Warum wir zu den 10% teilweise auch noch eine Factoring Gebühr nehmen

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In der letzten Zeit wurden wir gefragt, warum wir „vom reinen Weg der 10%“ abweichen.

Die Frage ist ungefähr diese: „Aber ich habe bisher keine Probleme damit gehabt. Meine Kunden haben immer in den 30 Tagen gezahlt. Und das schon über 10 Jahre. Warum muss ich die 3,97% Eures Factoring-Anbieters zahlen?“

Täuscht Euch nicht. Ihr hattet in Euren 10 Jahren z.B. 20 Kunden oder 30 oder 40. Wir als Agentur arbeiten mit einer größeren  Grundgesamtheit der Fälle. Es wird Spätzahlungen und Ausfälle geben. Diese können zwar reduziert aber nicht komplett vermieden werden.

Die Antwort  ist Folgende: Als junges Unternehmen müssen wir, im Sinne unserer Anteilseigner, der Genossen, im besonderen Maße aufpassen, dass wir (a) liquide bleiben und (b) nicht insolvent werden.

Das Geschäftsmodell einer Freelancer-Recruiting-Agentur, die einen Vertrag mit dem Freelancer hat und auf der anderen Seite einen mit dem Auftraggeber, hat genau hier Herausforderungen:

  1. Der Kunde kann uns, trotz vereinbarter Zahlungsfrist von 30 Tagen, erst nach 60 oder 90 oder .. Tagen zahlen. Auf der anderen Seite müssen wir den Freelancer zahlen. Ein Aufschub á la „wir zahlen erst, wenn der Auftraggeber zahlt“ ist rechtlich nicht möglich, da wir uns aus unserer Hauptleistungspflicht gegenüber dem Freelancer nicht rauswinden dürfen (und auch nicht wollen).
  2. Der Kunde kann während der Laufzeit unseres Freelancer-Vertrags pleite gehen. Wir bleiben dann auf unseren Forderungen sitzen, müssen aber den Freelancer zahlen. Wenn wir das vorher wissen, können wir mit Vorauszahlungen arbeiten. Aber wir können das nicht immer wissen.

Um genau diese beiden Risiken abzudecken, nehmen andere Agenturen mehr Provision und bauen einen Puffer an Liquiditätsreserven auf, um die o.g. Zahlungslücken zu überbrücken bzw. auszubügeln.

Wir haben diese Liquiditätsreserven noch nicht aufgebaut. Auch wenn bereits über 400 Genossenschafts-Anteile gezeichnet wurden, also wir über EUR 40.000 Kapital verfügen, sind wir noch nicht in der Lage, diese Zahlungen abzufedern. Definitiv sind wir nicht in der Lage, einen Zahlungsausfall von z.B. 3 Monaten locker wegzustecken.

Wir wollten auch eine klare Unterscheidung haben zwischen der Zahlung, die an die Genossenschaft geht und den Zusatzkosten, die durch die o.g. Risiken entstehen.

Nebenbei gesagt haben wir auch festgestellt das viele Kunden einen direkten Vertrag mit dem Freelancer haben wollen. Dann fällt die Factoringgebühr weg, da wir dann nur eine 10% Tipp Fee bekommen.

Wenn die Mitglieder in der Mitgliederversammlung unserem Rat folgen, werden wir unsere Überschüsse zunächst in die Rücklagen stecken. Dadurch wird es dann möglich sein, das Factoring in weniger Fällen einzusetzen.

Bei Fragen könnt Ihr Euch gerne an mich wenden.

Viele Grüße, Peter

P.S.: Wir zahlen nicht die 3,97%, die unser Anbieter einem einzelnen Freelancer anbietet sondern ein gutes Stück weniger.

P.P.S.: Ein weiteren Vorteil hat es ja auch, einen Factoring Anbieter einzuschalten – Ihr habt Euer Geld schon nach 5 Tagen. 🙂

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Peter Monien

Als ehemaliger hauptamtlicher Vorstand und Content Marketing Verantwortlicher von 4freelance schrieb Peter Monien öfter auf diesem Blog. Peter ist Gründer und Geschäftsführer von TEAM 4M: Mainframe Anwendungssoftware Maintenance Outsourcing „in budget“, von deutschsprachigen Experten, mit Effizienz-Rückvergütung. Er hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im B2B-Sales und war unter anderen bei Dow Jones und Red Hat tätig. Sie finden Peter Monien auf LinkedIn und XING.
  • Richard

    Wie sieht denn ein konkretes Rechenbeispiel aus? Sagen wir mal, wir reden von einem Stundensatz von 100,- netto für den Endkunden. Es stelle mir dann die Berechnung wie folgt vor:

    Kunde zahlt: 100,-

    Freelancer erhält: (100 – 10%) – 3,97% = 86,43

    Oder wird so berechnet:

    Freelancer erhält: 100 – (10% + 3,97% aka 13,97%) = 86,03

    Bei 160 Stunden im Monat wären das sin Summe schon 64,- Mehrkosten. In zwölf Monaten reden wir von 768,- Viel Geld, wie ich finde.

    • Alexander Meneikis

      Ja, für eine Einzelperson ist das viel Geld. Für ein Unternehmen mit Hunderten von Projekten ist das wenig. Bei dem eingegangenen Risiko finde ich das immer noch angemessen. Die Genossenschaft sackt das Geld ja nicht ein, sondern leitet es weiter, um für sich und für die Genossen Risiken zu mindern. Ist in der Summe immer noch weniger als 15%. Ich komme auf jeden Fall an Bord, wenn es auch kaufmännische Projekte gibt.