Axantis AG stellt sich vor [Video Interview]

Video Interview mit Ramona Augusto von der Axantis AG

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Ramona Augusto: Mein Name ist Ramona Augusto. Ich arbeite bei der Axantis AG in Stuttgart. Wir sind IT-Dienstleistungsunternehmen und vermitteln hauptsächlich feste und freie IT-Mitarbeiter in verschiedene Projekte.

Timo Bock: Wir haben ein Paar allgemeine Fragen zum Unternehmen und dann wollen wir ein bisschen in den Rekrutierungs- und Vertriebsprozess einsteigen. Zunächst mal zum Unternehmen: wie groß ist Ihr Unternehmen? Das heißt – wie viele Mitarbeiter und wie viele Standorte gibt es?

Ramona Augusto: Wir haben derzeit zwei Standorte: der Hauptstandort in Stuttgart und noch ein Standort in Walldorf. Wir sind momentan vierzig feste Mitarbeiter und haben insgesamt derzeit ca. zweihundert Mitarbeiter in Projekte.

Timo Bock: Sie haben jetzt gesagt, dass es bei Ihnen einerseits um die Vermittlung in die Festanstellung, andererseits auch um die Freelancer geht. Wo ist da der Schwerpunkt? Kann man sagen, dass so viele Miterbeiter nur die Freelancer und so viele nur Festanstellung machen?

Ramona Augusto: Es ist schwierig zu sagen. Wie gesagt, haben wir momentan vierzig feste Mitarbeiter. Momentan ist der Anteil der Freiberuflichen Mitarbeiter in den Projekten um einiges größer als die von den festen Mitarbeitern. Wir versuchen einen eigenen Skill immer im Haus zu haben und nicht nur mit Freiberuflichen Mitarbeitern zu arbeiten.

Timo Bock: Und wenn es um Festanstellung geht: sind solche Mitarbeiter bei Ihnen eingestellt oder sind sie beim Kunden eingestellt?

Ramona Augusto: Hauptsächlich: ja. Achtzig Prozent der Festangestellten sind auch tatsächlich bei uns. Inzwischen ist die Anfrage Mitarbeiter in Festanstellung zu vermitteln immer höher.

Timo Bock: Das habe ich jetzt verstanden. Sehen Sie sich dann überhaupt als Vermittler, oder sehen Sie sich eher als Systemhaus, oder als Kombination aus beiden?

Ramona Augusto: Wir sehen uns hauptsächlich als Vermittler.

Timo Bock: Gibt es einen fachlichen Schwerpunkt, den Sie haben? Vielleicht auch innerhalb der IT –  einen bestimmten fachlichen Schwerpunkt, in dem Sie sich bewegen?

Ramona Augusto: Aus unser Historie bedingt, ganz klar alles was mit SAP zu tun hat. Inzwischen ist bei uns auch das Thema BI sehr groß.

Timo Bock: Kommen wir mal zurück zu dem Rekrutierungsprozess. Wollen Sie vielleicht erst mal Ihren Rekrutierungsprozess selber beschreiben?

Ramona Augusto: In der Regel ist es so, dass es natürlich mit der Anfrage von einem Kunden anfängt, der einen konkreten Skill sucht. Daraufhin schauen wir in unsere Datenbank welcher Skill passen könnte, rufen die Kollegen entsprechend an, erfragen ob sie verfügbar sind oder nicht. Parallel schaut unser Backoffice gleich auch in den Datenbanken nach, in verschiedenen Portalen, ob man eventuell auch neue Personen ansprechen könnte. Ob sie verfügbar sind, ob sie mit uns zusammenarbeiten möchten. Das läuft parallel. Sobald wir mit den Mitarbeitern gesprochen haben,  wenn es Leute sind, die aus unsere Datenbank kommen, die auch schon geprüft sind und wo wir wissen, dass alles stimmt, und dass die Unterlagen in Ordnung sind, können wir die direkt anbieten. Wenn wir jetzt jemanden neuen haben, versuchen wir natürlich erst mal ein persönliches Gespräch hinzubekommen oder über Webvideos oder Telefonate einige Dinge noch vorab abzufragen. Wir schauen auch, dass wir dem Kunden jetzt nicht hundert Profile schicken, sondern dass wir die besten drei direkt beim Kunden anbieten.

