Ein wichtiger Unterschied zwischen Arm und Reich: Die Bereitschaft anzunehmen

schmetterling-auf-hand_pixabay_GLadyDer wahrscheinlich wichtigste Erfolgsfaktor über den niemand redet: Die Bereitschaft zum Annehmen

Für die Klugscheißer: Ich sage hier an keiner Stelle, dass es der EINZIGE Faktor ist. Es ist EIN Faktor, den ich für sehr wichtig halte.

Warum erzielen manche Menschen so viel bessere Ergebnisse als andere?

Es gibt einen Erfolgsfaktor, über den ich bisher kaum Material gefunden habe, der mir sehr wichtig erscheint.

Ein Faktor, der den entscheidenden Unterschied macht zwischen fruchtloser Plackerei und maßvoller solider Arbeit mit lohnenden Ergebnissen.

Dieser Faktor ist die Fähigkeit, anzunehmen.

Nach meiner Beobachtung ist dies der wichtigste Faktor überhaupt, wichtiger als viele andere Dinge.

Uns wird gezeigt, wie wir hart arbeiten und das Richtige tun.

Wir erhalten präzise Gebrauchsanweisungen zum „Erfolg“ (wie wir ihn auch definieren).

Wir haben gelernt, diszipliniert zu sein, auf schnelle Gewinne zu verzichten, im Dienste langfristiger Ziele.

In all dem sind wir gut geworden.

In einer Sache sind wir aber nicht alle so gut geworden, weil auch kaum darüber gesprochen wird.

Die Bereitschaft / Fähigkeit, anzunehmen.

Es ist doch ganz logisch: Wer strategisch vorgeht und hart arbeitet, der wird durch wirtschaftlichen Gewinn belohnt.

Oder?

Nein, leider nicht.

Wenn ich nicht bereit bin, den Gewinn anzunehmen, kann ich mich abrackern bis auf die Knochen, und viele Wege finden, bei einem niedrigen Gewinn zu bleiben.

Vielleicht baue ich einen rechtlichen Fehler ein. Vielleicht finde ich gar nicht erst die Kraft, den erforderlichen Einsatz zu erbringen.

Nur wenn ich bereit bin, anzunehmen, wird der Gewinn auch zu mir finden. Andernfalls finde ich Wege, ihn abzuwehren oder zu vermindern.

Die Bereitschaft zum Annehmen ist etwas anderes als Gier. Gier taucht da auf, wo die Bereitschaft zum Annehmen eben gerade nicht vorhanden ist, bzw. wo die Angst vor dem Verlieren größer ist als die Dankbarkeit über den Gewinn. Andernfalls würde derjenige mit Dankbarkeit annehmen, und bräuchte keine Gier.

Woher kommt die Unfähigkeit anzunehmen, und was tue ich dagegen?

Es gibt einige Theorien darüber, woher es kommt, dass manche Menschen nicht das annehmen, was andere bereit sind zu geben.

Zum Beispiel:

  • Mangelndes Selbstwertgefühl, entstanden aus Kindheitserlebnissen
  • Schuldgefühle aus den verschiedensten Gründen
  • Unbewusste Ausrichtung auf Vorbilder, die wirtschaftlich arm sind / waren
  • Unpassende Glaubenssätze

Ich habe logische Probleme mit den meisten dieser Theorien, und ich habe keine Ahnung, wie richtig oder falsch sie sind.

Nach meiner Erfahrung hilft es, grundsätzlich Dankbarkeit für das zu entwickeln, was ich erhalte.

Einige Leute behaupten „sei dankbar, und Du erhältst mehr, wofür Du dankbar sein kannst.“ Diese Aussage halte ich für wahr.

Ich finde es auch nützlich, mir bewusst zu machen, welchen Wert ich für die Menschen habe, denen ich Dienste erbringe, und was es ihnen nützt. Hier besteht natürlich die Gefahr, mich zu überschätzen oder unterschätzen. Daher hole ich regelmäßig Feedback ein. Nicht alles Feedback ist nützlich, aber einen großen Teil kann ich produktiv nutzen.

Am Anfang natürlich steht für mich das Bewusstsein darüber, wie viel ich annehmen will und wie viel nicht.

Wie viel sind Sie bereit, anzunehmen?

