Update: Freelancer Genossenschaft

Bei der ersten Vorstellung der Idee der Recruiting-Agentur als Genossenschaft habe ich angekündigt, dass ich die Idee weiter verfolgen werde, wenn sich mindestens 100 Interessenten über das Formular anmelden. Tatsächlich waren es bis jetzt über 250 Interessenten. Ich möchte auch auf das Feedback, das ich bekommen habe, genauer eingehen. Außerdem werde ich die jeweiligen Rollen noch genauer beschreiben, da es hier auch unterschiedliche Auffassungen gibt.

Genossen: Freelancer sind Mitglieder der Genossenschaft. Sie bekommen Aufträge und bezahlen für die Vermittlung eine Gebühr an die Genossenschaft. Freelancer können auch selbst Aufträge mitbringen und erhalten dafür eine Provision.

Recruiter: Recruiter sind feste oder freie Mitarbeiter der Genossenschaft. Ihre Aufgabe ist das Matching von Kundenanfragen mit passenden Profilen. Recruiter können auch Kandidaten außerhalb der Genossenschaft vorschlagen. Ihre Aufgabe ist, die bestmögliche Besetzung für den Kunden zu finden.

Account Manager: Account Manager sind feste oder freie Mitarbeiter der Genossenschaft. Ihre Aufgabe ist die Pflege von Kundenbeziehungen und die Akquise neuer Aufträge. Account Manager sind in letzter Instanz für die Qualität der vorgeschlagenen Kandidaten verantwortlich.

Wie kann die Genossenschaft die Qualität verbessern?

Das wichtigste Feedback war der Anspruch, dass die Genossenschaft auch eine bessere Qualität in der Besetzung von Projekten gewährleistet als dieses konventionelle Recruiting-Agenturen tun. Ich denke, dass eine Genossenschaft tatsächlich dazu in der Lage sein kann, wenn die Mitglieder einen Anreiz haben, dabei mitzuwirken. Auch das umstrittene Vorgehen, Qualität durch Referenzen zu sichern, kann einen Genossenschaft besser lösen, da das Vertrauen der Mitglieder in die eigene Genossenschaft höher sein sollte als in eine Recruiting-Agentur (es gibt natürlich Ausnahmen). Generell möchte ich vor der Gründung das Thema Qualität aber nicht “over-engineeren”. Stadtessen bevorzuge ich einen iterativen Prozess, der die Qualität mit jeder Besetzung anhand messbarer Kriterien (z.b. der Prozentsatz der Fehlbesetzungen) verbessert.

Warum macht eine Agentur überhaupt Sinn?

Oft habe ich gehört, dass eine Recruiting-Agentur nicht die Lösung, sondern Teil des Problems sei. Ich verstehe diese Perspektive, aber die Realität bei vielen Kunden ist, dass Recruiting-Agenturen ihre Berechtigung haben. Eine Recruiting-Agentur, die im Interesse der Freelancer handelt, ist somit die beste Lösung für diejenigen Freelancer, die Recruiting-Agenturen nicht komplett ablehnen.

Wie kann eine Genossenschaft bessere Aufträge gewinnen?

Die Aufträge der Genossenschaft müssen attraktiv für die Mitglieder sein. Die einfachste Metrik, um dieses zu messen, ist der Stundensatz. Je höher der Stundesatz im Vergleich zu dem durchschnittlichen Stundensatz ist, desto besser ist der Auftrag. Gleichzeitig hat der Account Manager aber den Anreiz, möglichst viele Aufträge zu gewinnen. Dieser Anreiz führt bei konventionellen Agenturen zu Aufträgen mit hohem Volumen – aber teilweise auch mit niedrigen Stundensätzen. Da der Account Manager nicht für die Kunden, sondern auch für die Genossen arbeitet, muss hier ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, um hohe Stundensätze zu realisieren. Der Grad der Zielerreichung hängt hier nicht nur von dem Auftragsvolumen und dem geleisteten Deckungsbeitrag ab, sondern auch davon, wie hoch der durchschnittliche Stundensatz ist. Durch einen Koeffizienten werden Aufträge mit niedrigem Stundensatz überproportional unattraktiv. Analog ist der Anreiz für hohe Stundensätze überproportional hoch.

