Empfehlung: Warum es sich lohnt, in ein (sehr) ausführliches Freelancer Profil zu investieren

 

Freelancer Profil

 

Ich sehe während meiner Arbeit naturgemäß viele Freelancer Profile. Diese fallen mal recht knapp, aber oft auch sehr lang aus.

Viele, besonders jüngere Freelancer, verwechseln Ihr Freelancer Profil leider zu sehr mit dem Lebenslauf. Und da gilt: „Bloß nicht zu lang“.

In diesem Post möchte ich Dich davon überzeugen, dass dies für Dich als Freelancer nicht gilt und Du in die längere Variante Deines Freelancerprofils investieren solltest.


Ziel des Profils

Das Ziel Deines Profils ist, dass der Kunde Dich aufgrund Deines Profils zu einem Telefonat oder einem Gespräch einlädt. So erhältst Du die Chance, Dich und Deine Fähigkeiten zu präsentieren und den Kunden davon zu überzeugen, dass Du der Richtige für den Job bist.

Der Weg zum Ziel

Die Wahrscheinlichkeit, dass Du direkt bei dem (technisch versierten) Entscheider, also z.B. dem Projektleiter, Dein Profil einreichst,  ist minimal.  Die Realität sieht meistens so aus, dass vorher sowohl ein Vermittler als auch noch ein Recruiter beim Kunden Dein Profi ansehen. Diese Personen entscheiden, ob Dein Profil weiter gereicht wird!

Dein Profil als Schlüssel zum Erfolg

Es ist wichtig, die Technologien zu den Projekten dazuzuschreiben, da es oft etliche Möglichkeiten der Umsetzung gibt. Zugleich können Schwerpunkte und besondere Erfahrungsbereiche hervorgehoben werden.

Das gilt schon für den technisch Sachverständigen. Der technische Sachverstand des jeweils involvierten Vermittlers kann von sehr gering bis hoch schwanken. Die Realität ist, dass der durchschnittliche Vermittler nur wenig technisches Know-How hat.  Das bedeutet, dass er sich die Zielprofil-Beschreibung des Kunden ansieht und versucht, mit der Volltextsuche Kandidaten zu finden, die möglichst oft die unter „MUSS“ genannten Stichworte im Profil haben, am besten in den aktuellsten Projekten.  Danach schaut er auch auf die „KANN“-Kriterien.

Was bedeutet das für Dich und die Aufbereitung Deines Profils?

1. Wenn die gesuchten Stichworte nicht in Deinem Profil stehen bzw. nicht oft genug, dann wird Dein Profil nicht weitergereicht werden!
2. Nein, fast kein Vermittler wird dazu in der Lage sein, die Skill-Liste von sich aus zu ergänzen, da es ja „logisch ist, dass die Technologie in dem Umfeld auch eingesetzt wurde“. Oder dass „die beiden Technologien doch recht ähnlich sind.“
3. Du solltest also Wert darauf legen, alle nennenswert eingesetzten Technologien unter das jeweilige Projekt zu schreiben. So unterlegst Du die Behauptung, die Du mit der Auflistung Deiner technischen Skills aufstellst.
4. Das unter Nr. 3 Gesagte gilt auch, wenn Dein Profil dadurch auf 15 Seiten anwächst oder sogar 30.

Die maschinelle Variante

Einige Programme aggregieren aus den technischen Projektangaben eines Profils  Deine Skill-Auflistung. Durch die Zeitangaben zum Projekt wird errechnet, wie lange Du den besagten Skill schon in Projekten einsetzt.
Hier wird es auch nicht besser, wenn Du ein paar technische Angaben weg lässt. Nicht angegebene Skills werden nicht aggregiert. Dir werden also bei den fehlenden Skills weniger Jahre „gutgeschrieben“, als es an sich angebracht wäre.

Einige kleine aber wichtige Formalien

Du solltest Dein Freelancer Profil immer im .doc-Format an den Vermittler schicken. Dieser muss Dein Profil für die erste Präsentation beim Kunden noch um Deine Kontaktdaten kürzen und zumindest das eigene Logo und seine Kontaktdaten draufsetzen. In vielen Fällen wir der gesamte Inhalt des Profils per copy & paste in eine Datenbank übernommen. Das bedeutet:

1.) Nutze keine ausgefallene Formatierung! Diese wird beim o.g. Prozess fast immer zerschossen. Da der Vermittler keine Zeit hat, Dein Profil nachzuformatieren, macht er nur das Nötigste. Dein Profil wird beim Kunden in einer wesentlich weniger ansprechenden Form ankommen.

2.) Empfehlenswert ist die einspaltige Formatierung, da diese nicht zerschossen werden kann:

Projektname, Kundenname, Branche, 2/2013 – 4/2014
Funktion im Projekt: text text text …
Projektbeschreibung: text text text …
Eingesetzte Technologien: text text text …

3.) Wenn Du unbedingt Dein schickes Layout haben möchtest, frage den Vermittler, ob Du nicht seine Vorlage bekommen kannst, in die Du Deine Daten einarbeitest. Wenn dort nur ein Header mit dem Logo des Vermittlers und seinen Kontaktdaten reingesetzt werden müssen, kannst Du das in 5 min. machen.