Bild: pixabay, GLady

Alexander Meneikis

Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Kaufmännischer Allrounder, seit 1998 selbständig, Projekte in Finanz- und Vertriebscontrolling bei Shell, Airbus, Germanischer Lloyd, Alice, freenet und vielen anderen. Alexander Meneikis hält zahlreiche Vorträge und Workshops bei Handelskammern und anderen Bildungsträgern, sowie bei selbst organisierten Veranstaltungen. Auf seinem Controlling Blog finden Sie Artikel und Gratis-Videos zu Themen von Controlling und Unternehmensführung. Sie finden Alexander Meneikis auf LinkedIn, seiner Internetseite und Twitter
  • Werkmann

    Ihr Erfolgsfaktor ist wirklich der Wichtigste. Als Servicedienstleister nehmen Sie alle Aufgaben an und lösen diese dann. Damit ist aber nicht verbunden, dass Sie entsprechend honoriert werden. Nein vielmehr bewegen Sie sich immer mehr in der Abwärtsspirale dahingehend, dass Sie unlösbare Aufgaben bekommen. Die Entlohnung wird durch andere Kräfte (Kaufmann/Recruiter/Chef etc) abgeschöpft. D.h. in DE bekommen Sie nur noch ein Mindestmaß an Entlohnung. Für die meisten ist die Situation so krass, dass er jeden Job machen muss, damit er sein Grundeinkommen bestreiten kann. Irrwitzig dabei ist, dass selbst die Angestellten mit denen Sie dort zusammenarbeiten mehr Geld in der Tasche haben.Ob das nun bezahlte Reisekosten, Dienstfahrzeug frei, Flieger frei ect. Was sich letztendlich bei Ihnen als Freiberufler das Einkommen schmälert, und wenn Sie genau nachrechnen dann haben Sie nicht mehr als ein Angestellter als Entlohnung bei deutlich höheren Zeiteinsatz.
    WAS überhaupt nicht honoriert wird, dass SIE ein vielfaches an Leistung bringen. Die ist dahingehend zu würdigen, aufgrund Ihrer Experience bei verschiedenen Kunden und Ihren persönlichen Einsatz den so genannten Rundumblick zu haben. Die GAP’s zu erkennen und sich entsprechend weiter zu Bilden und den Rundumservice theoretisch wie praktisch zu liefern.
    Für mich ist DE „DOWN UNDER“.

    • Alexander Meneikis

      Hallo Werkmann, danke für Ihren Kommentar. Die Tendenz geht wohl dahin, dass immer mehr verlangt wird für immer weniger Entlohnung. Das ist aber nach meiner Beobachtung auch bei den Angestellten der Fall, die für ihr Geld immer mehr tun sollen. Daneben entstehen immer mehr Billig-Jobs.
      Angeblich kommen selbst polnische Handwerker nicht mehr nach Deutschland, weil es hier zu wenig Honorar gibt…
      Nachdem ich einige Teile der Welt bereist habe, ist Deutschland für mich immer noch erste Wahl, mit Ausnahme der Schweiz. Trotz aller Abgaben und Gängelung durch Behörden haben wir immer noch die beste Infrastruktur und die günstigsten Lebensmittel.

      • Wolfgang L.

        Hallo Werkmann,

        das kommt darauf an, wie man aufgestellt ist. Wenn man in einem Feld unterwegs ist, in dem viele andere gleiche oder ähnliche Leistungen anbieten, kann das schon sein. Beispielsweise Friseure gibt es in meiner Gegend zu viele. Ich weiß zwar nicht wie viel sie genau verdienen, viel kann es aber nicht sein. Die Leistung ist allerdings auch schlecht, denn die müssen Kunden im Akkord abarbeiten und dabei bleibt vieles auf der Strecke. Da zahle ich lieber doppelt so viel bei „meiner“ Friseurmeisterin und dafür habe ich eine Leistung, die ihr Geld wert ist.

        Was Sie machen müssen, ist Expertise auf einem bestimmten Gebiet aufbauen, bei dem Sie sich von anderen unterscheiden und zwar so, dass es der (potentielle) Kunde mitbekommt und dann auch in diesem Gebiet auftreten und nicht auch noch anderes mitnehmen.