Nächste Schritte

Ich werde ein geschlossenes Forum gründen und dazu diejenigen einladen, die sich über das Formular angemeldet haben. (Wenn Sie sich beim letzten Post bereits angemeldet haben, müssen Sie sich nicht erneut anmelden) In dem geschlossenem Forum werden sich die Vorstandsmitglieder, der ersten Account Manager und Recruiter vorstellen. Außerdem werden wir dort die Satzung besprechen. Wenn die Diskussionen positiv verlaufen, werden wir die Genossenschaft gründen.

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Timo Bock

Als Vorstand der 4freelance recruitment eG schreibt Timo Bock in unregelmäßigen Abständen auf diesem Blog. Daneben ist er Co-Founder des Startups AMZstars. Zuvor war er vier Jahre in unterschiedlichen Positionen für einen Projektvermittler tätig. Sie finden Timo Bock auf LinkedIn und Twitter
  • Alexander Meneikis

    Toll, dass die Resonanz so hoch ist! Ich hoffe, dass für die kaufmännischen FB dann auch etwas dabei ist.

  • Frank-Michael Minx

    Ich begrüße diese Initiative der Genossenschaft sehr. Eigentlich ist es das was ich mir schon seit Beginn meiner freiberuflichen Tätigkeit wünsche. Bis auf ganz wenige Ausnahmen beurteile ich alle Agenturen mit ausreichend bis ungenügend und das vor allem wegen der fast immer nicht bestehenden Expertise um Profile mit Anforderungen zu matchen und wegen des auf Massenabfertigung ausgelegten Bearbeitungsprozesses. Sicherlich hat auch das eine mit dem anderen zu tun. Daraus resultiert nämlich die Tatsache, dass Recruiting-Agenturen beim Endkunden keinerlei Durchsetzungskraft haben, weder in Bezug auf die Stundensätze noch in Bezug auf z.B. Zahlungsziele. Ich kenne keinen Wirtschaftszweig in dem weniger kaufmännisch gearbeitet wird als in der Vermittlung von Freiberuflern. Es geht weder darum den Richtigen für den Kunden zu finden, noch darum eine Lobby für die Freiberufler zu bilden noch um, wenigstens das würde ich mir erhoffen, weil es zumindest eine kaufmännische Komponente hätte, eine Maximierung der Margen für die Agenturen. Es geht einzig und allein um die Verschlankung der Prozesse in der Organisation der Agentur und des Endkunden. Und da ist jedes Mittel Recht. Alle Account Manager der Agenturen die ich kenne haben keinerlei echten Kundenbezug. Ich rede von Kundenbeziehungen, die es auch mal vertragen, wenn der Vertriebler anderer Meinung ist als der Kunde und ihn zu überzeugen versucht, oder davon einem Kunden auch mal zu erklären, dass seine Vorstellungen nicht umsetzbar sind, oder und vor allem dies einem Kunden auch mal sagt, dass seine Umgangsformen in der Zusammenarbeit mit Freiberuflern zu wünschen übrig lässt. Denn Freiberufler sollten in Kundenaugen nicht mit Menschen zweiter Klasse verwechselt werden, denen gegenüber man keinerlei Vertrauenswürdigkeit beweisen muß. Ich verspreche mir von einer Genossenschaft genau den anderen Blickwinkel, weil die Genossen eben auch die Nutznießer sind und deshalb ein Eigeninteresse mitbringen bei der Realisierung anderer Ziele als Verschlankung. Ich kann nur sagen weiter so. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und werde mich gerne engagieren bei der Realisierung.

    • 4freelance

      Vielen Dank für die Einschätzungen.