Timo Bock: Wie machen Sie das persönliche Kennenlernen, wenn Sie jetzt an zwei Standorten vertreten sind? Ich nehme an, dass Sie schon Bundesweit rekrutieren. Gehen die dann zu ihrem Büro oder eher nur wenn es sich eine Möglichkeit dafür ergibt?

Ramona Augusto: Das kommt immer drauf an. Natürlich gerne bei uns im Büro. Manchmal ist es auch so, dass zum Beispiel der Kunde in Hamburg ist und der Freelancer auch aus der Gegend um Hamburg kommt. Dann müssen wir eben schauen, dass man entweder hoch fährt, wenn es die Zeit erlaubt. Dass wir auch vor Ort kommen. Oder es wird tatsächlich beim Telefonat oder bei einer Videokonferenz belassen. Es ist uns eigentlich schon wichtig die Person auch persönlich kennenzulernen und nicht nur über Telefonate einen Eindruck zu gewinnen.

Timo Bock: Aber prinzipiell, wenn es manchmal schnell gehen muss, fällt dann das persönliche Kennenlernen aus, oder gibt es eine später.

Ramona Augusto: Oder sie wird nachgeholt. Genau.

Timo Bock: Wie beurteilen Sie die Kompetenzen der Freelancer? Haben ihre Berater selber fachliches Knowhow ? Oder haben Ihre Berater Rekrutierungsknowhow, aber nicht unbedingt das fachliche Knowhow, das die Kandidaten selber mitbringen, um es abzuprüfen?

Ramona Augusto: Es ist in der Tat so, dass die Kollegen im Recriuting  alle aus dem IT-Bereich selber kommen, selber teilweise als SAP Berater unterwegs waren, oder auch Java Programmierer, etc. Natürlich ist die IT so breit gefächert, dass man nicht in jedem Thema tief drin sein kann. Da haben wir den Vorteil, dass wir unsere feste Mitarbeiter da miteinbeziehen können und sagen können: „Schau dir mal das Profil an. Kennst du denjenigen vielleicht? Könntest du ein teil des Gesprächs führen und die Skills abfragen?“ Es ist ein Zusammenspiel. Natürlich, in unserem Haus sind jetzt alle im Recruitingprozess  zwischen sechs und zehn Jahre mit dabei. Dann hat man auch eine gewisse Erfahrung und ist in verschiedenen Themen auch selber extrem gut drin.

Timo Bock: Das ist wirklich einzigartig. Ich meine, dass Sie auf die festangestellten Mitarbeiter zurückgreifen können. Wie ist das Personnel? Ist ein Recruitingmitarbeiter ausschließlich für die Recruiting verantwortlich, oder hat er dann noch andere Aufgaben, zum Beispiel auch vertriebliche Aufgaben?

Ramona Augusto: Es ist tatsächlich bei uns eine Person, die alles macht. Wir sind Kunden aufgestellt und für den Kunden macht ein Mitarbeiter wirklich alles. Vom Vertrieb, über Recruiting, über Projektbetretung. Natürlich mithilfe ein bisschen vom Backoffice, aber es ist tatsächlich ein Ansprechpartner auf allen Kanälen, oder zu allen Kanälen. Was auch ein Vorteil ist. Wenn man dann einfach weiß – das Team braucht so und so jemanden, dann ist man einfach drin und hat nicht jemanden, der Recruiting macht und jemand anderen, der am Kunden dran ist. Das ist auch unsere Philosophie. Wir wollen, dass das eine Person abdeckt.

Timo Bock: Was die Unterlagen der IT-Freelancer angeht, wenn sie Bewerbungen bekommen, haben Sie da bestimmte Präferenzen, oder haben sie da irgendwelche Tipps, damit die Person auf Ihrer Seite besonders gut ankommt?