        Mein Gebiet ist Individualsoftware für kleine Firmen. Das geht nur, weil ich einerseits gelernter Kaufmann bin, der mit seinen Kunden auf Augenhöhe reden kann, andererseits aber „Datenbänker“ mit Programmiererfahrung. Mit meiner Erfahrung habe ich damit keine Chancen mehr auf einen „großen“ Auftrag von einem „großen“ Kunden, etwa einem Konzern mit bezahlten Dienstwagenfahrern, der sich entsprechend „viel“ IT-Dienstleistung leisten kann. Warum? Weil für den „Dienstwagenfahrer“ bin ich einer vor vielen, klein, zu wenig spezialisiert, kurz uninteressant bin. Ich bin bei meinen vielen kleinen Kunden gut unterwegs. Ich brauche viele Kunden, damit sich mein Geschäft trägt. Andererseits kann ich es mir leisten, einem Geiz-ist-geil-Anfrager abzusagen. Zugegeben: Viele Kunden machen auch entsprechenden Aufwand. Die Auslastungskurve ist eine Berg- und Talbahn. Andererseits hatte ich die letzten Jahre außer zwei Wochen Urlaub nie unter 20 verrechneten Stunden pro Woche und meine Familie muss sich schon mal darauf einstellen, dass ich wochenlang 70 bis 80 Stunden vor dem PC sitze – und das nicht, um den Hartz-IV-Regelsatz zu erreichen, sondern weil meine Dienstleistung ja auch darin besteht, meinen Kunden zu helden, ein Problem so schnell wie möglich los zu werden. Meine Stundensätze erreichen keine Spitzenwerte (heißt für mich 150 – 200€ pro Stunde wie bei SAP-Beratern), aber wenn ich mir Portale mit Stundensatzübersichten ansehe, stehe ich gut da.

        Damit da keine Unklarheiten aufkommen: Bis man dahin kommt, ist schon ein Stück Weg und ein Risiko ist es auch. Bei meinen Kunden gibt es kein Internetportal, bei dem man sich einträgt und schon schneit es lukrative Aufträge. Da muss man selbst tätig werden, Leute ansprechend, bei Unternehmertreffen sein, seine eigene Leistung gut verkaufen und und und… und vor allen Dingen wirklich gute Arbeit auf dem Fachgebiet abliefern, denn das ist die beste Werbung.

        Recruiter kommen regelmäßig zu mir, sind aber genau so regelmäßig nicht interessiert. Die wollen in meiner Branche Leute mit wenigen Aufträgen pro Jahr sehen und da sind sie bei mir völlig falsch. Ich bin mein eigener Verkäufer. Das ist für einen Soloselbstständigen und ehemaligen Angestellten bei einem Konzern ein langer und harter Weg, aber wenn „der Laden“ läuft, bringt man ihn nicht mehr zum Stehen… weil die Empfehlungen meiner Kunden der beste und billigste Verkäufer sind. Mein Chef und mein Kaufmann bin ich auch selbst und ich finde mich ganz in Ordnung und auch meine persönliche „Finanzministerin“ ist sehr zufrieden, obwohl sie selbst mit der Selbstständigkeit absolut nichts anfangen kann.

        Das war meine Sicht. Ihren Satz „Für die meisten ist die Situation so krass, dass er jeden Job machen muss, damit er sein Grundeinkommen bestreiten kann“ kann ich für meine Branche nicht vertreten, genau so wenig wie für meinen Bekanntenkreis, in dem nicht nur ITler. sondern auch andere Selbstständige wie z.B. Handwerker vorkommen.

        Ja, Deutschland hat natürlich auch Nachteile. Allerdings muss man abwägen, was einem denn liegt. Ich nehme mal zwei radikale Beispiele, um das zu verdeutlichen. Das eine sind die USA. Viel Freiheit. Viele Chancen. Aber das ist auch ein Risiko. Z.B. in Form von ruinösen Kosten bei winzigen Fehlern. Jeder kennt Beispiele über die idiotische Rechtssprechung dort drüben, die ideal gebaut ist für große Rechtsanwaltsgesellschaften, aber Schikane ist für die restlichen 280 Millionen Leute.
        Gesundheitswesen teuer aber ineffizient. Das andere ist Belarus. Europa, aber nicht EU und ziemlich das Gegenteil des ersteren. Ex-UdSSR. Selbstständigkeit gibt es und ist geregelt bis zum letzten Komma. Vier mal im Jahr einen testierten Quartalsabschluß vorlegen. Papier ohne Ende, für jeden Pickel im Gesicht ein anderes, das auch noch selbst abzugeben ist, weil Behördengänge ja so viel Spass machen und Werte schöfen. Eine deutsche Steuerprüfung kommt einem da wie das Paradies vor. Das Geschäft ist dort weniger das Risiko als der Staat selbst. Was die Infrastruktur anbetrifft, stimme ich Herrn Maneikis 100%ig zu.
        Viel Geld verdienen kann man in allen genannten Staaten – aber will man das unter diesen Voraussetzungen?