    • Thomas

      Diese Diskussion ist ja spannend!
      Da will Timo eine neue Agentur eröffnen, packt das Label Genossenschaft drauf und dann soll schon alles besser sein?
      Letztendlich handelt es sich hierbei um einen weiteren Marktteilnehmer der den gleichen wirtschaftlichen Zwängen unterliegt, wie jeder andere Marktteilnehmer auch. Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass bei vielen Marktteilnehmern, der Wettbewerb steigt und somit genau die Stellschrauben enger gezogen werden, die wie hier versprochen eigentlich gelockert werden sollten.
      Wir leben hier (gottseidank) in einer freien Marktwirtschaft, was aber auch bedeutet, dass sich Märkte durch Angebot und Nachfrage regulieren. Durch die Positionierung einer Genossenschaft erhöht sich jedoch nicht die kundenseitige Nachfrage. Daher muss dann eine Genossenschaft an der Einkaufsseite etwas machen, um wirtschaftlich zu bleiben.
      In der Vergangenheit haben Genossenschaften Erfolg gehabt, da Sie durch die Bündelung einzelner eine Wirtschaftskraft erhalten haben, die durchaus einen Markt beeinflussen kann. Hat man jedoch in der Betriebswirtschaftslehre aufgepasst, stellt man schnell fest, dass dies nur mit Gütern funktioniert kann, und nicht mit Dienstleistungen. Hierzu muss man nur mal die Handelsware der bestehenden und etablierten Genossenschaften anschauen, die alle mit materiellen Gütern handeln (Raiffeisen, Immobilien Genossenschaften, etc.)
      Letztendlich ist das, was Timo vorhat eine Agentur wie jede andere auch. Eine Genossenschaft wird nicht die Alternative zu der hier in diesem Board oft beschriften Agenturen sein.

      • 4freelance

        Hallo Thomas,

        natürlich unterliegt eine Genossenschaft den gleichen wirtschaftlichen Zwängen wie eine GmbH oder AG. Der Unterschied ist, dass bei der Genossenschaft die Freelancer auch die Eigentümer des Unternehmens sind. Eine Genossenschaft ist nicht nur ein Label, sondern tatsächlich eine demokratische Einrichtung bei der jedes Mitglied immer eine volle Stimme hat, unabhängig von der Höhe der geleisteten Einlage. Somit wird sichergestellt, dass die Interessen der Mitglieder, also der IT-Freelancer, immer im Vordergrund stehen.

        Das Argument, dass der Markt alles durch Angebot und Nachfrage reguliert, stimmt nur dann, wenn alle Marktteilnehmer perfekte Informationen haben. Dass ist leider nicht immer der Fall in unserer Industrie. Margen werden z.B. nicht immer offen gelegt. Auch hier ist Genossenschaft eine bessere Rechtsform, da die Offenlegung verpflichtend ist.

      • Peter Monien

        Ich weiss ja, dass ich mich etwas spät melde. Aber ich wollte es doch nicht vermissen, meinen Senf zu dem Thema „Eine Vermittlungsagentur wie alle anderen“ zu geben:

        Wir haben uns vier Hauptziele gegeben und agieren hier sehr anders als die üblichen Anbieter:

        1.) ZEHN PROZENT – Wir müssen keinen Gewinn erwirtschaften sondern müssen nur kostendeckend arbeiten. Ausserdem werden wir sehr schlank aufgestellt sein. Wir können es uns also leisten nachhaltig zu 10% anzubieten.

        2.) TRANSPARENZ – So weit ich weiss, haben nur eine Handvoll an Agenturen eine OpenBook Policy. Oder liege ich da falsch?

        3.) QUALITÄT – Es liegt Einiges im Argen bei den jetzigen Vermittlungsprozessen. Auf beiden Seiten werden unnötig Aufwände verursacht. Wir wollen diese Probleme gemeinsam mit unseren Mitgliedern und unseren Kunden angehen. Das scheint mir bei anderen Anbietern nicht so der Fall zu sein.

