Warum auch Auftraggeber auf die Marge des Vermittlers achten sollten

Auswirkungen von teuren VermittlernAn sich ein blöder Titel .. oder? Es ist ja selbstverständlich, dass der Auftraggeber darauf achtet: Mehr Marge für den Zwischenhändler bedeutet doch einen höheren Preis für den Auftraggeber. Oder?

Das Bild ist aber noch unvollständig. Richtiger ist: Ein Händler kauft möglichst günstig ein und verkauft möglichst teuer.

Im Zusammenhang der Freelancer Vermittlung bedeutet das für den Vermittler in der Realität meist: Den Preis des Kunden akzeptieren und den Freelancer vermitteln, der

(a) den Job für den Kunden erledigen kann und
(b) eine maximale Marge für den Vermittler erwirtschaftet.

Und dann noch eine kleine Nebenbedingung:
(c) so gut zu liefern, dass der Kunde wieder bei dem Vermittler ordert.

Das ist nachvollziehbar, wenn der Vermittler eine große Anzahl an Kandidaten für den Job hat und als Händler agiert.

Weniger erklärlich erscheinen mir aber die Aufschläge, die als Ergebnis der oben skizzierten Optimierung von Vermittlerangeboten dann auch vom Auftraggeber akzeptiert werden. Einen Aufschlag von 40% habe ich sehr oft gehört. 50% auch öfters. Vor kurzem habe ich bei einem Treffen einen Aufschlag von 65% genannt bekommen.

40% oder 50% oder sogar die 65% müssen sich irgendwie mit der Leistung des Vermittlers erklären lassen. Bei 25% oder 30% und evtl. auch noch 35% kann ich mir das vorstellen. Darüber hinaus fehlt mir persönlich aber die Fantasie. Bis jetzt habe ich jedenfalls noch von keiner Agentur gehört, die den Freelancer vor seinem Projekt mit einem Armani-Anzug ausgestattet hat. 🙂

Zur Bedeutung des Aufschlags:

Wenn Sie als Kunde einen Vermittlungsaufschlag von nur noch 10% statt 20% oder 40% zahlen, können Sie mehr in Ihr Projekt investieren:

  • Sie können sich für das gleiche Geld z.B. einen erfahreneren Projektleiter leisten
  • Sie können mit dem gleichen Budget mehr Zeitreserven einplanen und so die Wahrscheinlichkeit einer „on time & budget“ Lieferung erhöhen.

Hier eine kleine Rechnung, was der Vermittleraufschlag für die zur Verfügung stehenden Projekttage bedeutet:

40% Aufschlag             =    558 Tage

20% Aufschlag             =    651 Tage

10% Aufschlag             =    710 Tage

Also zusätzliche 59 Tage bzw. 152 Tage, wenn der Aufschlag des Recruiters nur 10% und nicht 20% oder 40% beträgt!

Was könnten Sie mit diesen zusätzlichen Personentagen alles schaffen?

Natürlich können Sie Glück haben und einen Freelancer engagieren, der gut ist und nur deswegen mit seinem Stundensatz so weit heruntergeht, weil er schon seit zwei Monaten kein Projekt hat. Das ist zwar nicht gerade eine Beziehung auf gleicher Höhe. Aber das ist Ihnen egal.

Aber was ist bei der Verlängerung Ihres Projekts? Meinen Sie wirklich, dass der Freelancer nicht eher zu einem Projekt wechselt, das ihm Euro 10 pro Stunde mehr bringt? Fast 10.000 Euro pro Halbjahr?

Entscheidung Freelancer Projektverlängerung

 

P.S.: Die Berechnung der Tage in dem Artikel basieren auf einem Projektbudget für Freelancer von EUR 500.000 und einem Tagessatz von EUR 640.

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Peter Monien

Ehemaliger hauptamtlicher Vorstand und Content Marketing Verantwortlicher von 4freelance. Peter ist Gründer und Geschäftsführer von TEAM 4M: Mainframe Anwendungssoftware Maintenance Outsourcing „in budget“, von deutschsprachigen Experten, mit Effizienz-Rückvergütung. Er hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im B2B-Sales und war unter anderen bei Dow Jones und Red Hat tätig. Sie finden Peter Monien auf LinkedIn und XING.