Aufschlag auf den Freelancer Tagessatz

Warum es uns nicht egal sein kann, wenn ein Vermittler dem Kunden einen hohen Aufschlag auf unseren Tagessatz berechnet

In Gesprächen höre ich oft „Es kann mir doch egal sein, was der Vermittler dem Kunden berechnet. Hauptsache ich bekomme meinen Tagessatz!“

Stimmt das denn? Hat die Höhe der Aufschläge keine Auswirkungen auf uns Freelancer?

Die meisten Projekte haben ein Budget

Ich bin mir sicher, dass es für die meisten Projekte nicht zutrifft. Denn nur wenige Projekte sind alternativlos und müssen durchgeführt werden, egal wie viel sie kosten werden. Die meisten Projekte aber haben einen Genehmigungsprozess durchlaufen. Sie haben sich gegenüber anderen Projekten durchgesetzt, haben ROI-Versprechungen gemacht und haben ein Budget erhalten, mit dem sie auskommen müssen.

Was geschieht nun, wenn eine Recruiting Agentur 30% (oder 50%*) statt 10% berechnet? Das Projektbudget ist wesentlich schneller aufgebraucht. Statt z.B. 1.420 Manntage stehen nur noch 1.200 oder 1.040 Manntage zur Verfügung. Die Verantwortlichen, die oft genug an der Einhaltung des Budgets gemessen werden, versuchen, die Kosten zu senken und im Budget zu bleiben:

  • „Der andere Projektmanager (mit 5 Jahren weniger Erfahrung) tut es doch auch.“
  • „Das passt schon mit den engen Vorgaben. Natürlich ist da auch die Zeit für die Dokumentation drin.“
  • „Das mit der Sicherheitsmarge passt schon. Wir müssen da nicht noch 20% draufrechnen. Wir haben das gut kalkuliert.“

Die Auswirkungen auf Dich

  1. Der Vermittler wird versuchen, Deinen Tagessatz nach unten zu verhandeln, um in dem engen Budgetrahmen noch seine Marge erzielen zu können.
  2. Die Zeit für die saubere Dokumentation oder andere sinnvolle Tätigkeiten fällt oft genug der zu engen Planung zum Opfer.
  3. Projekte, die sich nicht schnell genug bezahlt machen (ROI), werden erst gar nicht aufgesetzt und Du bekommst zu diesen nie eine Anfrage.

Kann es Dir also egal sein, was dem Kunden berechnet wird? Wohl eher nicht!

Was meinst Du?

Peter

P.S.: * 50%? Nein, ich übertreibe nicht. Wir haben einen belegten Fall, bei dem einer der großen Vermittler für ein SAP-Projekt genau 50% berechnet hat. Und das war kein Kurzprojekt.

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Peter Monien

Als ehemaliger hauptamtlicher Vorstand und Content Marketing Verantwortlicher von 4freelance schrieb Peter Monien öfter auf diesem Blog. Peter ist Gründer und Geschäftsführer von TEAM 4M: Mainframe Anwendungssoftware Maintenance Outsourcing „in budget“, von deutschsprachigen Experten, mit Effizienz-Rückvergütung. Er hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im B2B-Sales und war unter anderen bei Dow Jones und Red Hat tätig. Sie finden Peter Monien auf LinkedIn und XING.
  • Alexander Meneikis

    Für mich ist vor allem kritisch, dass der Kunde die Qualität erwartet, die er dem Vermittler bezahlt und nicht die, welche dem Freiberufler bezahlt wird. Andererseits, würde ich die Projekte alle nur selbst akquirieren, könnte ich nicht so viele machen, und wirksame Akquise kostet halt 20% bis 35% vom Umsatz. In der IT mag das anders sein, aber im kaufmännischen Bereich ist das so.

  • Ohne Vermittler habe ich doch ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten beim Preis, und der Kunde spart trotzdem. Na, wenn das keine Win-Win-Situation ist. 🙂 Und mit dem Umstand, dass ich nur Aufträge bei der Müller-Lüdenscheid GmbH & Co KG in Hintertupfingen bekomme, anstatt bei den DAX-Konzernen in Stuttgart und München, kann ich leben.

  • Jens Wagner

    Wir sollten nicht vergessen, dass ein allzu hoher Tagessatz auch zu einer Umentscheidung des Auftraggebers führen kann, das Projekt dann doch noch intern zu besetzen. Das ist zwar billiger, aber nicht unbedingt besser. Es muss schließlich einen Grund haben, dass die Lead-to-Deal-Quote nach der letztjährigen AIMP-Providerumfrage nur 5:1 beträgt. Das bedeutet, von 100 angefragten Projekten werden nur 20 zum Auftrag, also mit einem externen Kandidaten besetzt.