Ramona Augusto: Ja, Tipps, Trick –  das ist immer relativ schwer. Wir haben auf unserer Homepage so einen kleinen Leitfaden wo der Freelancer sich dran orientieren kann. Aber letztendlich schauen wir uns alle Unterlagen an, egal in welchem Format, und geben natürlich Feedback was man eventuell verändern kann. Ich denke, dass in der heutigen Zeit alle Unterlagen eine gewisse Form haben. Im IT-Umfeld muss man jetzt nicht noch viele Tipps geben. Auf jedem Fall ist das, was bei uns auftaucht, eigentlich sehr schön strukturiert. Wichtig ist natürlich, dass die Unterlagen immer aktuell sind und dass der aktuellste Skill immer am deutlichsten zu erkennen ist. Gerade in der IT-Branche ist es eigentlich egal was man vor zwölf Jahren gemacht hat. Es kann schon veraltet sein. Wenn man natürlich in einem Thema geblieben ist, ist es schön zu sehen, dass er zwanzig Jahre Erfahrung hat. Aber oft ändert man seinen Weg oder geht Kurven. Dann ist es eigentlich egal was vor zehn Jahren war.

Timo Bock: Was ist so das Typische Umfang von so einem Profil?

Ramona Augusto: Von den Seiten her oder …?

Timo Bock: Ja.

Ramona Augusto: Ja, so, drei – vier Seiten. Alles andere was länger ist, wird eigentlich vom Kunden nicht mehr angeschaut.

Timo Bock: Formatieren Sie das Profil noch mal um, wenn Sie es dem Kunden präsentieren? Ist das  immer im gleichen Format, oder ist es praktisch so, wie es vom Freelancer geliefert wurde?

Ramona Augusto: Das einzigste was wir machen ist unser Logo noch mit einbauen. Sonst ist es so, wie der Freelancer es geschickt hat.

Timo Bock: Das heißt ein Cover Sheet?

Ramona Augusto: Genau.

Timo Bock: Gut. Sie haben schon gesagt, dass Sie einerseits in der internen Datenbank, aber auch in externen Datenbanken suchen. Was sind das für Quellen auf die Sie extern zugreifen?

Ramona Augusto: Die üblichen. Schwer zu sagen. Xing, verschiedene Freelancernetze. Es gibt natürlich auch Foren inzwischen, wo man sehr gut nachschauen kann, Freelancermap, etc . Es gibt unendlich viele.

Timo Bock: Mit Foren meinen sie Xing-Foren, oder noch mal extern?

Ramona Augusto: Genau, ja. Im BI-Umfeld gibt es natürlich schön Foren, im SAP Umfeld auch. Da muss man ein bisschen schauen. Vor allem wenn man Internationale Projekte hat, ist es durchaus sehr interessant in internationalen Foren zu schauen und die Leute direkt anzusprechen. Die Leute, die die redaktionelle Beiträge zu einem gewissen Thema liefern. Dass man dann wirklich sagt, “ Ok, den spreche ich jetzt an, den suche ich auf LinkedIn oder auf Xing und schaue ob er zufällig als Freelancer unterwegs ist und Interesse an einer Zusammenarbeit hat.“

Timo Bock: Sehr schön. Wie schaut es mit den Anzeigen? Geschieht es so, dass Sie eine Anzeige ausschreiben und dann den Rücklauf abwarten, oder ist es eher diedirekte Ansprache bei Ihnen?

Ramona Augusto: Es ist die direkte Anspreche.

Timo Bock: Also Anzeige gibt es gar nicht?

Ramona Augusto: Kommt drauf an was Sie als Anzeige verstehen. Wir haben natürlich auf unsere Webseite eine Jobbörse.

Timo Bock: Ja.

Ramona Augusto: Aber das ist tatsächlich der einzigste Weg wo wir Stellen ausschreiben.

Timo Bock: Das heißt, ich werde jetzt keine Anzeige vorliegen, zum Beispiel auf  Xing oder irgend woanders, finden?