        4.) GEMEINSCHAFT – Als große und starke Gemeinschaft wollen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern den Austausch zwischen Profis ermöglichen. Ausserdem werden wir bei entsprechender Größe auch Gruppenverträge aushandeln können, die die Kosten der Freelancer senken werden (z.B. Versicherungen).

        Diese vier Punkte und die dahinter liegende Philosophie der Mitbestimmung und Teilhabe unterscheiden sich dann doch massiv von den bisherigen Anbietern.

  • Jonas Cords

    Ich begrüße diese Initiative der Genossenschaft – habe aber 2 Fragen: Mir erschliesst es sich nicht, wie automatisch die Qualität steigen soll: Qualität in der Vermittlung ist in erster Linie der Grad der Passung KandidatProjekt. Hier helfen gute tools & gute Key-Accounter. Wenn die Genossenschaft nicht über die selben guten tools und bessere Key-Accounter verfügen kann, wird die Qualität nicht besser sein als im Markt. Frage 2: Die Güte eines Auftrags nur am Stundensatz zu messen greift zu kurz – Inhalt der Aufgabe, Verhältnis des Stundensatzes zur Arbeitsbelastung, Verhältnis des Stundensatzes zum Einsatzort / Wohnort des Kandidaten etc sind wichtigere Kenngrössen. Wenn ein sehr hoher Stundensatz für ein undankbares Projekt in einem problematischen Umfeld (cholerischer Chef / feindselige Arbeitsumgebung) gezahlt wird, muss das nicht automatisch was Gutes sein. Also, diese beiden Kernfragen gilt es IMHO noch besser herauszuarbeiten, dann werden vermutlich noch deutlich mehr (die sich wirklich inhaltlich mit den Thesen auseinandersetzen) an Bord kommen.

    • 4freelance

      Zu Güte eines Auftrags: Klar, es gibt andere Kriterien, wie der von Ihnen erwähnte cholerischer Chef, aber diese Kriterien lassen sich nicht so gut messen wie der Stundensatz. Die Nähe zum Wohnort ist für den Freelancer zwar wichtig, aber kein geeignetes Kriterium für die Vergütung für den Account Manager da dieser nicht beeinflussen kann von wo der beste Kandidat anreisen wird.

      Zu Qualität: Die Genossenschaft kann, im Gegensatz zur konventionellen Recruiting Agentur, ihre Mitglieder involvieren um die Qualität der Profile zu bestätigen. Das wäre das Alleinstellungsmerkmal zur Qualitätssicherung.

      • Jonas Cords

        Vielen Dank für die Antworten: , nun gut, das Qualitätsthema auf der Seite der Personalauswahl wird durch die Genossenschaft demnach nicht gelöst. Und zur Auftragsgüte: Auch die Genossenschaft wird 5-10% nehmen, das ist bereits marktüblich

        • 4freelance

          Die Genossenschaft muss eine Vermittlungsprovision verlangen. Die Höhe sollte am unteren Ende des marktüblichen Niveaus sein (aber auch nicht weniger). Der Unterschied ist, dass etwaige Überschüsse als Dividende zurückbezahlt werden.

          • …oder Verluste, für die die Anteilseigner geradestehen!

          • 4freelance

            Die Haftung ist auf die Einlage beschränkt. Das kann man in der Satzung festlegen.

          • Ja, und die Einlage muss natürlich hoch genug sein, damit der Genossenschaft nicht gleich die Puste ausgeht, falls ein Kunde in Zahlungsschwierigkeiten gerät oder wegen Insolvenz ganz ausfällt.

          • 4freelance

            Letztlich sind Startups nach der Gründung sehr fragil und statistisch ist scheitern nach der Gründung wahrscheinlicher als überleben. Ich habe mit einem Factoring Unternehmen gesprochen um das Ausfallrisiko für die Freelancer zu minimieren. Das hat natürlich seinen Preis ist aber zu empfehlen solange die EG keine Rücklagen hat.

