnellen Booten über Tabellenkalkulation) und die gesammelten Erfahrungen einfach klasse. Klar: ich lese auch gerne Tests, aber wenn ich wirklich verstehen will, ob ein Systemwechsel in Frage kommt, spreche ich lieber mit 10 Leuten wie AM als dass ich mir von IT Profis die Vor- und Nachteile aufschwatzen lassen.

      @AM: DANKE für die ausführliche Beschreibung und ärgere dich nicht über so Kritik wie oben! Das mit der Sicherheit ist natürlich ein wichtiger Punkt, aber dadurch wir der Rest nicht schlechter.

      • Alexander Meneikis

        Vielen Dank für das freundliche Feedback!

        Ich freue mich über Kritik, wenn sie mit dem Thema zu tun hat und mich weiter bringt. Diese Merkmale erkenne ich aber nicht in allen Kommentaren.
        Vermutlich hat Kenya recht mit den Sicherheitsrisiken, und er hat auch recht damit, dass ich diese nicht beurteilen kann. Das will ich auch gar nicht.

        Ich selbst rede auch gerne mit Anwendern und Benutzern von allem, was ich kaufen will.
        Inzwischen habe ich mir Xubuntu näher angesehen und auch nochmals die Pivot-Funktionen in LibreOffice ausgecheckt. Ich finde die immer noch unakzeptabel fummelig.
        have fun
        Alexander Meneikis

  • Michael

    Tja, aus der Realitätsbrille betrachtet ein sehr amüsanter Artikel. So ähnliche Erfahrungen habe ich vor gut 5 Jahren auch gemacht als ich mich auf die eigenen Beine gestellt hatte.
    Meine Empfehlung: Mit einer Plattform einfach anfangen (und da kostet Linux zu Beginn etwas weniger) und dann entscheiden oder wechseln. Nur Zeit benötigen wird es sowieso, getreu dem Motto „Versuch macht klug“.

    • Alexander Meneikis

      Hallo Michael, genau so sehe ich das auch.

  • Warum nicht beide Systeme parallel? Ist bei mir so eingerichtet, mittels Boot-Menü kann man beim Hochfahren dann immer wählen welches OS man gerade benötigt. Thunderbird und Firefox lassen sich außerdem so konfigurieren, dass sie in beiden Systemen auf identische Einstellungen zurückgreifen.
    Bin mit dieser Lösung sehr zufrieden, da als Softwareentwickler Ubuntu einige Vorteile bietet (z.B. Apache standardmäßig an Bord, Terminal statt Putty, etc).

  • Wolfgang

    Ein amüsanter Beitrag, für meinen Geschmack mit ein bisschen zu viel Galle unterlegt.
    Bei mir ist die Frage ganz anders geklärt: Ich bin „Datenbänker“, habe in der IT auf Großrechnern angefangen und bin schön langsam auf „kleinere“ Rechner umgestiegen. Daher habe ich keine Angst vor Kommandozeile oder Einstellungsdateien. Für die Datenbankensoftware brauche ich eh ein vom Hersteller vorgegebenes Betriebssystem und das ist nie Win7 oder 8. Es ist entweder Windows Server oder Linux. Wenn ich die Windows Server-Variante wähle, dann muss es die richtige sein (oder besser = teurer) sein. Windows Server ist allerdings nicht mehr so einfach zu bedienen wie Windows 7. Da ist dann auch entsprechender Lernaufwand dabei und damit habe ich nur einseitige Argumente, was diesen Teil betrifft, heißt ich muss entsprechend Geld für die Software zahlen _und_ habe dann noch mehr Aufwand oder ich spare mir beides. Meine Kundschaft hat natürlich (?) Windows auf den Clients. Das brauche ich also auch, dafür reicht aber die Windows „Billigversion“ aus. Ich arbeite also mit einer VM und zwei Betriebssystemen.

  • Hans

    Seit 10 Jahren verbringe ich die Zeit von 9 bis18 Uhr unfreiwillig mit Windows (XP, 7, Server 2008-12) und von 19 bis 24 Uhr freiwillig mit Linux.

    Die Aussagen des Artikels kann ich fast alle bestätigen. Allerdings ist das Alleinstellungsmerkmal von Excel noch stärker hervorzuheben. Es ist nicht nur umstständlicher, mit Scheinalternativen wie OpenOffice.org oder LibreOffice Calc zu arbeiten, sondern im fortgeschrittenen Bereich unmöglich.

    Beispiel: Es versuche mal jemand, eine Tabelle mit 110 Spalten und 30.000 Zeilen mit einem Datenfilter zu versehen und dann ein Feld zu bearbeiten. Das geht in Excel genauso wie bei einer 10×10-Tabelle. Bei Openoffice & Co. braucht das viele Sekunden.

    Benutzerdefinierte Filter unterschlugen einen Teil der Daten (OOo 2.4 oder 3.x). Mit Excel XP bis 2010 kein Prolem. Die in OOo falsche Ergebnisse liefernde Tabelle als XLS abgespeichert und in Excel geladen, erbrachte ohne Handanlegen korrekte Ergebnisse.

    Die theoretisch möglichen 1,2 Mio Zeilen in Openoffice.org oder LibreOffice (Version um die 4 herum) sind in der Praxis nicht ladbar. Excel 2010 lädt eine slche Datei in wenigen Sekunden.

    Mit solche Erfahrungen will man im Beruf keine Zeit verlieren.

    Im privaten Bereich reicht mir LibreOffice, habe damit auch meine Abschlusarbeit geschrieben. Aber in den Bereichen Controlling und Lohnabrechnung braucht es Excel.

    • Alexander Meneikis

      Hallo Hans, danke für Ihre Rückmeldung und Ihre Ergänzung. Mit sehr großen Datenmengen hatte ich OO noch nicht getestet.