Ramona Augusto: Nein. Äußerst selten auf Xing, aber im Normalfall nicht.

Timo Bock: Alles klar.

Ramona Augusto: Weil viele unserer Kunden das auch nicht wünschen. Letztendlich sind wir Vermittler. Wenn sie plötzlich eine Stellenausschreibung von sich, auch wenn vielleicht leicht abgeändert, irgendwo finden würden, sind die nicht einverstanden. Und das akzeptieren wir auch.

Timo Bock: Das ist, glaube ich, überall das Problem – dass eine Stelle irgendwie fünf mal ausgeschrieben wird. Da kann man sich praktisch aussuchen wo man sich bewerben möchte.

Ramona Augusto: Genau.

Timo Bock: Gut. Noch mal zur Suche. Sie suchen zum Beispiel in Ihre interne Datenbank. Gibt es neben der Schlagwortsuche noch bestimmte andere Techniken, die Sie einsetzen um sicherzustellen, dass auch Leute, die vielleicht nicht die ganzen Schlagwörter im Lebenslauf haben, noch in den Suchergebnissen auftauchen?

Ramona Augusto: Im Normalfall nicht. Es ist schon so in der Datenbank, dass wir sehr gezielte Schlagwörter abfragen, teilweise auch die Region. Unsere Datenbank ist sehr gut gepflegt, sehr aktuell gepflegt. Wir können dort auch nach Verfügbarkeit schauen. Und erst wenn da niemand rauskommt, wenn es tatsächlich so eine Suche geben sollte, wo keiner oder nur drei vier Leute aus der Datenbank gespuckt werden, erst dann vergrößern wir die Suche. Dann kann man auch nur nach einem Überbegriff suchen. Man muss sich dann die Daten genauer anschauen und Zweifelsfall selbst entscheiden ob der Kandidat wirklich passt oder nicht.

Timo Bock: Wie viele Leute werden normalerweise kontaktiert? Nehmen wir an Sie haben jetzt eine Projektanfrage vorliegen.Wie viele Leute werden Sie per Email oder telefonisch kontaktieren, damit Sie am Ende eine Liste an drei Freelancer haben, die Sie dem Kunden präsentieren können?

Ramona Augusto: Es kommt ein bisschen drauf an wie eilig es der Kunde hat. Wenn es ganz eilig ist, telefonieren wir zwischen zehn und zwanzig Personen ab und machen parallel gleich eine Email Abfrage an alle Personen, die geeignet sein könnten. Wenn es nicht ganz so eilig ist, warten wir auf das Feedback der ersten fünf von unserer Datenbank. Wir rufen sie an, warten aber durchaus auf die Rückrufe. Wir schauen wie es aussieht und erst dann fangen wir an den größeren Kreis anzufragen. Es ist natürlich ärgerlich für den Freelancer, wenn er zehn Mails pro Woche kriegt, drauf antwortet und dann hört, “Ne, wir haben schon jemanden angeboten.“ Wir schauen natürlich ob es einen Sinn macht da noch mehrere Freelancer anzusprechen  oder lieber das eine Feedback abzuwarten. Das ist immer so eine Erwägung Sache. Wir wollen die Leute nicht voll müllen, salopp ausgesprochen,  mit irgendwelchen Anfragen, die doch nicht passen oder sehr schnell besetzt werden können.

Timo Bock: Wie lange dauert normalerweise so ein Zyklus? Von der Anfrage hin bis die Profile vorgeschlagen werden und danach bis eine Einsatz richtig beginnt?

Ramona Augusto: Bis wir Profile vorschlagen… Wir haben das Ziel, dass das erste Profil vierundzwanzig Stunden Später beim Kunden vorliegt. Dann noch eins bis vier Tage. Und dann kommt es natürlich auf den Kunden an. Wir haben sehr große Kunden. Dort dauert der Prozess meistens ein bisschen länger. Bis eine Entscheidung fällt sind es schon zwei, der, manchmal auch vier Wochen.