Apell an Freelancer

Sieh den Vermittler als das, was er ist: Deine externe Vertriebsabteilung, die sich darum bemüht, Dich beim Kunden zu platzieren.  Mache es ihm einfach, Deine Qualitäten zu erkennen, diese gezielt mit Anforderungen von Kunden matchen und Dich platzieren zu können.
Selbst wenn Dein Vermittler sehr viel mehr drauf hat als der Durchschnitt, macht es auch bei diesem Sinn, es ihm möglichst einfach zu machen, Dich zu verkaufen!

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Peter Monien

Als hauptamtlicher Vorstand und Content Marketing Verantwortlicher von 4freelance schreibt Peter Monien öfter auf diesem Blog. Peter ist Co-Founder des social travel Startups destimate. Er hat bereits mehr als 15 Jahre Erfahrung im B2B-Sales und war unter anderen bei Dow Jones und Red Hat tätig. Sie finden Peter Monien auf LinkedIn und XING.
  • Es werden auch einige Vermittler/Recruiter wegen des vielen Textes Kritik anbringen, doch lasse man sich davon nicht unbedingt beirren.

    • Peter Monien

      Es gibt drei wichtige Stufen:

      1.) Gefunden werden (leichter mit ausführlichem Profil)
      2.) Als relevant genug beurteilt werden, um weitergeleitet zu werden (auch da hilft eine Hinterlegung der im Portfolio aufgeführten Skills mit den Projektinhalten und eingesetzten Technologien)
      3.) Die Kundenbeurteilung, eingeladen werden (siehe 2)

  • Isch ‚abe überhaupt kein Profil! 😉

    Beim Kunden gibt es beim Erstkontakt auf Wunsch eine kurze Powerpoint-Präsentation, in der sich beide Seiten kurz vorstellen. Ansonsten diskutiert man in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Gebäck, was man füreinander tun kann.

    Und bei der Ausführlichkeit der Profile wäre ich vorsichtig. Da kann es schnell zu einem Verstoß gegen sein NDA kommen. Wenn ich in einem Profil sehe, was, für wen und mit welcher Technik entwickelt wurde, weiß es die Konkurrenz des Kunden möglicherweise auch bald. Also Vorsicht! Manch Freelancer scheint mir da ein wenig zu geschwätzig.

    • Dietrich

      Auch nicht schlecht! Fragt sich jetzt wie Kunden auf Sie aufmerksam werden. Internetpräsenz? -> ist ja auch eine Art „Profil“.

    • Peter Monien

      Klar, immer schön im Rahmen des rechtlich Sauberen.

  • Dietrich

    „Wenn Du unbedingt Dein schickes Layout haben möchtest, frage den Vermittler, ob Du nicht seine Vorlage bekommen kannst, in die Du Deine Daten einarbeitest. Wenn dort nur ein Header mit dem Logo des Vermittlers und seinen Kontaktdaten reingesetzt werden müssen, kannst Du das in 5 min. machen.“

    Ja klar, so läuft das! Der Vermittler kassiert lustig Provision von min. 1600 Tacken im Monat und der Freelancer darf für alle 25 Vermittler bei denen er gelistet ist, immer das jeweilige Profil nachpflegen. Witzbold!

    „Sieh den Vermittler als das, was er ist: Deine externe Vertriebsabteilung, die sich darum bemüht, Dich beim Kunden zu platzieren.“

    Genau und er tut das auch total uneigennützig NUR für mich. Quatsch! Der Vermittler hat 20 andere Kandidaten und es ist ihm scheißegal wer das Rennen macht, weil letztlich geht es nur darum, dass Provisionen fließen. Wer den Job macht, ist wurscht!

    • Peter Monien

      Die einfachere Methode habe ich in dem Post beschrieben. Macht das Leben für beide Seiten einfach.

      Vertrieb ist praktisch immer eigennützig. Das ist in Maßen auch gut so. Ist ja auch
      nicht schlecht. Mein Argument war ja auch nur: Macht es dem Menschen der Euch verkauft einfacher und vergrößert Eure Chancen….

  • Tiefenrausch1968

    Wieso überhaupt Vermittler?

    • iCH

      Ja warum überhaupt. Braucht doch kein Mensch diese Mitesser.
      Und Sie Mir. Tiefenrausch machen alles selbst und kommen ohne Vermittler aus?

      • Tiefenrausch1968

        Am Anfang war ich noch bei einer Vermittlungsagentur. Inzwischen akquirier ich selbst und das funktioniert gut.

    • Peter Monien

      1.) Weil man sich dann auf seine fachliche Arbeit konzentrieren kann
      2.) Weil der Vermittler einem viel Ablehnung erspart (Sales)
      3.) Weil einige Kunden einen Vermittler haben wollen
      ….

  • Wolfgang

    Lieber ausfühlich? Das setzt voraus, dass man zu den hier typischen Vertreter gehört und die haben geschätzt nur zwei, drei, maximal vier Aufträge pro Jahr. Diese kann man dann sicher ausführlich beschreiben. Wenn ich meine Aufträge ausführlich beschreiben würde, dann käme ein Dokument heraus, dass in analogen Maßstäben Telefonbuchstärke hätte – wer in dieser Runde hat den 40 Aufträge im Jahr (O.K., das war bei mir auch der Spitzenwert)?

    • Peter Monien

      Ausnahmen bestätigen die Regel und Telefonbücher möchte dann doch keiner lesen. 😉