Das 12-Schritte-Programm zur Auftragslosigkeit

sad-man_pixabay_PDPicsAngeregt durch Dave J Mason vom Musoblog

Da gibt es immer noch Freelancer, die an das Gute im Leben glauben und Auftraggebern sowie Mitarbeitern freundliche Absichten unterstellen.

Glücklicherweise wurde jetzt ein 12-Schritte-Programm entwickelt, um derlei Illusionen abzutrainieren:

  1. Herumnölen
  2. Den Focus auf das Negative konzentrieren
  3. Über belanglosen Quatsch Streit anfangen
  4. Vergleichen Sie sich selbst mit anderen
  5. Schuld sind ausschließlich die anderen
  6. Kritisieren Sie sämtliche Kollegen
  7. Sehen Sie mehr fern
  8. Alle außer Ihnen sind Idioten
  9. Man kann nicht früh genug aufgeben
  10. Bitterkeit duldet keine Ausnahmen
  11. Leben Sie in der Vergangenheit
  12. Kultivieren Sie Pessimismus und Katastrophen-Denken

Hier nun präzise Ausführungen, wie Sie Ihr Berufsleben für sich selbst und anderen zur Hölle umgestalten:

Schritt 1: Herumnölen

Ein wesentlicher Faktor für das permanente Unwohlsein ist regelmäßiges Herumnölen, Jammern und Nörgeln. Insbesondere über alles, was Sie nicht beeinflussen können. Das Leben ist nun einmal nicht fair, und die Umstände sind immer gegen Sie.

Aber, keine Angst (oder naja, besser doch): Nehmen Sie den leichten Weg, nölen Sie andere Leute voll. Irgendjemand ist ja immer da. Nutzen Sie die Gelegenheit, allen im Detail zu erklären, wie schlimm alles ist, viel schlimmer, als alle glauben. Holen Sie dann Ihre lange Liste mit Beispielen hervor und rezitieren Sie.

Schritt 2: Focus auf das Negative konzentrieren

Sehr viele Dinge in modernen Unternehmen und Volkswirtschaften funktionieren ziemlich gut. Leider begreift niemand, wie schlecht das ist. Der menschliche Verstand ist fähig zu den absurdesten Verdrehungen und Fehlinterpretationen, also warum nicht interpretieren, dass alles grauenhaft ist?

Gerade ein neues Projekt erhalten? Ist bestimmt das Allerletzte. Gerade etwas Wichtiges Neus gelernt? Na toll, ist wahrscheinlich eh irrelevant, und morgen haben Sie es vergessen.

Die Welt kann wirklich grauenvoll sein, wenn Sie es nur zulassen.

Schritt 3: Über belanglosen Quatsch Streit anfangen

Sobald ihren Focus auf alles Negative gerichtet haben, folgt daraus logisch eine moralische Verpflichtung, allen anderen zu beweisen, dass dies die einzig richtige Perspektive ist.

Sobald sich jemand eine andere Sichtweise herausnimmt – tolerieren Sie dies auf keinen Fall! Nehmen Sie sich ein paar Stunden Zeit, ihm zu zeigen, dass seine Meinung unterbelichtet ist und warum er unrecht hat.

Gelegentlich, und vor allem so, dass niemand es nachvollziehen kann, beginnen Sie einen Streit über etwas Belangloses und erheben haltlose Anklagen. Dies ist besonders hilfreich dann, wenn wichtige Termine eingehalten werden müssen und sinnlose Konflikte dem im Weg stehen.

Schließlich kann es sein, dass vorgeblich wohlmeinende Freunde und Verwandte Ihnen vordergründig zustimmen, weil sie schlicht erschlagen sind von Ihrer „negativen“ (realistischen!) Sichtweise. Lassen Sie sich nicht täuschen!

Zeigen Sie denen, dass sie mit ihrer überheblichen „positiven“ Art nichts erreichen!

Schrit 4: Vergleichen Sie sich selbst mit anderen

Erkennen Sie, wie wenig Sie im Vergleich zu einigen guten Beratern erreicht haben.

Ignorieren Sie dabei, dass diese Leute große Teile ihres Lebens geopfert haben, um wirklich gut zu werden, dass sie gelernt, studiert und geübt haben, dass sie auf Ihrem Weg viele Hindernisse überwinden mussten.

Ignorieren Sie, dass Sie selbst alle 2 Wochen mal für eine halbe Stunde etwas lesen und ansonsten versuchen, sich mit wenig Anstrengung durchzuwieseln.

Das Ignorieren von Tatsachen ist ein kraftvoller Weg!

So können Sie weiterhin behaupten, dass diese Leute Glück hatten und protegiert wurden und dass jemand so Tolles wie Sie keine Chance bekommt, nur weil das Leben unfair ist.

Daraus folgt geradezu zwingend der nächste Schritt:

Schritt 5: Schuld sind ausschließlich die anderen

Hier ist das Wesentliche, zu erkennen, dass alles, was Ihnen jemals nicht gelungen ist, nicht Ihr Fehler war. Es ist die Schuld des seelenlosen Profitstrebens in der Welt und die Schuld skrupelloser Schweine in multinationalen Konzernen.

Überlegen Sie: Ihre Eltern haben Sie falsch erzogen, Ihre Lehrer haben Sie falsch unterrichtet, Ihre Kollegen können ihren Job nicht, der Drucker für Ihre Berichte druckt alles an die falsche Stelle, die Regierung schenkt Ihnen nicht Ihren Traumjob, und Ihr Gehirn hat nicht die selben Neuronen wie erfolgreiche Menschen. Was für eine absolute Farce.