Timo Bock: Das ist schon ziemlich lange. Aber das Problem haben, glaube ich, alle. Dass drei-vier Wochen später der Freelancer gar nicht mehr verfügbar ist. Gibt es da bestimmte Tricks den Kunden zu einer schnellen Entscheidung zu bringen oder muss man damit einfach leben?

Ramona Augusto: Damit muss man leider einfach leben. Vor allem bei den Großkunden, wobei ich sagen muss – es hat sich auch sehr gewandelt. Die suchen in der Regel inzwischen schon mit einem Vorlauf von vier bis sechs Wochen. Wenn man eine Anfrage mit Start auf dem ersten April bekommt, sucht man den Freelancer dafür. Im Normalfall wird er erst zum dreißigsten dritten verfügbar und hat dadurch keine Wartezeit. Er ist tatsächlich noch verfügbar, wenn er die Zusage bekommt. Für die Positionen, die sehr schnell besetzt werden müssen, entschiedet sich der Kunde eigentlich sehr schnell und macht meistens nur ein Telefoninterview. Dann kann man das durchaus in drei-vier Tagen alles abgewickelt haben. Es kommt immer so ein bisschen drauf an. Aber die großen Konzerne haben sich jetzt eingewöhnt mit ein bisschen Vorlauf zu suchen. Es ist natürlich für die Freelancer, die jetzt aktuell verfügbar sind, immer schwierig zu sagen, „Na ja, ich warte jetzt sechs Wochen bis das Projekt los geht.“ Das ist natürlich schwierig. Aber für jemand, der weiß,dass er verfügbar wird, ist es ideal. Er hat einen fließenden Übergang wenn das klappt.

Timo Bock: Gut, kommen wir jetzt mal zum Vertriebsprozess. Gibt es da keine Trennung im Personnel? Wie würden Sie sonst Ihren Vertriebsprozess beschreiben?

Ramona Augusto: Sie meinen wenn jetzt keine Anfrage vom Kunden direkt kommt?

Timo Bock: Sie kommt ja nicht vom alleine, die Anfrage vom Kunden.

Ramona Augusto: Doch, Im Normalfall schon. Von den größeren Unternehmen schon. Wir haben nun mal den Vorteil, dass wir mit vier – fünf großen Unternehmen zusammenarbeiten. Sie kommen in der Tat auf uns zu. Teilweise auch über Portale, wo die fünf preffered supplier, die wir anbieten können, direkt gemeinsam angesprochen werden. Von daher ist es mehr oder weniger ein Abwarten bis die Anfrage kommt. Natürlich telefoniert man auch seine Kontakte ab, schaut ob man beim Bestandskunden ein neues Geschäft generieren kann. Parallel dazu haben wir auch jemanden, der rein für die Kaltakquise Firmen anspricht, um neue Kunden zu gewinnen.

Timo Bock: Ok, das ist da schon getrennt. Der Rekruter macht praktisch die Bestandskundenbetreuung, aber die Neukundenakquise macht ein anderer Mitarbeiter.

Ramona Augusto: Genau. Es ist natürlich ein Einreiz sich ein eigenes Vertriebsstamm aufzubauen. Der Mitarbeiter macht nicht nur Kaltakquise. Er schaut, dass er neue Kunden gewinnt und die dann betreut. Dann wird der Vertrieb wieder entsprechend ausgebaut und es geht weiter mit der Kaltakquise.

Timo Bock: OK, Interessant. In welchem preislichen Niveau befinden sich normalerweise die Projekte, Stundensatz oder Tagessatz?

Ramona Augusto: Das ist ganz schwer zu sagen, weil es im Prinzip die Vorgabe des Kunden ist was er  zu zahlen bereit ist. Es hängt natürlich auch von der Position ab. Bei einem geringeren Skill sind wir bei vierzig – fünfundvierzig Euro die Stunde, aber es geht auch hoch bis 160 – 170 Euro die Stunde. Das ist natürlich ganz verschieden. Wir müssen im Prinzip auch das ausführen, was der Kunde uns vorgibt. Wir haben nicht wirklich viel Spielraum. Unsere Margen liegen momentan bei ca. 8 bis 10 Prozent.

