HaBu: Eine Alternative zum Lexware Buchhalter? [Video]

Ich teste heute WinHaBu, welches es auch in Versionen für Mac und Linux gibt.

Notizen zum Video

Dieses Test-Video ist nur verständlich für Leute, die Buchhaltung mehr als oberflächlich verstehen, für alle anderen klingt es eher nach Aramäisch.

Will schon lange auf Linux umsteigen, aber bisher der einzige Grund war, dass ich keine ernstzunehmende Alternative zum Lexware Buchhalter gefunden habe. Nur dieses Programm hält mich noch bei Windows.

Vor einem möglichen Umstieg teste ich also das Programm, ob es meine Anforderungen erfüllt.

Warum kann ich das beurteilen: 1996-2002 als Angestellter in Steuerkanzleien, komplette Mandantenbetreuung, über 100 Jahresabschlüsse verschiedener Rechtsformen. Danach Einsatz in ca. 50 Controlling-Projekten, Zusammenarbeit mit der Buchhaltung in Systemen wie z.B. DATEV, Simba, FiBuNET, Addison, Diamant, Lexware, GS, SAP FI + CO, Mosaiq, TRIO, tsenit.

Mache seit 1998 Jahresabschlüsse meiner eigenen Selbständigkeit und seit 2010 Bilanz der Kapitalgesellschaft, bei der ich angestellt bin.

Unterrichte außerdem seit 1996 Buchhaltung mit DATEV und seit 2010 mit Lexware. Ich behaupte daher, eine gewisse Idee von Buchhaltungs-Software zu haben.

Der Standard, gegen den ich teste, ist der Lexware Buchhalter. Es ist ein Programm, das durchaus seine Problemchen hat und nicht perfekt ist. Aber in seiner Preisklasse ist es allen anderen um Lichtjahre voraus.

Entscheidender Punkt ist für mich die Bilanzierung. Will ich Einnahme-Überschuss-Rechnung machen, komme ich wahrscheinlich auch mit Gnucash gut zurecht oder Banana Buchhaltung (ja, das heißt wirklich so) oder WISO.

Was wir aber als Kapitalgesellschaft brauchen, ist eine Software, die eine Bilanz nach deutschem HGB auswerfen kann. Ihnen ist vielleicht egal, wie Ihre Bilanz gegliedert ist, aber Ihrem Finanzamt ist das nicht egal. Grundlage für die Steuerbilanz ist immer noch die Handelsbilanz gemäß § 266 HGB plus GuV gemäß § 275 HGB.

Hier liegt ein großer Schwachpunkt von HaBu. Das Programm kann zwar eine Handelsbilanz auswerfen, die aber zum einen nicht toll aussieht und die man zum anderen auch selbst gestalten muss.

Das heißt, jedes Buchungskonto muss einer Position im HGB-Jahresabschluss zugewiesen werden. Dies muss vom User selbst gemacht werden. Der durchschnittliche Benutzer wird dies nicht schaffen. Selbst ein durchschnittlicher Buchhalter schafft das nicht. Ein solide trainierter Bilanzbuchhalter, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer kann das hinkriegen, oder jemand, der seit Jahren Bilanz-Themen unterrichtet.

Aus berufsrechtlichen Gründen merke ich kurz an, dass ich ausdrücklich NICHT anbiete, für irgendwen Jahresabschlüsse zu erstellen, denn das darf ich nicht.

Ich hatte das Programm vor ein paar Jahren schon einmal angeschaut und war ganz ungläubig, dass die Bilanzgliederung dem Benutzer überlassen wird. Bei Lexware ist eine Standard-Bilanz bereits geschlüsselt und kann mit ein paar einfachen Klicks aufgerufen werden.

Ich rief die Entwicklerin damals an und fragte, ob das ernst gemeint sei, dass der User die Gliederung des Jahresabschlusses selbst machen soll. Die Dame antwortete, ja, das sei so.

Es ist auch eine HGB-Bilanzstruktur im Programm hinterlegt, aber man muss jedes einzelne Konto selbst den Positionen zuweisen. Außerdem heißt diese Gliederung auch nicht „HGB-Bilanz“, sondern „Kern-Taxonomie“. Wie viele Leute wissen, was eine Taxonomie ist? Es ist eine Kategorisierung, aber wer weiß dass? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine andere Bilanzgliederung braucht als HGB? Wer nach IFRS bilanziert, wird wahrscheinlich andere Software nutzen.