          • 4freelance

            Eine weitere Variante wäre den Kunden zu fragen ob der Freelancer direkt bezahlt werden kann. Vertraglich wäre das kein Problem. Allerdings bedeutet das mehr Aufwand für den Kunden, aber fragen kann man ja.

  • M_Reiff

    Ich pflichte Herrn Cords und Herrn Minx bei, das Thema „Qualität“ hat verschiedene Facetten, die man genauer ansehen sollte. Wie gut ein Kandidat auf eine Position passt, hat sicherlich grossen Einfluss auf die Qualität des Einsatzes, sowohl für den Kunden, als auch für den Berater.

    Da ich selber einen Projekt-/Qualitäts-/Risikomanagement-Hintergrund habe, würde ich mich versucht fühlen, sofort nach passenden Metriken (nur was ich messen kann, lässt Vergleiche zu) und sukzessive nach KPIs (nur innerhalb eines Ordnungsrahmens oder „Wertesystems“ lässt sich beurteilen, welche Bedeutung unterschiedliche Messwerte haben).

    Was aber sollen die Kriterien für gutes Matching (im Voraus) sein? Fachliche Skills des Kandidaten, sicher. Komplexität der Umgebung, somit Erfahrung des Kandidaten, auch klar (imho spricht hier nichts gegen die Verwendung der gängigen vier- bis fünfstufige Junior/Professional/Senior/Master/[Executive] Skala). Spezifische Branchenerfahrung lässt sich auch noch recht gut „messen“ und beurteilen. Aber spätestens bei den vielzitierten Soft Skills wird es imho schwammig. Ein Kandidat, der von sich sagt, Nerven wie Drahtseile zu haben, stets ruhig und überlegt vorzugehen, der sprichwörtliche Fels in der Brandung und daher genau richtig zu sein für einen Einsatz in einem „hochdynamischen“ Umfeld mit hohem Stressfaktor, mag von den Kollegen dort und dem Kunden ganz anders wahrgenommen werden, z.B. als Bremser und Blockierer, der alles zigfach durchdenken und diskutieren möchte, wogegen der Kunde und das Team schnelle und aufgrund der profunden Erfahrung des Beraters (genau dafür ist er ja schliesslich Berater, nicht wahr?) dennoch richtige Analysen/Entscheidungen wünscht. Meiner Erfahrung nach sind es häufig solche Konstellationen, in denen sich der Kunde dann über „mangelnde Qualität“ des Kandidaten, und schlussendlich auch der Kandidatenvorschläge, beschwert.

    Betrachten wir die Sache mal aus einem anderen Blickwinkel: ganz oft lese ich rudimentärste Stellenbeschriebe (die legendären Dreizeiler), aufgrund derer beim besten Willen jedes qualitätsorientierte Matching von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Die Nachfrage beim Vermittler/Recruiter bringt meist stets die gleiche Antwort: tut uns Leid, wir wissen, dass das sehr dürftig ist, aber wir haben trotz Nachfrage nicht mehr Info vom Kunden bekommen. Willkommen im Problem, kann ich nur sagen: wie genau soll Kandidaten-Matching funktionieren, wenn die Kunden selber nicht so genau wissen, wen oder was sie eigentlich suchen, oder noch schlimmer, was die Person, die da zur Unterstützung kommen soll, eigentlich für Aufgaben haben wird?