Timo Bock: OK. Und Sie können schon einen Kunden Ablehnen?

Ramona Augusto: Natürlich. Man kann dem Kunden sagen, „Das ist nicht machbar.“ Er merkt das dann auch selber, falls er uns nicht glauben sollte. Es gibt einen gewissen Druck in der Branche – man kann nicht mehr wie vor 10 Jahren relativ mitsteuern. Es ist inzwischen relativ eng gestrickt.

Timo Bock: Wie würden Sie jetzt einen idealen Kunden von Ihnen beschreiben? Ist das eine große Firma, oder eine bestimmte Technologie? Hätten Sie da bestimmte Präferenzen, wenn Sie sich den Idealkunden aussuchen könnten?

Ramona Augusto: Ein idealer Kunde, würde  ich mal sagen, ist ein sehr breit gefächerter Kunde, der nicht nur einen bestimmten Skill sucht, sondern selber einen großen Skill abdecken muss. Dass heißt: von Java Programmierer bis SAP-Berater, bis Projektleiter, er benötigt und braucht wirklich alle Rollen. Und vielleicht vom Einkaufsprozess  –  nicht dass er alle drei Monate bestellen und noch verlängern muss, sondern dass er eine Langfristigkeit bieten kann. Momentan ist es so, dass viele, durch Management gesteuert, alle drei Monate beauftragen. Das ist natürlich für uns und für den Freelancer einfach eine Aufwand. Selbst wenn man weiß, dass das Projekt auf 2 Jahre geplant ist, muss man eben alle 3 Monate diesen Prozess durchgehen, immer mit einem gewissen Risiko. Man hat dann weniger Ruhe, wie noch vor 4 – 5 Jahren, wo man einfach wusste – OK, ein Projekt geht 8 Monate oder 12 Monate und man hat erst mal Ruhe vom Resouncingprozess.

Timo Bock: Spielt der Einkauf dann auch eine Rolle? Wird er dann sagen, „Ja, wir bestellen, aber für 3 Monate, jetzt ein bisschen günstiger“, oder ist es nicht so das Problem?

Ramona Augusto: Das ist teilweise auch ein Problem. Aber bei den Großkunden, wenn ein Projekt läuft, ist es eigentlich kein Problem. Klar, vor 2 Jahren, als es wirklich in der Branche ein bisschen rumort hat, war es so, dass man alle 3 Monate noch mal die Preise verhandeln musste. Momentan geht eigentlich alles wieder gut durch. Es wäre sonst ein sehr großer Aufwand.

Timo Bock: Sie sagten schon wie die Margen sich bei Ihnen bewegen. Ist das etwas, was offen kommuniziert wird, oder ist es vom Fall zu Fall immer unterschiedlich?

Ramona Augusto: Nein, das wird offen kommuniziert. Auch schon seit Jahren. Es war uns immer wichtig, dass alle Seiten wissen wer was bekommt. Nur dann bekommt man auch eine Zufriedenheit.

Timo Bock: Das ist gut. Wie lange läuft ein Projekt normalerweise bei Ihnen?

Ramona Augusto: Momentan 6 Monate im Schnitt.

Timo Bock: OK.

Ramona Augusto: Wir haben natürlich Mitarbeiter, die schon deutlich länger in den Projekten sind, aber im Schnitt sind es momentan 6 Monate.

Timo Bock: OK. Wissen Sie wie erfolgreich die Projekte normalerweise sind? Von der Anfrage bis hin zu Besetzung? Wissen Sie ob Sie immer fünf Anfragen brauchen damit Sie eine Besetzung machen, oder ob Sie immer 10 Freelancer vorschlagen müssen damit einer genommen wird? Haben Sie da irgendwas, was Sie mit uns teilen können?

Ramona Augusto: Nein, leider nicht. Wir haben dazu keine Statistik. Es wäre eine gute Idee das jetzt im Eingriff zu nehmen.

Timo Bock: Oder haben Sie dazu so ein Bauchgefühl?