Die Vorsteuer- und Umsatzsteuer-Eigenschaften der Konten sind für den Kontenplan SKR03 zum Teil bereits geschlüsselt. Dies ist eine ältere, klassische Kontengliederung, die seinerzeit die DATEV entworfen hat, der damalige Branchenführer. Der modernere SKR04, der so wie der IKR der Struktur des Jahresabschlusses folgt, ist bereits hinterlegt, nicht komplett, aber ausreichend für die Kleinstunternehmen, für welche diese Software geeignet ist. Allerdings sind die Konten des SKR04 noch nicht geschlüsselt, es fehlen also Eigenschaften zu Umsatzsteuer und Vorsteuer. Steuerschlüssel lassen sich aber recht bequem selbst erstellen.

Die größte Schwierigkeit für den Benutzer wird es sein, die Umsatzsteuer-Eigenschaften der Konten zu definieren, soweit es das steuerliche Meldewesen betrifft. Die Kennziffern und Feldnummern für alle Voranmeldungen der Umsatzsteuer sind vorhanden, aber nicht vollständig geschlüsselt und zugewiesen.

Erfrischend, endlich mal eine Buchhaltungs-Software zu sehen, die nicht gegen die GoBS verstößt. Wenn Sie das nicht verstehen, vergessen Sie es einfach.

Während man bucht, kann man das Journal in Echtzeit mitlaufen lassen und sieht so das Ergebnis seiner Buchung, komplett mit Umsatzsteuer und Vorsteuer.

Es gibt Offene-Posten-Funktionen, also Übersichten zu Rechnungen, die noch nicht als bezahlt gebucht sind.

Man kann sich Debitoren und Kreditoren selbst einrichten und schlüsseln.

Was mir fehlt ist eine Funktion wie in Lexware, wo ich Kassenbuchungen und Bankbuchungen einfach nacheinander wegballern kann, wo das Konto für Kasse bzw. Bank fixiert bleibt.

Ich finde das Programm hübsch und angenehm anzuschauen und von der Bedienung beim Buchen und Auswerten auch ergonomisch gut gestaltet.

Auf jeden Fall steckt hohe Sachkenntnis in dem Programm und gute entwicklerische Fähigkeiten. Die Gliederung des Menüs lässt mich vermuten, dass der Schwerpunkt der Entwicklerin seinerzeit auf Mac lag.

Es gibt sicherlich noch weitere schöne Funktionen, die ich noch nicht entdeckt habe.

Die wichtigsten Funktionen sind da, aber für den durchschnittlichen User einfach zu schwierig einzurichten. In der Anschaffung mag das Programm günstig sein, die verschiedenen Versionen liegen ungefähr zwischen 80 und 180 Euro, und das auch nur einmalig und nicht jedes Jahr, aber die Zeit, die man mit Einrichten, Schlüsseln und Zuweisen verbringen muss, dürfte die effektiven Kosten sehr viel höher treiben.

Also: Bedienung gut, aber Einrichtung indiskutabel.

Fazit

Fazit für mich: Da ich mit den Begriffen und den Kategorien gut umgehen kann, werde ich das Programm wahrscheinlich noch ausführlicher testen, sobald Linux bei mir gescheit läuft. Ich sehe die Chancen als sehr gut, dass ich das Programm kaufe und ab nächstes Jahr mit HaBu arbeite.

Fazit für den durchschnittlichen Benutzer: Wenn Sie keinen echten Crack haben, der Ihnen das Programm einrichtet, wird es schwierig. Ich selbst darf eine solche Einrichtung aus berufsrechtlichen Gründen nicht anbieten und möchte das auch ausdrücklich nicht tun.

Ich wünsche mir sehr, dass das Programm besser wird und die grundlegenden Fehler behebt, dass es bekannter wird und damit eine ernstzunehmende Alternative zum Lexware Buchhalter wird. Jetzt ist es das noch nicht, weil Standards, die für 95% der Benutzer relevant sind, nicht geschlüsselt sind.