    Das Gegenteil davon, wir kennen es vermutlich alle, sind jene Kunden, für die das (bzw. der/die) Beste nie gut genug ist, und die stets das Unmögliche wollen — also den sprichwörtlichen eierlegenden Wollmilchsau-Kandidaten. Genau dasjenige Qualifikationsprofil, das es vielleicht einmal unter 20’000 Kandidaten gibt. Der Kunde besteht aber auf mindestens fünf Profilen zur Auswahl. Und natürlich darf das Honorar keinesfalls höher als X (setzten Sie hier einen lächerlich geringen Betrag Ihrer Wahl ein) sein. Ich hatte einmal ein höchst interessantes und unterhaltsames Gespräch mit einem Recruiter, der irgendwann seufzend das ernüchternde Fazit über seine Tätigkeit und seine Rolle zog (irgendwie passend zur derzeitigen WM): „Ich spiele nicht in Team A oder Team B, ich bin hier nur der Ball.“

    Ich könnte diese Überlegungen beliebig fortsetzen, finde aber, dass das in dieser unstrukturierten Weise nichts bringt. Anders gesagt, ich denke, den Anspruch umzusetzen, bessere Qualität zu liefern als die etablierten Agenturen, erfordert viel Überlegung, ein planvolles Vorgehen, macht jede Menge Arbeit, und wird ohne Implementierung eines QM-Systems nicht zum Erfolg führen.

    Einfach wird es nicht werden, aber wo ich kann, bin ich gern bereit, dazu beizutragen.

    Beste Grüsse,

    Michael Reiff

    • 4freelance

      Vielen Dank für das Angebot. Lassen Sie uns im internen Forum daran anknüpfen.

    • Wolf Blass

      @Michael Reiff:
      Der Personalvorstand eines Großunternehmens mit über 5000 MA hat ein ausgefeiltes QA-System, aber:
      Jedes Jahr werden von über 10.000 Bewerbern rund 1000 Spitzenabsolventen eingestellt. Nach dem 1. Jahr verbleiben 500, nach dem 2. Jahr 200 nach dem 5. Jahr 100. Daraus rekrutiert dieser Branchenführer das Führungspersonal. Und auch da wird es noch ganz eng.
      Wir sollten unseren Anspruch etwas niedriger hängen.
      Wenn die Bewerber zu 70% mit den Stellenanforderungen matchen, ist schon viel gewonnen.
      Wenn schon die hochtrainierten Branchenspitzenpersonaler keine treffsichere stabile Personalauswahl aus Spitzenbewerbern schafft, wie soll das ein branchenüberfreifender Kraut-und-Rüben Personalvermittler schaffen?

      Als selbstverantwortliche Freiberufler sollte sich unser Anspruch auf das reine Matchen von Angebot und Nachfrage reduzieren. Damit wäre schon viel gewonnen Den nämlichen Kunden von der eigenen Leistung zu überzeugen, das muss der Freiberufler bei der Akquisition selbst.

      • M_Reiff

        Hallo Herr Blass,

        Das besagte Grossunternehmen hatte sicherlich seine Gründe, sich für das dort eingesetzte QA-System und Auswahlverfahren zu entscheiden. Allerdings sehe ich die Relevanz für unseren Use Case nicht — die Sache mit Äpfeln und Birnen: geeignete feste Mitarbeiter zu rekrutieren, nochdazu solche, die später den obereren und obersten Kader besetzen sollen, stellt gänzlich andere Anforderungen an Auswahlverfahren und Auswahlkriterien, als einen externen Dienstleister zu finden, der eine zeitlich befristete und (hoffentlich einigermassen) klar umrissene Aufgabe (überwiegend fachlich) zu lösen im Stande ist.

        Wir wollen doch keine Partnervermittlung sein, die hilft, das perfekte Herzblatt für’s Leben zu finden — eher eine Art Craigslist, wo man eine Haushaltshilfe bekommt, die ihren Job ordentlich erledigt.

        Insofern finde ich überhaupt nicht, dass wir unseren Anspruch niedriger hängen sollten — unser Anspruch ist ein ganz anderer. Die Qualität, mit der dieser Anspruch erfüllt wird, ist davon aber völlig unabhängig, und sollte natürlich die bestmögliche sein.