Schritt 6: Kritisieren Sie sämtliche Kollegen

Ein jahrelanges Studium war für Sie nicht erforderlich. Sie wussten einfach bescheid. Wenn die anderen das nur erkennen würden. Aber die sind halt zu beschränkt.

Immer mal wieder kommen Kollegen auf neue Ideen oder stellen neue Erkenntnisse vor. In diesem Fall, verlieren Sie keine Zeit! Erläutern Sie genauestens, wie bescheuert diese Ideen sind. Erläutern Sie genauestens, was an diesen Ideen falsch ist.

Allerdings: Versteigen Sie sich keinesfalls dazu, konstruktive Vorschläge zu unterbreiten! Dann brüten diese Leute nur noch mehr Unsinn aus!

Gelegentlich stoßen Sie auf junge, naive Anfänger, die noch nicht durchschauen, wie zutiefst verabscheuungswürdig das Business ist.

Einige davon haben eine optimistische Sicht ihrer Zukunft. Machen Sie es zu Ihrer Mission, denen das wahre Leben nahezubringen, voller Bitterkeit und Abscheu. Rechtzeitig!

Schritt 7: Sehen Sie mehr fern

Keine bessere Methode, die Abwärtsspirale anzuschubsen, als Fernsehen! Werbespots, Prominentenkultur, und vor allem die „Nachrichten“, sorgen für eine solide Dosis Angst, Potenzial für negatives Selbstbild und Beziehungslosigkeit.

Und am Besten: In der Zeit, die Sie vor dem Fernseher verbringen, können Sie nichts üben oder lernen. Sie werden also im Vergleich zu ambitionierten Kollegen noch schlechter und können sich noch mehr beklagen! Jackpot!

Schritt 8: Alle außer Ihnen sind Idioten

Gelegentlich wird irgendein selbstgerechter Typ daherkommen und versuchen zu beweisen, dass Sie mit etwas unrecht haben.

Lehnen Sie all seine Argumente strikt ab!

Kommen Sie bloß nicht darauf, sich mit irgendwelchen beweisbaren Tatsachen aufzuhalten, die jemand vorbringt! Schlagen Sie zurück mit persönlichen Angriffen auf den Charakter des anderen!

Schritt 9: Man kann nicht früh genug aufgeben

Thomas Alva Edison sagte: „Viele Menschen haben nur deshalb wenig erreicht, weil sie zu früh aufgegeben haben!“

WER soll das gesagt haben? Was für ein ignoranter Kleingeist!

Weiß doch jeder: Wenn man etwas ein paar Male nicht schafft, dann bringt es halt nichts.

Verschwenden Sie keine Zeit auf Bemühungen. Schalten Sie den Fernseher ein. Lassen Sie sich überschwemmen von den guten alten Gefühlen der Minderwertigkeit.

Aahh, wunderbar!

Schritt 10: Bitterkeit duldet keine Ausnahmen

Kultivieren Sie das Lebensgefühl, dass alles sinnloser Müll ist und dass alle anderen Menschen nur dazu da sind, Sie zu irritieren.

Weben Sie gelegentlich philosophische Betrachtungen ein, wie eine so faszinierende Person wie Sie in einem solchen Umfeld landen konnte, umzingelt von Debilen und Verbrechern.

Schritt 11: Leben Sie in der Vergangenheit

Wir erinnern uns alle an die gute alte Zeit. Alles war besser. Sie sind nur in die falsche Zeit geboren, wo alles zerfällt und verwest.

Die Tatsache, dass es im modernen Westen weniger Gewalt und mehr Wohlstand für alle gibt als jemals in der bekannten Geschichte, kann besten Gewissens vernachlässigt werden.

Konzentrieren Sie sich auf das, was schlechter geworden ist. Und das ist ja wohl so ziemlich alles.

Schritt 12: Kultivieren Sie Pessimismus und Katastrophen-Denken

Zielsetzungen und Optimismus über die Zukunft führen nur zu unvermeidbaren Enttäuschungen.

Steve Jobs sagte: „Die Menschen, die wirklich die Welt verändern, sind diejenigen, die verrückt genug sind zu glauben, dass sie es können.“

Naja, wer immer dieser Schmalspurkasper war, der hat bestimmt nie irgendetwas Neues hervorgebracht!
Jeder weiß, die eigene Komfortzone zu verlassen, ist idiotisch und gefährlich!

BEREIT?

Jetzt sind Sie vorbereitet, sich selbst und anderen eine kleine Hölle auf Erden zu bereiten.

Der Fortgeschrittenenkurs für die GROSSE Hölle findet statt in der Kammer der Bankiers und Ärzte.

Bild: PDPics

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Alexander Meneikis

Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Kaufmännischer Allrounder, seit 1998 selbständig, Projekte in Finanz- und Vertriebscontrolling bei Shell, Airbus, Germanischer Lloyd, Alice, freenet und vielen anderen. Alexander Meneikis hält zahlreiche Vorträge und Workshops bei Handelskammern und anderen Bildungsträgern, sowie bei selbst organisierten Veranstaltungen. Auf seinem Controlling Blog finden Sie Artikel und Gratis-Videos zu Themen von Controlling und Unternehmensführung. Sie finden Alexander Meneikis auf LinkedIn, seiner Internetseite und Twitter