Sollte ich etwas übersehen oder falsch interpretiert haben, bitte ich um Nachricht.

HAVE FUN !!

Tags:

Alexander Meneikis

Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Kaufmännischer Allrounder, seit 1998 selbständig, Projekte in Finanz- und Vertriebscontrolling bei Shell, Airbus, Germanischer Lloyd, Alice, freenet und vielen anderen. Alexander Meneikis hält zahlreiche Vorträge und Workshops bei Handelskammern und anderen Bildungsträgern, sowie bei selbst organisierten Veranstaltungen. Auf seinem Controlling Blog finden Sie Artikel und Gratis-Videos zu Themen von Controlling und Unternehmensführung. Sie finden Alexander Meneikis auf LinkedIn, seiner Internetseite und Twitter
  • Carsten Logemann

    Zunächst einmal vielen Dank für diesen ausführlichen Test eines Fachmanns.
    Wie gewünscht hier etwas Feedback zur sachlichen Darstellung: Entwickler der Software ist Manfred Richter. Er hat diese Software nach eigenen Angaben für seine Frau Claudia Richter geschrieben, mit der Sie wahrscheinlich kommuniziert haben (Sie sprachen von „Entwicklerin“).
    Es ist richtig, daß HaBu eine gewisse Komplexität mitbringt insbesondere bei der Einrichtung. Hierfür bietet Frau Richter aber einen ebenfalls günstigen Support an, der mir seinerzeit sehr geholfen hat. Dies liegt nun schon einige Jahre zurück und ich bin bis auf ein paar kleinere Details sehr zufrieden gewesen. Aber gerade bezüglich der Schwächen der E-Bilanz sehe ich mich nun nach Alternativen um und finde in Ihrem Test auch noch Argumente für eines der Produkte, die mir meine Steuerberaterin empfohlen hat.
    Eigentlich würde ich meine Buchhaltung gerne weiterhin auf meinem Mac oder einem Linux-Rechner machen und nicht dafür ein Windows-System einrichten müssen. Aber da bei mir die Komplexität und die Menge der der Buchhaltungsaufgaben steigt, muß ich neben der Kompatibilität mit meinen bevorzugten Betriebssystemen auch auf Kompatibilität zu Steuer-Dienstleistern achten.
    Allerdings war HaBu – seitdem ich es kenne – immer sehr kompatibel bezüglich Daten Im- und Export, auch im DATEV-Standard. Dies war einer der vielen Gründe warum ich mich seiner Zeit dafür entscheiden hatte. Dazu gehörte auch die mögliche die Anbindung an einem Mac-Bank-Programm (das ich aber nie genutzt habe), sowie die Flexibilität bei der Wahl des Betriebssystems, die ich wohl in nächster Zeit schmerzlich vermissen werde.

    • Alexander Meneikis

      Hallo Herr Logemann, vielen Dank für Ihren Kommentar. Inzwischen habe ich auch mitbekommen, dass Manfred Richter der Entwickler ist. Für 2015 habe ich mir HaBu gekauft, hatte aber dann wegen plötzlicher zusätzliche Aufträge einfach nicht die Zeit, alles zu konfigurieren, mein Umgang mit dem neuen Lohnabrechnungs-Programm (jlohn) lief dann auch nicht so reibungslos wie erwartet, so dass ich für dieses Jahr entgegen meiner Planung nochmals Lexware Financial Office einsetze. Ich werde mich aber parallel in HaBu einarbeiten, da ich einfach keine Geisel mehr von Windows sein will und Mac andererseits hasse nach mehreren schlechten Erfahrungen.
      Wenn Sie kein mandantenfähiges Programm brauchen, aber kein Windows wollen, wäre collmex online eine denkbare Variante. Ich hätte mich dafür entschieden, wenn ich dort nicht für jeden Mandanten extra zahlen müsste.
      Bei HaBu finde ich nach wie vor sehr negativ, dass es keine voreingestellte Bilanz gibt. Es wäre keine große Sache, auf Basis der E-Billanz-Taxonomie eine Standard-Bilanz einzubauen wie bei Lexware, die zwar nicht an Größe und Rechtsform angepasst ist, aber hinreichende Informationen liefert und die der Hausbank auch genügt.