  • Wolfgang

    Eine weitere Frage ist die Kapitalausstattung der Genossenschaft – sowohl aus Sicht der eG als auch der Anleger. Bei 100€ Genossenschaftsbeitrag denke ich wahrscheinlich nicht nach, bei 1.000€ schon eher, 10.000€ wären wahrscheinlich ein Ausschlußkriterim. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, wie viel Kapital mindestens da sein muss, um überhaupt starten zun können? Auf wie viele Genossen müsste das dann verteilt werden?

    • 4freelance

      Die Gründungskosten sind einige tausend Euro. Das ist mit 100 € pro Genosse zu schaffen wenn am Anfang ca. hundert mitmachen. Bis jetzt haben sich 350 Interessenten über das Formular angemeldet. Die größten Kosten sind Personalkosten. Ich habe mit einigen Menschen gesprochen, die Bereit sind znächst auf ein Gehalt zu verzichten. Dazu mehr im internen Forum (ich brauche noch ein paar Wochen)

      • Ich befürchte, mit 100 EUR kommen Sie nicht weit. Wenn von den 350 Interessenten die Hälfte tatsächlich mitmacht, kommen Sie mal gerade auf 17500,- EUR Startkapital. Aus meiner Sicht ist das viel zu wenig. Kunden zahlen ihre Rechnungen nicht, die Genossenschaft kann von Kunden verklagt werden, Freiberufler kommen ihren Verpflichtungen nicht ordnungsgemäß nach,… Es gibt eine Menge Risiken, die schnell viel Geld kosten können. Die meisten Unternehmen scheitern an der schwachen Kapitalausstattung.

        • 4freelance

          Klar, das Zahlungsausfallrisiko muss anders gelöst werden (direkte Bezahlung der Freiberufler durch den Kunden oder Factoring). Das Risiko verklagt zu werden, sehe ich weniger. Natürlich benötigt man juristische Hilfe für Verträge und das kostet auch Geld. Wenn man sauber arbeitet, sollte das Risiko verklagt zu werden überschaubar sein. Ich habe selbst vier Jahre für zwei verschiedene Recruitnig Agenturen gearbeitet und hatte in diesem Zeitraum keine Klage mitbekommen. Da habe ich als Betreiber dieser Bewertungsplattform deutlich mehr Post von Anwälten von Recruiting Agenturen bekommen 😉

    • Alexander Meneikis

      Ich denke auch, dass 1.000 EUR eine realistischere Größe sind, um die Risiken abzudecken. Allerdings wird kaum ein FB diesen Betrag vorschießen. Denkbar wäre, den Genossenschaftsanteil vom ersten Auftragshonorar einzubehalten. Das erfordert aber wiederum ein erhebliches Auftragsvolumen von Anfang an.