Ramona Augusto: So ein Bauchgefühl.. Im Schnitt, würde ich schon sagen, fünf Profile um einen Abschluss zu haben. Bei den Anfragen ist es deutlich höher. Ich würde mal sagen, dass man jede dritte Anfrage auch besetzen kann.

Timo Bock: Gut. Jetzt gibt es auch IT-Freelancer, die selber Aufträge akquirieren möchten.  Sie haben wahrscheinlich sehr viel Erfahrung darin. Haben Sie ein Paar Tipps, die Sie jemandem damit auf dem Weg geben können?

Ramona Augusto: Ja. Natürlich. Die Unterlagen immer wirklich aktuell und gepflegt da zu haben, am besten  zweisprachig. Das wird immer wichtiger. Viele erfahrene Freelancer haben kein englischsprachiges Profil. Und brauchen extrem lange uns eins zu erstellen. Ansonsten – sich selber eine Datenbank pflegen. Man hat mit einem Kunden schon Kontakt gehabt, vielleicht vor 2 Jahren, worauf sich man wieder beziehen kann. Es ist ganz wichtig sich selber irgendwo ein Archiv zu erstellen. In den Datenbanken auch aktiv zu sein, zu suchen. Ich finde, dass es immer gut ist, um überhaupt einen Namen im Markt  zu bekommen, selber in Blogs Beiträge zu schreiben. Es ist wichtig sich in Foren aktiv zu beteiligen, weil man sich dadurch schon ein bisschen herausarbeiten kann. Es gibt einfach zu manchen Skills unendlich viele Mitbewerber. Man muss es irgendwo schaffen, wenn man nicht über einen Vermittler geht, herauszustechen. Damit der Kunde auch irgendwoher einen Eindruck bekommt und denkt,  „Ja, der ist wirklich der Experte für den er sich ausgibt“.

Timo Bock: OK, ja, das macht Sinn. Aus Kundensicht – was ist der Mehrwert mit Ihnen zusammen zu arbeiten?

Ramona Augusto: Aus Kundensicht? Dass die Kunden natürlich schon sehr gut vorselektierte Profile bekommen. Und nicht hunderte, sondern 2 – 3, maximal 5 zu einer Position. Sie können sicher gehen, dass  man schon den persönlichen Kontakt mit den Leuten hatte, und schon einschätzen kann  ob derjenige ins Unternehmen passt oder nicht. Weil jeder Kunde eine andere Philosophie hat. Auch die open book policy wird von den Kunden sehr gern gesehen. Dass eben alle Linien gerade sind und jeder weiß wie die Bedingungen der Zusammenarbeit sind. Und die Zuverlässigkeit: die wissen, dass alles funktioniert, was die Rechnung etc. betrifft. Dass der Freelancer sein Geld bekommt und die Leute dort nicht auf der Matte stehen. Das sind alle so Sachen, die wir abnehmen. Gehaltsverhandlungen, etc. Dadurch hat der Kunde sein Prozess deutlich verschlankt.

Timo Bock: Ja, macht Sinn. Gut. Letzte Frage – wie schaut es in fünf Jahren aus? Haben Sie da eine Vorstellung wie sich Ihr Unternehmen weiter entwickeln wird?

Ramona Augusto: Wir wollen natürlich noch mehr in die Internationalität reingehen, neue Kunden akquirieren, wer möchte das nicht, und das Geschäft natürlich weiter ausbauen. Wir möchten sowohl mit den festen Mitarbeitern weiter wachsen, aber eben natürlich noch mehr Projekte für Freiberufler generieren.

Timo Bock: Alles klar, super, vielen Dank für das Interview.

Ramona Augusto: Danke Ihnen, wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

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Timo Bock

Als Vorstand der 4freelance recruitment eG schreibt Timo Bock in unregelmäßigen Abständen auf diesem Blog. Daneben ist er Co-Founder des Startups AMZstars. Zuvor war er vier Jahre in unterschiedlichen Positionen für einen Projektvermittler tätig. Sie finden Timo Bock auf LinkedIn und Twitter