  • Dirk Schadt

    Vieles ist schon gesagt und stimmt mich zuversichtlich. Die finanzielle Ausstattung wird am Ende den Erfolg nicht ausmachen sondern klare und einfache Regeln sowie Transparenz für alle Beteiligten. Wenn dann das jeweilige Angebot für jeden auch noch attraktiv ist, kann es nicht schiefgehen. Dazu gilt es v.a. aus Fehlern anderer zu lernen.
    Was mir bei jedem Projektvermittler bislang fehlte, ist nicht nur den Kunden als Kunden zu betrachten sondern eben auch den Freelancer als Produkt, welches ebenso Plege benötigt. Ich kriege meine Projekte fast ausschließlich durch Weiterempfehlung und durch persönliche Referenz. Und bin ich dann mal etwas länger in einem Engagement kriegt man schnell mit, wo noch Leute bzw Skills fehlen und meistens kann man auch jemanden dazu empfehlen. Damit ist der Freelancer Umsetzer und Vertiebler zugleich, sowohl für Projekt als auch Personalvermittlung. Und viele der Anteile kann ich mir in der Genossenschaft leichter operationalisiert und gerecht entlohnt vorstellen als bei den sonst üblichen Verdächtigen, die Empfehlungen zur Besetzung eines Projektes mit „Glasperlen“ abspeisen. Da bringe ich doch selbst dann auch nicht ein, oder?
    Die Problematik Kunden zu verstehen und zu steuern haben übrigens alle Projektvertriebler, sobald der Einkauf vom Fachbereich unabhängig agiert. Schon da weichen Skillvorstellungen stark ab, kein Wunder, das das nicht klappt. Sind doch zwischen denen, die eine Aufgabe be- und umsetzen mindestens 2 fachfremde Stellen die stille Post spielen müssen. Es kann deshalb keine klare Trennung zwischen Recruiter und Freelancer und Account Manager geben, sondern das kann immer nur fallorientiert zugeordnet werden. Mit meinen Freelancerkollegen, die ich mitvermittle, meinen Kunden, etc mache ich idR transparent wer welchen Provisionsanteil bekommt für welchen Teil der Leistung und begrenze das auch immer auf ein Jahr.
    Die Versuche sich als Freelancer zusammenzuschließen um leichter als Firma auftreten zu können, habe ich immer mit Skepsis beobachtet und kein Konstrukt hatte langfristig Bestand. Entweder schnell wieder auseinandergefallen, weil die Auslastung nicht stimmte oder weil die Leute sich nicht verstanden haben oder den organisatorischen Wasserkopf nicht tragen wollten. Mit einem größeren und voneinander unabhängigen Konstrukt wie einer Genossenschaft gibt es aber eine Chance. Das Risiko mich hier zu engagieren und es funktioniert dann doch nicht nehme ich gerne in Kauf.

  • Tim Cadenbach

    Vieles ist bereits gesagt…..vieles sehe ich anders 🙂

    Ich selbst bin in einer Festanstellung. Kenne aber genug Freiberufler und die Arbeit auch aus eigenem Hintergrund. Agenturen, Headhunter etc. sind für mich allesamt negativ mit extremst wenigen Ausnahmen. Man wird zu völlig unmöglichen Zeiten angerufen, bekommt Angebote die absolut nicht passen…aber die Probleme sind ja zu genüge bekannt.

    Eine Genossenschaft, so interessant ich das Thema auch finde, löst das Problem aber nicht auf Anhieb. Die Genossenschafft müsste meiner Meinung nach mehr wie eine Firma funktionieren. Aufträge, Projekte etc. laufen rein über die Genossenschaft. Die Genossenschaft ist Auftragnehmer und sucht dann Intern (oder zusammen mit dem Kunden) passende Mitarbeiter für den Job. Die jeweiligen Mitarbeiter bekommen, bei erfolgreichem Abschluss, das Geld abzüglich einem kleinen Betrag (denkbar maximal 5%) ausgezahlt. Ähnlich wie Unternehmen wie z.B. adesso oder dutzende Agenturen heute Arbeiten nur das es eben keine eigenen MItarbeiter sondern Freelancer sind. So ein System könnte die Qualität deutlich erhöhen. Wenn die dafür nötige Transparenz jederzeit und für jeden beteiligten gegeben ist.

    Die Genossenschaft wäre dann eben nicht nur einfach „Vermittler“ sondern „Zwischenhändler“ was für alle beteiligten die Qualität erhöht und das Risiko erheblich senken kann…trägt dann aber auch das volle Risiko.

    Man stelle sich einfach mal eine „Firma“ vor, die theoretisch Alle nur denkbaren IT Themen abdecken kann und das zu relativ günstigen Preisen bei hoher Qualität….Zukunftsmusik…aber durchaus möglich.

    Wichtig wäre dabei, das keinerlei Bindung eingegangen werden muss. Keine Knebelverträge, keine Verträge über Projektzeitraum hinaus etc. Es darf der Projektcharakter nicht verloren gehen.

    Die Genossenschaft, wäre meiner Meinung nach sogar denkbar für Leute mit Kleingewerbe die nur nebenbei kleine Projekte lösen wollen. Gibt es auch mehr als genug von.